Sportforum: Vertreter des Sport-Ministeriums sieht keine Chance auf schnelle Förderung

Rettungsring für Freibäder gesucht

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Jens-Uwe Münker, Leiter der Abteilung Sport im Hessischen Ministerium des Innern und für Sport (2. v. l.), machte beim Sportforum vor Erstem Kreisbeigeordneten Jens Deutschendorf (l.) und Sportkreis-Vorsitzenden Uwe Steuber (r.) keine konkrete Zusage für ein schnelles Freibad-Förderprogramm durch das Land, will das Anliegen aber „in die Politik tragen“. Foto: Marianne Dämmer

Waldeck-Frankenberg - Freibäder: Heißgeliebt und gern genutzt. Dennoch sehen heimische Bäder-Vereine die Zukunft ihrer Freibäder gefährdet, weil Geld für dringend nötige Sanierungen fehlt. Das 2. Forum des Sportkreises fand am Donnerstag zwar keine schnelle Lösung, brachte aber Ideen zutage.

Wer die ehrenamtlich betriebenen Freibäder im heimischen Landkreis erhalten will, braucht einen langen Atem und gute Einfälle – das wurde beim 2. Sportforum des Sportkreises Waldeck-Frankenberg am Donnerstagabend in Korbach rasch deutlich. Während bei den Teilnehmern des Forums die Hoffnung auf eine schnelle Förderung durch das Land Hessen bald schwand, sah Bernd Wecker vom Planungsbüro Bioline (Dalwigksthal) durchaus Chancen für eine Förderung der Freibad-Vereine aus dem Leader-Programm: „Ziel des Programms ist die Verbesserung der Lebensbedingungen im ländlichen Raum – da könnten die Freibad-Vereine einsteigen.“

Fast die Hälfte der Freibäder in Waldeck-Frankenberg wird inzwischen von Bürgern ehrenamtlich getragen – ohne ihr Engagement wären die meisten Bäder längst geschlossen. Dabei sind Freibäder Teil der öffentlichen Daseinsfürsorge; unverzichtbar für die Schwimmausbildung von Kindern und Teil einer attraktiven Infrastruktur. Der Erhalt von Freibädern im Landkreis ist also wichtig – wird aber von kommunaler und politischer Seite wenig unterstützt.

Ihrem Unmut darüber machten am Donnerstag beim Sportforum die Mitglieder der sechs Vereine Luft, die im Landkreis Waldeck-Frankenberg Freibäder betreiben oder intensiv unterstützen und sich nun in einem Netzwerk zusammengeschlossen haben: Rhoden, Ehringen, Landau, Mengeringhausen, Vasbeck und Marienhagen.

Freibäder fallen bislang durch jedes Fördernetz

Zusammen haben die Vereine 2000 Mitglieder, investieren rund 50000 Euro pro Jahr und haben 38000 Schwimmgäste, zählte Netzwerk-Sprecher Gerhard Menkel (Landau) auf. Mit enormem ehrenamtlichem Engagement sorgen die Vereine für Badeaufsicht, halten Ordnung und setzen instand – und stoßen trotz ihres Einsatzes immer mehr an ihre Grenzen, wie Menkel betonte: Investitionen in der Technik oder Beckensanierung seien nötig, aber nicht bezahlbar. Hinzu kämen neue Richtlinien, etwa zur Badeaufsicht, die immer schwieriger einzuhalten seien.

Die meisten Kommunen stehen unter finanziellem Druck und ziehen sich zurück, doch den Freibad-Vereinen stehen auch keine Fördertöpfe zur Verfügung, aus denen sie Geld schöpfen könnten. Selbst eine Mitgliedschaft im Landessportbund rechne sich nicht. Ein Dilemma – das wurde am Donnerstagabend für alle deutlich.

Zahlreiche Vertreter der Freibad-Vereine waren zum Forum gekommen, zu dem der Sportkreis-Vorsitzende Uwe Steuber eingeladen hatten. Sie hatten sich Lösungsvorschläge erhofft, vielleicht sogar die Aussicht auf ein Förderprogramm, skizzierte Menkel. Explizit waren auch heimische Landtagsabgeordnete und Bürgermeister geladen – sie sind die Ansprechpartner, wenn es um die Förderung der Bädersanierung geht. Doch außer Ersten Kreisbeigeordneten Jens Deutschendorf, dem Twistetaler Bürgermeister Stefan Dittmann und der stellvertretenden Kreistagsvorsitzenden Dagmar Deutschendorf hatten keine politischen Vertreter den Weg zum Forum gefunden – was für Enttäuschung unter den Teilnehmern sorgte.

Auch Jens-Uwe Münker, seit Juni Leiter der Abteilung Sport beim Hessischen Ministerium des Innern und für Sport, der auf Einladung von Steuber zum Forum gekommen war, machte deutlich, dass es keine schnellen Lösungen geben werde. Grund: „Wir fördern momentan grundsätzlich keine Freibäder, weil wir das nicht bedienen können“, sagte Münker. Es gebe 230 Freibäder in ganz Hessen, die alle unter ähnlichen Problemen leiden würden. „Wir müssten also ein Sonder-Investitionsprogramm auflegen und 50 bis 100 Millionen Euro in die Hand nehmen, um flächendeckend etwas erreichen zu können“, sagte Münker.

„Der Aufschlag, etwas zu ändern, ist gemacht“

Schließlich könne das Land auch mit einer Förderung immer nur Impulse setzen – lediglich 20 bis 30 Prozent der Kosten würden bezuschusst. Münker sagte aber zu, „das Anliegen in die Politik zu tragen“.

Steuber schlug vor, ein Pilotprojekt zu starten und den „Förderplan einfacher zu stricken, um Wiesbaden nicht mit großen Zahlen zu verschrecken“ – also nur die Freibäder mit Landesgeldern zu bezuschussen, die von Vereinen betrieben würden; Kommunen und Landkreis könnten Geld zusteuern.

Das frustrierte Fazit eines Teilnehmers „Wir gehen hier raus mit warmen Worten, aber ohne Perspektive“ ließ Steuber nicht stehen. „Den Aufschlag, das zu ändern, haben wir heute gemacht. Wir bleiben dran“, betonte er und verwies nochmals auf die Chancen durch eine Leader-Förderung.

Von Marianne Dämmer

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