Waldeck-Frankenberg

Revolution und Romantik im Denkmal

- Waldeck-Frankenberg (resa). Vorträge, Konzerte, Führungen und Feste: Zum "Tag des offenen Denkmals" herrschte am Sonntag im ganzen Landkreis reger Betrieb in alten Gemäuern. In Vöhl feierten Vereine, Kirche und Ortsbeirat ein großes Fest, in Flechtdorf machten sich Geschichtsfreunde auf Spurensuche.

Von Revolution, Revolte und Aufstand keine Spur: Ein friedliches, buntes Fest feierten die Vöhler am Sonntag auf dem Schulberg. Kirchengemeinde, Vereine und Ortsbeirat hatten zum „Tag des offenen Denkmals“ gemeinsam eingeladen. Der stand unter dem Titel „Romantik, Realismus, Revolution – Das 19. Jahrhundert“. Grund genug, um sich im alten Vöhler Ortskern an Aufstand und Freiheitsbewegung in Vöhl zu erinnern, wo damals vor allem Jost Henkel demokratisches Gedankengut unter die Menschen brachte. Von Freiheit sangen schließlich auch die Chöre und Musikfreunde, die dem Aufruf der Initiatoren gefolgt waren, einen großen Chor zu gründen. Knapp 100 Sänger ließen Melodien der Romantik lebendig werden. Das waren zwar nicht so viele wie erhofft, dennoch wehte der Geist der Romantik durch die Vöhler Martinskirche. Da hatte der Regen dem Markttreiben rund um Gemeindehaus und Kirche bereits ein Ende gesetzt. Nach dem Gottesdienst waren hier viele Gäste aus dem umliegenden Ortsteilen an Handarbeitsständen, Tombola, Kürbisangeboten und den Ausstellungstischen des Seniorenheims aus Asel vorbei geschlendert.

In Flechtdorf machten sich unterdessen Geschichtsfreunde bei Führungen und Vorträgen auf die Suchen nach Spuren der Revolution rund ums Kloster: Regelmäßig zitiert der Rentmeister im 19. Jahrhundert in Flechtdorf die Landwirte aus der Umgebung zu sich, damit sie dort den Zehnten zahlen. Mit Eiern, Hühnern und Geld bepackt, kommen die Bauern zum Rentmeister und geben dem Kloster von dem wenigen, was sie selbst haben. Als der Fürst um 1840 einen neuen, noch strengeren Rentmeister einsetzt und die Armut wächst, steigt auch der Unmut bei den Bauern. Am 24. März 1848 greifen die Wirmighäuser zu Trommeln und Äxten und marschieren nach Flechtdorf. Sie stürmen das Rentmeisterhaus, versenken die Papiere im Teich und zetteln einen Aufstand an. Als das Kloster den Fürsten um Hilfe bittet, schickt der 50 Soldaten nach Flechtdorf. Die Revolution wird leiser und die Wirmighäuser Bauern gehen mit gestärkten Rechten und der Möglichkeit, ihr Land zu kaufen, nach Hause. „Ganz grün sind wir Flechtdorfer den Wirmighäusern aber bis heute nicht“, sagt Helmut Walter schmunzelnd, als er die Besuchergruppe am alten Rentmeisterhaus vorbeiführt, „zum Schützenfest ziehen sie noch immer mit Äxten und Trommeln los“.

Mehr dazu lesen Sie in der Waldeckischen Landeszeitung und der Frankenberger Zeitung von Montag, 12. September 2011.

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