Nationalparkfest findet am Sonntag zusammen mit dem Unesco-Welterbetag statt

Schatz von Weltgeltung vor der Haustür

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Edertal/Frankenau - Das Nationalparkfest wird am Sonntag, 2. Juni, von 10 bis 18 Uhr am Fischhaus Banfe in Bringhausen und am Fahrentriesch in Altenlotheim gefeiert.

Im Mittelpunkt der Aktionen stehen die Weltnaturerbeflächen des Nationalparks Kellerwald-Edersee, weil das Fest mit dem neunten Welterbetag zusammenfällt, der jedes Jahr am ersten Sonntag im Juni begangen wird.

Besucher können an allen Veranstaltungen wie etwa geführten Radtouren und Wanderungen ohne Anmeldung und gratis teilnehmen. Allein für die Kutschfahrt zum Fahrentriesch wird ein geringer Kostenbeitrag pro Person und Fahrt erhoben. Für das leibliche Wohl ist mit herzhaften regionalen Speisen bis hin zu Kaffee und Kuchen gesorgt. Besucher können auf eigene Faust mit der Fähre, dem Fahrrad, der Kutsche oder zu Fuß die Veranstaltungsorte im Nationalpark erreichen.

Radtour durch Nationalpark

Zum Fischhaus Banfe können die Gäste beispielsweise die Fähre von Scheid nach Rehbach nutzen und weiter zum Veranstaltungsort wandern. Die Fähre fährt nach Bedarf ganztags zwischen 10 und 18 Uhr, eine Fahrt dauert rund sechs Minuten. Eine Alternative zur Anreise bietet der Edersee-Radweg. Vom Wanderparkplatz Kirchweg in Bringhausen ist das Fischhaus ebenfalls gut zu erreichen. Um 13 Uhr startet hier die Fahrradtour mit einem Nationalpark-Führer. Fahrräder sind mitzubringen. Über acht Kilometer geht es vom Treffpunkt zum Sauermilchplatz, über das romantische Keßbachtal zum Fischhaus Banfe und am Edersee zurück zum Ausgangspunkt.

Am Fischhaus starten die zweistündigen Wanderungen in das Unesco-Weltnatur­erbegebiet jeweils um 11 und um 14 Uhr. Bei einem Quiz gibt es Preise zu gewinnen, Hauptpreis ist eine Familienjahreskarte für den Wildtierpark Edersee. Der zweite Preis besteht in einer Familienkarte für das Nationalpark-Zentrum Kellerwald. Dritter bis fünfter Preis ist ein Bildband über das Weltnaturerbe Buchenwälder. Wer das Quiz vollständig richtig beantwortet, nimmt an der Verlosung teil. Für die jüngeren Besucher gibt es ein eigenes Spiel zum Weltnatur­erbe.

Juwel im Fels

Die blühende Pfingstnelke, ein Juwel im Fels, lockt zu einem Spaziergang zu den Hängen des Bloßenberges. Die eineinhalbstündigen Führungen zu diesem besonderen Eiszeitrelikt starten um 11.30 und 14.30 Uhr. Kinder können sich als kleine Forscher betätigen und versuchen, dem Banfebach seine Geheimnisse zu entlocken. Bei einer Schnitzeljagd gilt es verschiedene Aufgaben zu lösen. Was mögen tastende Hände in verdeckten Kisten erfühlen? Wer alles richtig errät, nimmt an einer Gewinnverlosung teil. Alle Teilnehmer erhalten zudem eine kleine Überraschung am Festtag.

Als besondere Spezialität werden geräucherte Forellen und verschiedene Wildwurstprodukte angeboten. Als kleine Souvenirs bietet die Nationalparkverwaltung Plüsch-Boggel, T-Shirts und vieles mehr an. Interessierte können sich am Fischhaus kostenfrei E-Bikes und Orientierungskarten ausleihen, um mit ihnen bequem zum zweiten Festort und zurück zu radeln.

Kutschen-Shuttle

Am Fahrentriesch beginnt das Programm um 13 Uhr. Die Kutschen vom Nationalpark-Partner Ralf Finke pendeln zu jeder vollen Stunde vom Wanderparkplatz Altenlotheim zum Fahrentriesch und bringen die Gäste binnen 20 Minuten zu den Heidschnucken mit ihren Lämmern. Am Fahrentriesch starten die zweistündigen Wanderungen in die Unesco-Welterbestätte des Nationalparks jeweils um 11.30 und 14.30 Uhr. Diplombiologe Georg Schutte ist mit seinen Heidschnucken zur 4. Lämmertaufe vor Ort. Große und kleine Tierfreunde können den ganzen Tag Patenschaften für ein Lamm übernehmen.

Kinder können in einem Barfußgang testen, ob sie mit ihren Füßen genauso gut „tasten“ können wie mit ihren Händen. Als Erinnerung an das Nationalparkfest können kleine Festbesucher Anstecker und Schlüsselanhänger mit Tiermotiven basteln. Ruth Heinemann verwandelt mit allerlei Farben, viel Fantasie und sicherem Pinselstrich Kinder in Bewohner des Nationalparks - in Boggel, Heidschnucken oder anderen Wesen. Als besondere Spezialität werden Schnuckenwurst und -gulasch angeboten. Auf dem schnellsten Weg kann der Fahrentriesch vom Wanderparkplatz Altenlotheim aus erreicht werden. Eine Fahrradtour mit einem Nationalpark-Führer zum Fahrentriesch startet um 13.30 Uhr vom Wanderparkplatz Euler bei Frankenau. Die Fahrräder sind mitzubringen.

Die acht Kilometer lange Tour führt vom Treffpunkt zur Quernst-Kapelle. Über Kellerwaldsteig und Ederradweg (ER 2) geht es zum Fahrentriesch. Von dort führt die Strecke über Altenlotheim zurück zum Ausgangspunkt.

Der Handzettel zum Nationalparkfest ist unter www.nationalpark-kellerwald-edersee.de zum Download eingestellt, ebenso wie der Nimm-mit-Plan, eine Übersichtskarte des Nationalparks mit allen Wanderparkplätzen.(r)

Hintergrund

Der neunte, jährlich gefeierte Unesco-Welterbetag fällt in diesem Jahr mit dem Nationalparkfest zusammen. In Deutschland gibt es derzeit 14 Nationalparks. Als einer der jüngsten wurde der Nationalpark Kellerwald-Edersee 2004 auf 5738 Hektar ausgewiesen. Seit 2011 ist er ein Teilgebiet des transnationalen Unesco-Weltnaturerbes „Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“.

Der Fahrentriesch entstand im 12. Jahrhundert, als Waldbauern die Nutzung der Rodungsinsel „Eschebruch“ aufgaben und die Altenlotheimer die Lücke im dichten Kellerwald nutzten, um dort ihre Schaf- und Rinderherden weiden zu lassen. Heute ziehen wieder Schafe über den Triesch, um seltene Lebensräume und teilweise stark gefährdeten Arten zu erhalten.

Eine Besonderheit sind die niedrigen Borstgrasrasen mit Borstgras, Arnika und Katzenpfötchen. Das Fischhaus Banfe ist ein ehemaliger Fischzuchtbetrieb, der später zum Forsthaus umgebaut wurde. Schätzungsweise mehr als 800 Quellen entspringen im Nationalpark: Lebensraum für den Grundwasserflohkrebs sowie den Alpenstrudelwurm und Dunkers Quellschnecke, beide Botschafter der letzten Eiszeit.

Die Pfingstnelke ist eine nacheiszeitliche Reliktart, deren Alter bisher auf maximal 10 000 Jahre vermutet wurde. Neuste Studien gehen jedoch davon aus, dass sie wahrscheinlich wesentlich älter ist.

Deutschland trägt eine internationale Verantwortung für die Erhaltung der Art, da 75 Prozent des Weltvorkommens in Deutschland wachsen. Das Bundesamt für Naturschutz bewertete die Pfingstnelke 2002 für „weltweit stark gefährdet“. Das größte hessische Vorkommen liegt im Nationalpark Kellerwald-Edersee. Zahlreiche überregional seltene und gefährdete Begleitarten sind die Astlose Graslilie, der Nordische Streifenfarn oder seltene wärmeliebende Tierarten wie der Steppengrashüpfer.(r)

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