Auf den Spuren einer Tradition des gegenseitigen Erfreuens · WLZ-FZ-Adventsserie

Schenken ist so alt wie die Menschheit

Schenken gehört zu den schönsten Gesten auf der Welt – wenn das Präsent mit Bedacht ausgewählt ist, oder sogar selbst gemacht.

Waldeck-Frankenberg - Schenken - woher kommt diese Tradition? Welche Bedeutung hat das Geben, das nicht nur das Christentum auszeichnet? Fakt ist: Es macht Schenkende und Beschenkte froh. Und es steht im Mittelpunkt der WLZ-FZ- Adventsserie.

Der Brauch, mit Geschenken eine Freude zu bereiten, zieht sich durch die Menschheitsgeschichte. Schon die Bibel spricht von Brandopfern für Gott als Zeichen des Dankes. Auch die Germanen brachten Opfer, um Gott zu besänftigen - auch wenn das eher aus Angst geschah. Ein Opfer aber soll ein Geschenk heute nicht sein. Obwohl es das viel zu oft ist, wenn das Portemonnaie für die Liebsten wieder einmal geplündert wurde. Gleichwohl dient so manches Geschenk der Besänftigung.

Im alten Rom wurden während der Neujahrsfeiern kleine Geschenke gemacht: der Zweig eines Baumes, Früchte aus dem Garten. Das sollte dem Schenkenden selbst Glück im Jahr bringen. Wie eigensinnig, wenn auch nett. Später wurde der Jahresbeginn genutzt, um neue Bedienstete einzustellen oder ihnen zusätzlich zum Lohn Kleider zu geben. Tiere bekamen Reste vom Weihnachtsessen, Bäume wurden mit Honig beträufelt, damit sie im neuen Jahr wieder reichlich tragen. Jemandem etwas zu schenken bedeutete somit einerseits, seine Dankbarkeit zu zeigen, und andererseits, sein Gegenüber wohlgesonnen zu stimmen. Gedanken, die auch heute noch mitschwingen.

Denn eigentlich sollten Geschenke ein Zeichen der Liebe, Zuneigung und Dankbarkeit sein. Wer Weihnachtsgeschenke überreicht, tut letztlich nichts anderes, als die Hirten und die Weisen, die dem Jesuskind aus Freude und Ehrerbietung Geschenke brachten. Dabei ist es unwichtig, ob es ein kostbares oder ein ganz schlichtes Geschenk ist: Der Akt des Schenkens als solches ist von Bedeutung.

Sonnenwende, Göttergeburt

Das Datum, an dem heutzutage geschenkt wird, ist beinahe ebenso alt, wie der Brauch selbst: Schon lange vor Jesu Geburt wurde am 25. Dezember gefeiert: Die alten Germanen begingen ihr Lichterfest, weil sie zur Wintersonnenwende das Ende des alten und den Beginn des neuen Jahres feierten. Im persischen Reich soll am 25. Dezember der Sonnengott Mithras geboren worden sein. Ihm zu Ehren entstand in Rom schon 70 vor Christus eine neue Religion, die dem Christentum ähnlich war und im 4. Jahrhundert von selbigem abgelöst wurde.

Viele vorchristliche Feiertage, wie auch Weihnachten, wurden seitdem vom Christentum übernommen. Erst seit dem 9. Jahrhundert wird auch in Deutschland am 25. Dezember die Geburt Jesu gefeiert. Die Reformation zog das Schenken einen Tag vor - seitdem existiert der 24. Dezember als besinnliches Weihnachtsfest im Familienkreis.

Dass an diesem Tag Geschenke ausgetauscht werden, geht auf das 4. Jahrhundert zurück, als in Kleinasien ein Bischof namens „Nikolaus von Myra“ als Schutzpatron der Seefahrer, Händler und der Kinder auftrat. Weil er sich um die Jüngsten kümmerte, wurden ihm zu Ehren an seinem Namenstag - gleichsam sein Todestag - den Kindern Geschenke gegeben. Seither fand die Bescherung am 6. Dezember statt. Während der Reformation lehnten sich Protestanten dagegen auf, an einem Todestag Geschenke zu machen - und verschoben das Geben an den Beginn des Weihnachtsfestes.

Dass heute dennoch am Nikolaus-Tag kleine Präsente überreicht werden, hat andere Gründe. Im Mittelalter entwickelte sich der Brauch, dass Kinder von Heiligen Geschenke bekamen. Von Sankt Nikolaus wurden sie für gutes Betragen belohnt. Sein Gegenspieler Knecht Ruprecht war dafür zuständig, ungehorsame Kinder mit einer Rute zu bestrafen oder die Geschenke unerreichbar hoch in den Weihnachtsbaum zu hängen und die Kleinen so zu mehr Frömmigkeit zu erziehen.

Nach der Reformation trennten sich viele Menschen von diesen Bräuchen, erklärten den Heiligabend zum Fest der Geschenke und reduzierten die Präsente am Nikolaustag auf kleine Aufmerksamkeiten.

An jemanden denken

Das Schenken selber ist ein Ritual, das Spaß macht, weil es dem Schenker gut tut wie dem Beschenkten. Rituale sind wichtig im Leben, deswegen fällt es auch schwer, auf das Schenken zu verzichten. Denn mit einem Geschenk wird gezeigt, dass jemand sich Gedanken gemacht hat - wenngleich auch nicht alle Geschenke gut ankommen.

Das passiert gerade dann, wenn sie eines gewissen Eigennutzes nicht entbehren oder sich jemand mit teuren Geschenken hervortun will - ganz zu schweigen von Präsenten, die bevormunden. Oft liegt es an mangelnder Information darüber, was der Beschenkte braucht oder mag. In manchem Dorf schenken sich alte Menschen noch heute Kaffee, Nylon-Strumpfhosen, Butter und Sahne - wohl weil das einst wertvolle Dinge waren. Ob diese Gaben heute noch als durchdachte Aufmerksamkeit aufgenommen werden?

Andererseits stehen diese Artikel nicht im Verdacht, Zeichen eines überbordenden Konsums zu sein. Denn heute wird der Kaufrausch oft mit dem Fest der Liebe gleichgesetzt. Die Werbung kurbelt den Umsatz an, überall winkt der Weihnachtsmann. Ob nun der alte Rauschebart die Geschenke bringt oder doch das Christkind oder Mama und Papa, das ist bei Kindern heftig umstritten. Wichtig aber ist, dass sie von Herzen kommen.

Schenken

Das Verb „schenken“ geht auf das althochdeutsche Wort „skenken“ – zu Trinken geben; das Gefäß schief halten, aus dem eingeschenkt wird – und das mittelhochdeutsche Wort „schenken“ – geben, verleihen, ausschenken – zurück. Es gibt viele Bedeutungen und Redewendungen mit dem Begriff „schenken“. So kann man jemandem etwas schenken, es ihm also dauerhaft überlassen. Wenn jemandem „nichts geschenkt wird“, bedeutet das, dass er sich ganz schön anstrengen muss. Man kann ein Lächeln schenken, oder bei der Geburt einem kleinen Menschen sein Leben – und wenn man „sich etwas schenken“ kann, sollte man es einfach bleiben lassen.

Basteln, Kochen und Werken

Das weihnachtliche Geben steht im Mittelpunkt der WLZ-FZ-Adventsserie „Mit Liebe schenken“. Und wie der Titel schon sagt: Es geht nicht um gekaufte Präsente, sondern um Kleinigkeiten, die von Herzen kommen – um Selbstgemachtes. In den Adventswochen präsentieren Leser und Mitarbeiter der Heimatzeitungen, was sie ihren Liebsten unter den Weihnachtsbaum legen oder in den Adventskalender ?hängen. Weitere Bastel-, Koch- und Werkideen sind willkommen: Unter lokalredaktion@wlz-fz.de werden sie gesammelt und anschließend im Internet veröffentlicht – damit die eine oder andere Leser-Idee am Heiligabend für ein Lächeln sorgt.(gl)

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