Darf er noch ins Haus - wenn ja, worauf muss geachtet werden? 

Schornsteinfeger in der Corona-Krise: „Manchmal hilft ein Gespräch“

Ein Schornsteinfeger bei der Arbeit: Während der Corona-Krise können Hausbesuche verschoben werden. Dafür müssen jedoch eindeutige Gründe vorliegen und Regeln beachtet werden. Fotos: Patrick Pleul, PR

Bei Haus- und Wohnungseigentümern sowie Bewohnern herrscht Unsicherheit. Aufgrund der in der Corona-Krise geltenden Kontaktverbote fragen sie sich: Dürfen wir den Schornsteinfeger jetzt noch reinlassen? Und falls ja, worauf muss geachtet werden?

Unsere Zeitung fragte bei Bezirksschornsteinfeger und Kreisobmann Siegfried Becker aus Twiste nach.

„Derzeit werden nach meinem Wissen in allen 20 Kehrbezirken in Waldeck-Frankenberg Schornsteinfegerarbeiten durchgeführt“, berichtet Becker. Die Arbeiten dienten schließlich dazu, Brände zu verhindern und den sicheren Betrieb von Feuerstätten zu gewährleisten.

„Sicher ist zu unterscheiden, ob Arbeiten dringend ausgeführt werden müssen oder ob Arbeiten verschoben werden können. Die Häufigkeit für die Arbeiten sind in der Kehr- und Überprüfungsordnung festgelegt, die Termine für die Arbeitsausführung im Feuerstättenbescheid. Dieser Bescheid ist nach wie vor rechtskräftig“, betont der Schornsteinfeger.

Siegfried Becker, Bezirksschornsteinfeger

Becker ist sich der aktuellen Situation allerdings bewusst. Er könne auch verstehen, dass Mieter und Hausbewohner skeptisch reagieren. Eine Verschiebung der Arbeiten sei aber trotz Corona nur im begrenztem Umfang möglich – auch weil der Arbeitsumfang zu einem späteren Zeitpunkt nach Beendigung der Krise dann nicht bewältigt werden könne.

„Kann der Bewohner einer Wohnung oder eines Hauses uns in der festgelegten Frist aufgrund der Corona-Pandemie nicht hinein lassen, weil er unter Quarantäne steht, weil er Kontakt zu infizierten Personen hatte oder weil er für sich gesundheitliche Bedenken hat, da er zu einer Risikogruppe gehört, können die Arbeiten aufgeschoben werden“, so Becker. Der Kunde müsse hierfür schriftlich erklären, dass der Zutritt zu seiner Wohnung aus genannten Gründen nicht möglich sei. Er müsse ebenso versichern, dass die Arbeiten zum nächst möglichen Zeitpunkt nachgeholt werden. Diese Erklärung werde vom zuständigen Bezirksschornsteinfeger an den Kreis weitergeleitet.

Wenn jedoch eine unmittelbare Gefahr besteht, ist eine Verschiebung laut Becker nicht möglich. „Die Arbeiten werden dann auf Veranlassung durch den Landkreis als zuständige Aufsichtsbehörde zwangsweise durchgeführt“, sagt der Schornsteinfeger, der zugleich aber betont, dass dies nach Möglichkeit vermieden werden sollte. Klar sei zudem: Feuerungsanlagen dürften laut Verordnung nur dann betrieben werden, wenn die sichere Benutzbarkeit durch den bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger erfolgt sei.

„Die beste Verfahrensweise für alle Beteiligten ist gegenseitige Rücksichtnahme“, so Becker. Oberstes Ziel müsse die Gesundheit der Bewohner und der sichere Betrieb von Feuerungsanlagen sein. „Manchmal hilft ja auch ein klärendes Gespräch oder ein Kompromiss.“

Schutzmaßnahmen bei den Arbeiten

Auf die Frage, ob sich die Schornsteinfeger in der Corona-Krise besonders schützen, sagt der Kreisobmann: „Zur Zeit gibt es keine entsprechenden Regeln bei der Schutzkleidung. Einige Kollegen schützen sich mit Gesichtsmasken, Mundtüchern, Handschuhen und Ähnlichem. Sollte eine allgemeine Pflicht für Schutzmasken eingeführt werden, setzen wir diese natürlich um.“ Generell befolgen die Schornsteinfeger nach Auskunft Beckers die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. „Wir halten Abstand, waschen uns die Hände und desinfizieren diese gegebenenfalls.“ Zumeist sei die Abstandsregelung nicht schwer zu beachten, da die Schornsteinfeger ihre Arbeiten in aller Regel auf dem Dach, dem Dachboden oder im Keller ausführen und ein näherer Kontakt zum Kunden nicht nötig sei.

Abstand halten und den eigenen „Kuli“ nehmen: Das sagt der Landkreis

Wie lauten die Empfehlungen des Landkreis Waldeck-Frankenberg mit Blick auf Schornsteinfeger-Arbeiten in der Corona-Krise? Unsere Zeitung fragte nach. „Wir raten Haus- und Wohnungseigentümern, Bewohnern sowie Schornsteinfegern, sich bei Hausbesuchen dringend an die aktuellen Verhaltens- und Hygienevorschriften zu halten“, schreibt der Landkreis in seiner Antwort. 

Persönliche Kontakte sollten auf das Notwendigste beschränkt werden. Zudem gelte es, ausreichend Abstand zu halten, Hygiene beim Husten und Niesen zu beachten und zum Beispiel einen eigenen Kugelschreiber zu benutzen. „Der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks empfiehlt, Schornsteinfegertätigkeiten, wenn möglich, zu verschieben und auf Vollstreckungsmaßnahmen – soweit vertretbar – zu verzichten. Es gilt, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und Risikogruppen zu schützen“, teilt der Landkreis mit. 

Die gesetzlichen Eigentümerpflichten würden durch die Corona-Pandemie nicht aufgehoben, dennoch werde der Situation Rechnung getragen. „Haus- und Wohnungseigentümer dürfen unter Anbetracht der aktuellen Situation bei ihren Schornsteinfegern geplante Termine aufschieben. Bei Öl- und Gasheizungen stellt eine kurzfristige Überschreitung der im Feuerstätten-Bescheid festgesetzten Frist in der Regel kein Problem dar“, schreibt der Landkreis. 

Auch bei Rauchschornsteinen dürfe die Frist – wenn aus Sicht des Schornsteinfegers keine brandschutztechnischen Bedenken bestehen – ebenfalls kurzfristig überschritten werden. „Bestehen Bedenken, muss der Haus- und Wohnungseigentümer eine Verpflichtung unterzeichnen, dass die Feuerstätte bis zur Durchführung der notwendigen Arbeiten nicht betrieben wird. Bei Zuwiderhandlungen muss der Eigentümer im Schadensfall rechtliche Konsequenzen tragen. 

In beiden Fällen dürfen die Schornsteinfegerarbeiten zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden“, schreibt der Landkreis.

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