Waldeck-Frankenberg

Schottenkaro und ein rosa Schweinchen

- Waldeck-Frankenberg (tk). Sein Büro im zweiten Stock will er schrittweise verändern, die desolate Finanzlage des Kreises so schnell wie möglich: Landrat Dr. Reinhard Kubat absolvierte am Montag seinen ersten Arbeitstag im Kreishaus.

Wer das Vorzimmer des Landrats im zweiten Stock des Kreishauses betrat, musste am Montag genau hinschauen, um den Amtswechsel zu erkennen. Der Name auf der gläsernen Eingangstür ist ausgetauscht. Dr. Reinhard Kubat steht da jetzt in schwarzen Anreibebuchstaben. Im Büro ist auf den ersten Blick auch alles beim Alten geblieben: Gummibaum, Freischwingerstühle, mattierte Glastische, eine abstrakte Skulptur aus dem Burgenland, Acrylbilder, ausgesucht vom Vorgänger. „Den Zustand muss ich erst einmal auf mich wirken lassen“, so der neue Verwaltungschef, der die nächsten Wochen auch als „Orientierungsphase“ bezeichnet. „Ein ganz normaler Anfang und doch etwas Besonders“. So beschreibt Dr. Kubat seinen ersten Arbeitstag als ranghöchster Wahlbeamter Waldeck-Frankenbergs und Vorgesetzter von insgesamt 1000 Bediensteten der Kreisverwaltung sowie der angeschlossenen Eigenbetriebe. Gute Wünsche, einen großen Blumenstrauß und kleine Geschenke, wie die mit Nervennahrung und Obst gefüllte rote Schultüte politischer Freunde, gab es zur Premiere. Von seiner Familie stammt der Glücksbringer, der zwischen Laptop, Umlaufmappe und Telefon steht, ein rosa Schweinchen aus Plüsch. Zum Jahreswechsel und damit zum Start in seine bis zum Silvestertag 2015 währende Amtszeit sei er noch erstaunlich gelassen gewesen. Die Nacht von Sonntag auf Montag habe er jedoch schlecht geschlafen, räumt Kubat ein. Aber das sei doch ganz normal, wenn „etwas Neues bevorsteht“. Die zahlreichen Einladungen zu Neujahrsempfängen und Antrittsbesuchen müsse er erst einmal sichten und sortieren, berichtet er. Für seinen ersten Firmenbesuch hatte sich der neue Landrat am Montag ein Frankenberger Unternehmen ausgesucht. Zurück im Büro standen Gespräche mit den engsten Mitarbeitern, mit dem Kreisbeigeordneten Otto Wilke und Kämmerer Jürgen Fehlinger an. Zwischen Wahlsieg und Amtsantritt habe es zwar schon einige Sondierungs- und Informationsrunden gegeben. Aber „seit heute fühlt es sich anders an“, beurteilt der promovierte Biologe an der Kreisspitze die veränderte Situation. Die desolate Finanzlage des Kreises so schnell wie möglich wieder zu verbessern, zählt der ehemalige Frankenauer Bürgermeister zu den vordringlichsten Aufgaben. Ende des Monats soll der Haushaltsentwurf der Verwaltung stehen. Beratungen im Kreisausschuss und mit den Fraktionsvorsitzenden bestimmen das Arbeitspensum in den nächsten Wochen. Die „gewaltigen Probleme“ zu lösen, das geht nicht ohne Einschnitte und Sparprogramme, hatte Kubat bei seiner Amtseinführung eine Woche vor Weihnachten angekündigt. So gesehen dürfte er die Wahl der Krawatte an seinem ersten Arbeitstag im Kreishaus bestimmt nicht dem Zufall überlassen haben: Schottenkaro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare