Reform des Elektrogerätegesetzes · Rücknahmepflicht für größere Geschäfte vorgesehen

Den Schrott gleich mit abgeben

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Mit Elektroschrott ins Geschäft spazieren: Wer etwa den alten Staubsauger loswerden will, soll ihn bald beim Kauf eines neuen Gerätes abgegeben können.Foto: Wilhelm Figge

Waldeck-Frankenberg - Den ausgedienten Rührstab an der Kasse abgeben oder beim Kauf der neuen Mikrowelle den Vorgänger entsorgen: Laut Gesetzentwurf sollen Elektronikmärkte Altgeräte kostenlos zurücknehmen.

Die Bundesregierung plant, Elektrohändler mit einer Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmetern künftig zur Rücknahme alter Elektrogeräte zu verpflichten. Wenn der Gesetzentwurf Bundesrat und Bundestag passiert, können Verbraucher etwa Fön, Staubsauger und Kühlschrank kostenlos im Elektronikmarkt abgeben - egal, ob sie sie im entsprechenden Geschäft gekauft haben. Geräte mit mehr als 25 Zentimeter Kantenlänge können aber nur bei Kauf eines gleichartigen Produkts eingetauscht werden. Ziel des Gesetzes ist, Elektrogeräte aus dem Hausmüll heraus zu halten und mehr wertvolle Rohstoffe aus dem Abfall zu recyceln.

Kreis sammelt 2014 knapp 1300 Tonnen Elektroschrott

Laut Schätzungen kommen pro Jahr in Deutschland knapp 1,28 Millionen Tonnen Elektromüll zusammen, von denen 500000 Tonnen nicht korrekt entsorgt werden. Dies würde eine Sammelquote von knapp 61 Prozent bedeuten, laut EU-Vorgaben soll sie bis 2019 auf 65 Prozent steigen.

Rund 1300 Tonnen Elektroaltgeräte sind 2014 bei den Anlagen des Landkreises gelandet - entweder über Annahmestellen und Sperrmüllsammlungen der Kommunen, das Sondermüllmobil oder durch direkte Abgabe bei den Werkstoffhöfen. Elektrogeräte im Hausmüll seien in Waldeck-Frankenberg kein großes Problem.

Illegale Entsorgung komme aber lokal vor: Was mit bei sogenannten „Korbsammlungen“ abgegebenen Material geschehe, sei nicht bekannt. Klar ist hingegen, was mit korrekt abgegebenem Gerät passiert: Kühlgeräte, Bildschirme und Leuchtstofflampen, die der Landkreis sammelt, gehen zur Verwertung ins Rücknahmesystem der Hersteller. Um Haushaltsgroßgeräte kümmert sich ein Korbacher Rohstoffverarbeiter. Bei allen Verfahren werden Schadstoffe separiert und Metalle sowie seltene Erden abgetrennt und der Wiederverwertung zugeführt.

Viele Einzelhändler nehmen schon eigene Geräte zurück

In der Praxis würden bereits viele Einzelhändler Geräte annehmen und diese direkt an die Annahmestellen des Kreises bringen. Positiv sehen Kreisvertreter, dass auch Onlinehandel und Discounter von der Neuregelung betroffen wären: Das sei eine Stärkung des Einzelhandels. Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel befürchtet laut dpa übermäßig viele Rücknahmen per Post.

Da die Rücknahmepflicht erst ab einer Elektroverkaufsfläche von 400 Quadratmetern gilt, wären nur wenige Geschäfte im Landkreis betroffen. Eines wäre Expert-Medialand in Korbach, ein anderes der Herkules Technik Partner im Frankenberger Tor. Dieser hat eine Verkaufs-fläche von knapp 870 Quadratmetern. Dort gekaufte Klein-geräte nehme der Markt bereits entgegen, berichtet Karl-Heinz Wiskemann, der für den Frankenberger Markt zuständige Prokurist. Da das Gesetz aber noch nicht verabschiedet wurde, sieht er noch keinen akuten Handlungsbedarf: „Wenn es so weit ist, werden wir das auch aktiv angehen“, versichert er.

Von Wilhelm Figge und Marco Steber

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