Nach Bus-Chaos der vergangenen Tage

Schülerfahrten im Landkreis: BKW springt jetzt ein

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Musste Insolvenz anmelden: Busunternehmer Karsten Frötter. 

Waldeck-Frankenberg. Die Notvergabe für die Schülerbeförderung im Landkreis ist abgeschlossen. Energie Waldeck-Frankenberg (EWF), für die Schulfahrten im Kreis zuständig, hat am Freitag entsprechende Verträge für ein Jahr unterzeichnet, bestätigt EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller. Ab der kommenden Woche wird BKW aus Bad Wildungen die Routen des Omnibusbetriebs Reinius aus Frankenau übernehmen. Wie berichtet, musste Reinius Insolvenz anmelden.

Bereits vor einigen Wochen, als der Insolvenzantrag am Marburger Gericht eingereicht wurde, startete EWF die Ausschreibung zur Notvergabe der Strecken. In Korbach hatte man allerdings darauf gehofft, dass es einen nahtlosen Übergang von einem zum anderen Busunternehmer geben könnte.

Nun wird alles etwas holpriger. Montag werde noch nicht alles reibungslos laufen, vermutet Schaller, doch bis zum Ende der kommenden Woche sollen die Busse wieder regulär fahren. BKW aus Bad Wildungen hatte sich in der Not-Ausschreibung beworben und nun auch den Zuschlag bekommen. Ein „langjähriger Partner“, wie der EWF-Chef sagt. Ein Jahr lang wird BKW nun die Routen bedienen. Dann wird die Schülerbeförderung erneut ausgeschrieben. Ein Muss, schließlich muss für Reinius, die sich in der letzten Ausschreibung durchgesetzt hatten und die Schülerbeförderung für zehn Jahre übernehmen sollten, ein langfristiger Ersatz gefunden werden.

Dass Reinius Ende vergangenen Jahres als Partner ist Boot geholt wurde, sei das Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung gewesen. „Er war der günstigste Bieter“, so Schaller. Die wirtschaftliche Zuverlässigkeit sei geprüft worden. Deshalb hätte man Reinius nehmen müssen, das sei im Vergaberecht festgeschrieben. „Wir können dann gar nicht anders.“

Schaller sieht Fehler im System – ebenso wie Busunternehmer Karsten Frötter, Chef von Reinius. Nur als billigster Anbieter habe man überhaupt eine Chance bei solchen Ausschreibungen, klagt Frötter. „An den Bussen darf dann nichts größeres kaputt gehen, Rücklagen kann man nämlich nicht bilden“, sagt einer seiner Busfahrer. „Alles soll gut und modern sein, aber es darf nichts kosten.“ Die Busfahrer sind sauer. Sie hoffen, dass der vorläufige Insolvenzverwalter eine Lösung findet und den Betrieb retten kann. Aus ihrer Sicht ist das Maß voll.

„Die Frage, wie es weitergeht, drückt allen auf die Seele“, sagt Chef Karsten Frötter. „Wir alle haben dafür gekämpft, dass es läuft.“ Er selbst hatte drei neue Busse angeschafft, ein Subunternehmer ebenso. Alle anderen seien gute Gebrauchte, sagt er.

An der MPS Goddelsheim „waren heute wenige Busse zu sehen“, sagt Schulleiterin Ilona Krug. Die Eltern hätten sich aber gut organisiert und Fahrgemeinschaften gebildet. 95 Prozent der Schüler seien am Freitag von Einschränkungen betroffen gewesen, sagt Erik Wohlfart, Leiter der Ederseeschule Herzhausen. „Nur dank der engen Kooperation zwischen Schule und Eltern konnte diese problematische Situation gemeistert werden.“ Die Schulleitung wünsche sich eine beständige Lösung. „Finanzielle Aspekte dürfen dabei nicht im Vordergrund stehen, sondern Qualität und Verlässlichkeit.“ (ren)

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