Waldeck-Frankenberg

Schulsozialarbeit: "Absolute Minimallösung"

- Waldeck-Frankenberg. Der Kreiselternbeirat kritisiert die in dieser Woche geschlossene Rahmenvereinbarung zur Schulsozialarbeit.

Der Kreiselternbeirat Waldeck-Frankenberg begrüßt es grundsätzlich, dass durch die endlich erfolgte Rahmenvereinbarung zwischen dem Landkreis, dem Staatlichen Schulamt sowie den 13 beteiligten Schulen die erfolgreich angelaufene Schulsozialarbeit in Waldeck-Frankenberg wenigstens kurzfristig fortgesetzt werden kann. Ein Grund zum Jubeln sei dies jedoch nicht, da sich das Land faktisch aus der Verantwortung heraus stehle, indem es die Schulen völlig unzumutbarerweise vor die Entscheidung stelle, im Rahmen der Budgetverantwortung die Wahl zwischen Sozialarbeit oder Unterricht zu treffen.

„Dies ist eine absolute Minimallösung, die wirklich nur als Provisorium angesehen werden kann und darf“, betonte Inga Zekl, stellvertretende Kreiselternbeiratsvorsitzende. „Wir haben eine bereits schön gerechnete Lehrerversorgung von unter 100 Prozent und sollen davon noch Stunden für die Schulsozialarbeit abziehen? Das ist nicht nur auf längere Sicht völlig unhaltbar.“ Diese Situation führe nämlich zwangsläufig dazu, dass es schon bei der kleinsten Erkältungswelle zu erheblichen Unterrichtsausfällen kommen werde.

Auch die Tatsache, dass bislang nur an 13 der 67 Schulen in Waldeck-Frankenberg Schulsozialarbeit angeboten wird, ist für den Kreiselternbeirat extrem unbefriedigend. „Wir wissen, dass mindestens noch 20 weitere Schulen gerne teilnehmen würden, diese haben bislang aber nicht einmal eine Perspektive oder gar eine Zeitschiene“, beklagte Petra Pohlmann, Vorstandsmitglied des Kreiselternbeirates. Auch die Beschäftigung der Schulsozialarbeiter[innen] in Halbtags-Arbeitsverhältnissen sei nicht ausreichend. Besser gestalte sich die Situation lediglich in den Korbacher Schulen, weil die Kreisstadt äußerst löblicherweise die Schulsozialarbeit an den Schulen im Stadtgebiet mit einem weiteren, über die Schulumlage hinausgehenden Zuschuss unterstütze.

Völlig unangebracht ist aus Sicht der Eltern der Jubel der Koalition von CDU, FDP und FWG auf Kreisebene, die den Minimalkonsens zur Schulsozialarbeit in Waldeck-Frankenberg in einer Pressemitteilung als großen Erfolg feiert. „Wie verantwortungsvolle Bildungspolitik aussieht, kann man am Beispiel des Landkreises Kassel sehen“, so Inga Zekl. „Dort werden 24 Schulsozialarbeiter[innen] überwiegend mit ganzen Stellen beschäftigt. Schulen mit mehr als 1.000 Schülern erhalten dort sogar eine zweite Sozialarbeiterstelle“. Der Kreis Kassel finanziere dies fast zu 100 Prozent aus eigenen Mitteln. Ähnliches sei auch möglichst bald in Waldeck-Frankenberg anzustreben.

Auch der Kreiselternbeirat verkenne sicherlich nicht, dass Kreise und Kommunen vor erheblichen finanziellen Problemen stehen. Dies sei jedoch kein Anlass, das Denken einzustellen. Man müsse Prioritäten setzen und dabei sollte die Bildung als Investition in die Zukunft ganz oben stehen. Wenn man die alarmierend hohen Zahlen von Jugendlichen betrachte, die im Landkreis die Hauptschulen ohne jeden Abschluss verlassen, dann mache allein dies die Notwendigkeit der Schulsozialarbeit deutlich. Außerdem müssten junge Menschen adäquat auf die sich rasant ändernden Herausforderungen der Zukunft vorbereitet werden. „Wir übergeben unseren Kindern eine mit erheblichen ökonomischen und ökologischen Problemen belastete Welt und verweigern ihnen überdies noch die Bildung, die ihnen helfen könnte diese Probleme zu lösen. Das ist unverantwortlich!“, sagte Petra Pohlmann.

Der Kreiselternbeirat appelliert erneut an die verantwortungsbewussten Politiker auf Kreis- und Landesebene, sich nicht auf dem jetzt erzielten Kompromiss bei der Schulsozialarbeit auszuruhen, sondern unverzüglich Anstrengungen zu unternehmen, um dieses wichtige pädagogische und bildungspolitische Angebot zu sichern und entsprechend des Bedarfs zeitnah auch auf weitere Schulen auszudehnen.(r)

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