Polizei entdeckt Leichen in einem zuvor nicht als Zimmer ausgemachten Gebäudeteil

Schwestern starben zusammen - Video

+
Hand in Hand arbeiteten Landeskriminalamt, Kriminalpolizei und Technisches Hilfswerk. Zimmer für Zimmer wurde nach den Vermissten gesucht. Auch zwei Tage nach dem Feuer im Gasthaus „Zur Linde“ ist die Brandursache ungeklärt. Fotos: Rouven Raatz

Lichtenfels-Neukirchen - Polizei, Helfer und Nachbarn hofften bis zuletzt, dass sich die Mädchen in der Brandnacht vielleicht doch nicht in dem Haus aufgehalten hatten - auch wenn es dafür keine Anhaltspunkte gab. Gegen 15.30 Uhr folgte die traurige Gewissheit: Die Kinder sind tot, sie starben gemeinsam in einem Zimmer im Obergeschoss.

Um kurz vor halb fünf trat Polizeisprecher Dirk Virnich vor die Presse. „Ich habe Ihnen die traurige Mitteilung zu machen, dass die beiden Mädchen gemeinsam aufgefunden wurden.“ Eine Stunde zuvor hätten Ermittler bei der Absuche der Schlafzimmer im Obergeschoss der Gaststätte „Zur Linde“ im Schutt die Leichen entdeckt. Sie lagen in einem kleinen Zimmer in der Nähe des eingestürzten Treppenhauses. „Sie sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt“, erklärte Virnich und setzte damit den Schlusspunkt unter die zweitägige Suche nach den 34 und 28 Jahre alten Frauen und den fünf und zehn Jahre alten Mädchen, die seit der Brandnacht in dem Gebäude vermutet wurden. Nur der 38-jährige Wirt, der wie am Montag auch gestern kurz die Arbeiten verfolgte, ist dem Feuer entkommen. Die Ermittlungen nach der Brandursache gehen hingegen unvermindert weiter.

„Es ist nicht bekannt, wo die Leichen liegen und ob die Kinder überhaupt im Haus sind“, erklärte THW-Sprecher Stefan Schumacher am Morgen. Höhenretter des Technischen Hilfswerks hatten am Montagnachmittag die beiden Frauenleichen aus dem linken Obergeschoss der zerstörten Gaststätte geborgen. In diesem Stockwerk liegen auch die beiden Kinderzimmer, in denen zuerst nach den Mädchen gesucht, aber nichts gefunden wurde.

Die Anwohner versorgten wie am Brandtag die Einsatzkräfte mit Getränken und Essen. Das Schicksal der Mädchen berührte die Neukirchener besonders: „Am Sonntag haben sie noch beim Erntedankgottesdienst in der Kirche mitgewirkt“, sagte eine Nachbarin. Sie könne es kaum fassen, dass die Kinder tot sein sollen.

„Es ist schwer festzustellen, wo das Kinderzimmer gewesen sein könnte, weil überall Matratzen gelegen und Betten gestanden haben“, verwies Schumacher auf den früheren Pensionsbetrieb. Raum für Raum suchte die Kriminalpolizei nach Spuren. Zum Einsatz kamen unter anderem ein Bagger des THW Dillenburg und ein Kran des THW Gießen.

Die Helfer kippten auf Anweisung der Polizei den Schutt aus der Brandruine eimerweise in die Schaufeln eines Radladers und eines Baggers. Lastwagen brachten die Trümmerteile zu einem Ablageplatz, der Schutt wird dort für Untersuchungen durch das Landeskriminalamt sichergestellt. Die wenigen nicht verbrannten persönlichen Gegenstände der Familie wurden in Säcke gepackt und gesichert.Am frühen Nachmittag machte sich dann auch bei den Einsatzkräften allmählich Verzweiflung breit. Insgesamt sieben Räume hatten sie von Brandresten befreit, ohne Spuren der Mädchen zu finden. Zuletzt nahmen sie sich das eingestürzte Treppenhaus vor, in dem sich der Schutt meterweise türmte. „Wenn wir nichts finden sollten, müssen wir überlegen, was sonst passiert sein könnte“, erklärte Virnich. „Nach menschlichem Ermessen und den Aussagen zufolge müssten die Kinder aber im Haus sein.“

Dann stoppten plötzlich die Arbeiten. Dirk Virnich begründete dies mit der gestiegenen Einsturzgefahr der Brandreste.

In der Zwischenzeit war auch ein Leichenspürhund der Polizei angefordert worden, der jedoch nicht mehr zum Einsatz kam - denn auf der rückwärtigen Gebäudeseite wurden die Ermittler im Obergeschoss doch fündig: „In einem Zimmer, das vorher als solches nicht entdeckt worden war“, gab der Polizeisprecher zu Protokoll, als die Bergung der Toten bereits abgeschlossen war - und mit der Abfahrt des Leichenwagens auch alle Neukirchener die Gewissheit hatten, dass beim Brand im Gasthaus „Zur Linde“ vier Menschen gestorben sind.

Von Rouven Raatz und Lutz Benseler

1252905 1253107 1253633 1254616

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare