Änderungen für Abzeichen sorgen für Diskussionen

Neue Prüfungsordnung verlangt Schwimmern deutlich mehr ab

+
Seepferdchenprüfung bestanden! Schwimmlehrer Marco Friedmann mit Jayden, einem Teilnehmer an seinem Schwimmkurs im Hallenbad in Battenberg.

Seit Beginn des Jahres gilt eine neue Prüfungsordnung für Schwimmabzeichen. Doch die Änderungen sorgen gerade beim Einsteiger-Abzeichen Seepferdchen für Diskussionen.

Wer in Deutschland ein Schwimmabzeichen erlangen möchte, für den gilt seit diesem Jahr eine neue Prüfungsordnung. Sicher schwimmen können, das ist den Verantwortlichen nun wichtiger denn je. In der Region Waldeck-Frankenberg sorgen die Veränderungen allerdings für Diskussionen.

Sicheres Schwimmen erst mit Bronze

Als Standard für sicheres Schwimmen gilt das Bronze-Abzeichen. Bedeutet: 15 Minuten ohne Halt und Hilfe im tiefen Wasser schwimmen und dabei 200 Meter zurücklegen. Außerdem soll sowohl in Bauch als auch in Rückenlage geschwommen werden. Auch die Orientierung unter Wasser sollte für den Schwimmer kein Problem darstellen. Das Seepferdchen erfüllt diese Anforderungen nicht.

Für Wolfgang Wilhelm, Geschäftsführer der Bäderbetriebsgesellschaft Korbach mbH, ist die neue Prüfungsordnung im Sinne aller Beteiligten. Er erachtet sie als durchaus gelungen. „Hier wird in vielen Bereichen mehr Wert auf Ausdauer, Sicherheit und Selbstrettung gelegt.“ Allerdings: Dass Kinder aufgrund der neuen Prüfungsordnung schneller und besser schwimmen lernen, glaubt er nicht. Sie wecke lediglich den Ehrgeiz und das Konkurrenzdenken, weil der Freund das Abzeichen vielleicht schon gemacht habe.

Schwimmprüfung: Änderungen bei Seepferdchen-Abzeichen bereiten Schwimmlehrern Sorge

Manuel Emde, Badebetriebsleiter in Frankenberg, findet es gut, dass nach über 25 Jahren eine Anpassung der Anforderungen stattgefunden hat. Gerade beim Einsteiger-Abzeichen Seepferdchen sieht er die Änderungen jedoch kritisch: „Schwimmen in Brustlage mit sichtbarem Ausatmen ins Wasser ist eine Übung, die man eigentlich beim intensiven Schwimmtraining anwendet“, erklärt er. Und auch Marco Friedmann, der im Schwimmbad in Battenberg Kurse für Kinder anbietet, sagt: „Viele Kinder haben am Anfang Angst vor Wasser. Da kann ich sie doch nicht zwingen, mit dem Kopf abzutauchen. Im schlimmsten Fall wollen sie danach nie wieder schwimmen lernen.“

Dass sich Kinder im Wasser sicher bewegen können und nicht in Panik geraten, ist Michael Dorl von der DLRG im Kreisverband Waldeck-Frankenberg besonders wichtig. Dennoch sagt er: „Die beste Prüfungsordnung nutzt nicht, wenn Eltern kein Interesse daran haben, dass die Kinder schwimmen lernen und nicht mit ihnen schwimmen gehen.“

Immer weniger können sicher schwimmen

Laut Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft sinkt die Zahl der sicheren Schwimmer in Deutschland seit Jahren. Besonders besorgniserregend: Fast 60 Prozent aller Kinder können beim Verlassen der Grundschule nicht sicher schwimmen. Immerhin: Im Kreisverband Waldeck-Frankenberg hat die DLRG wenig klassische Badeunfälle zu verzeichnen. Hauptursache für Unfälle sind hier vor allem Selbstüberschätzung und übermäßiger Konsum von Alkohol. Am Edersee haben die Retter indes häufiger mit havarierten Booten zu tun, im Strandbad am Twistesee wird vor allem Erste Hilfe geleistet.

Von Pascal Spindler

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare