Waldeck-Frankenberger Bodenverband feiert Jubiläum

„Segensreiche Arbeit“ für Landwirte

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Nach den Ehrungen beim Bodenverband auf der Bühne: der Vizevorsitzende Karsten Schmal, die Geehrten Heinz Brühmann, Axel Friese, Walter Schweinsberg, der ehemalige Landrat Dr. Günter Welteke, Dr. Lothar Koch, Dr. Klaus Wendt und Dr. Gerald Snowdon, Festredner Dr. Reinhard Kubat, die Geehrten Wilhelm Vöpel und Klaus Sens sowie der Vorsitzende Walter Dersch, der seit 25 Jahren im Amt ist.Foto: -sg-

Vöhl - Seit 25 Jahren stellt der Bodenverband landwirtschaftlichen Betrieben im Kreis Großgerät zur Verfügung. Zum Jubiläum gab es einen Festakt in Vöhl.

Die Erfolgsgeschichte des Verbandes zeichnete Landrat Dr. Reinhard Kubat am Mittwoch bei seinem Festvortrag in der Henkelhalle nach. Er griff Raiffeisens Genossenschaftsgedanken auf und zitierte Richard von Weizsäcker: „Vereinen heißt, teilen lernen.“ Das seien auch Ziele des Verbandes: Der zentrale Einkauf von Maschinen und das „Gruppenprinzip“ bei der überbetrieblichen Nutzung in Eigenverantwortung beförderten Effizienz und Synergien. So freiwerdendes Geld könne für die „dynamische Betriebsentwicklung“ eingesetzt werden. Der Verband verweise das Vorurteil der „üppigen Förderung“ für Landwirte „ins Reich der Legende“: Betriebe seien „zum ökonomischen Denken gezwungen“.

Kulturlandschaft geprägt

Kubat hob die Bedeutung der Landwirtschaft für Waldeck-Frankenberg hervor. Ihr Anteil am Wirtschaftsleben betrage fünf Prozent, das sei doppelt so viel wie im übrigen Hessen. 43,8 Prozent der Kreisfläche würden landwirtschaftlich bewirtschaftet, Wald mache 45 Prozent aus. Diese beiden Elemente prägten das Bild. Landwirte hätten eine „intakte Kulturlandschaft“ geschaffen. Sie sei „der Standortfaktor“ für den boomenden Tourismus im Kreis. Doch Landwirte engagierten sich auch im Naturschutz und der Landschaftspflege. Die Energiegewinnung spiele eine immer stärkere Rolle, schon 20 Biogasanlagen liefen oder seien genehmigt.

Doch es gebe auch das Höfe-sterben: Gab es 1960 noch 11 500 Betriebe, waren es 2010 nur noch 1748, die Zahl der Beschäftigten sei von 1972 bis 2010 um 90 Prozent zurückgegangen: Gerade kleine Nebenerwerbsbetriebe hätten aufgegeben, während Höfe mit mehr als 50 Hektar immer größer würden.

Der Bodenverband habe sich „dynamisch entwickelt“: 1988 sei mit vielleicht 50 Interessenten gerechnet worden, doch 200 seien zur Gründungsversammlung nach Waldeck gekommen. Schnell sei die Mitgliedszahl auf rund 1200 gestiegen, und sie bleibe auf hohem Niveau. Der Kreis habe bei der Gründung Pate stehen müssen. Sein Vorgänger Dr. Günter Welteke sowie Dr. Klaus Wendt hätten das Projekt mit Dr. Gerald Snowdon „mit hohem persönlichen Einsatz auf den Weg gebracht“.

„Der Erfolg hat einen Vater“, fügte der Landrat hinzu: Der Vorsitzende Walter Dersch leiste sei 25 Jahren „segensreiche Arbeit zum Wohle der Landwirte“.

Der Bodenverband habe seine Aufgaben „vorbildlich erfüllt“, erklärte der Vöhler Beigeordnete Karl Ueberhorst, er lobte die gute Zusammenarbeit. Vöhl sei schon seit Jahren Mitglied und profitiere davon - etwa bei der Klärschlammverwertung.

Der Vizevorsitzende der hessischen Maschinenringe und Bodenverbände, Werner Medke aus Bracht, hob ebenfalls die gute Zusammenarbeit hervor, so tauschten die Verbände in Marburg und Waldeck-Frankenberg immer wieder Geräte aus.

Die 25 Jahre Bodenverband hätten den verschieden großen Betrieben im Kreis technischen Fortschritt gebracht, urteilte der stellvertretende Kreislandwirt Heiko Kieweg. Alle könnten innovative Technik nutzen und Kosten sparen - das habe vielleicht dazu beigetragen, den Strukturwandel in der Landwirtschaft „ein wenig zu verlangsamen“. Er verwies auch auf künftige Herausforderungen wie die neue Düngeverordnung und die enormen Preissteigerungen bei der Landtechnik.

„Gute Lösung gefunden“

Mit der Konzeption des Bodenverbands sei eine „gute Lösung gefunden“ worden, sagte Heinrich Heidel für den hessischen Bauernverband und die beiden Kreisverbände in Waldeck und Frankenberg. Es sei ein „steiniger Weg“ gewesen, aber der Verband habe sein Ziel erreicht: auch kleine Betriebe technisch auszurüsten. Den Mitgliedern rief er zu: „Seid einig, denn Einigkeit macht stark.“

Das Vorstandsmitglied Karsten Schmal betonte in seinem Schlusswort, die Verbandsarbeit „steht und fällt mit den handelnden Personen“, er lobte Dersch und die Mitarbeiter der Geschäftsstelle in Viermünden: „Nur im Team sind wir gut.“

Auch zahlreiche Vertreter heimischer Banken und Landtechnik-Firmen sowie Vorstände benachbarter Verbände nahmen am Jubiläumsfest teil. Den musikalischen Part gestalteten die Jagdhornbläser aus Herzhausen unter der Leitung von Adolf Hille. Mit dem Signal „Zum Essen“ leiteten sie zum gemütlichen Teil mit einem Imbiss über.

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Vor dem Festakt zum 25-jährigen Bestehen hatte der Waldeck-Frankenberger Bodenverband seine Mitgliederversammmlung in der voll besetzten Henkelhalle. Um die Entwicklung und die Bedeutung der „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ zu verdeutlichen, stellte der Kassenwart und Geschäftsführer Walter Schweinsberg von der Steuerberatungsgesellschaft LBH in Korbach auch die Bilanz zum 31. Dezember 2013 vor. An Aktiva kommen insgesamt 8,2 Millionen Euro zusammen. Das Anlagevermögen beträgt rund 7,3 Millionen Euro, vier Millionen davon entfallen auf die Maschinen und Hallen. Das Umlaufvermögen mit Guthaben und Forderungen beträgt rund 966 000 Euro. An Passiva verbucht der Verband ein Eigenkapital von 2,1 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf 6,1 Millionen – darunter sind 5,6 Millionen Bankkredite zur Finanzierung der Investitionen. Einstimmig verabschiedeten die Mitglieder den Haushalt für das nächste Jahr, den die Kommunalaufsicht der Kreisverwaltung noch prüfen muss. Durch den Verkauf ausrangierter Landtechnik werden voraussichtlich rund 291 000 Euro erzielt. Der Vorsitzende Walter Dersch hob den guten Zustand des Maschinenparks hervor, das sei auch den ehrenamtlichen Obleuten zu verdanken. An Investitionen sind 4,3 Millionen Euro geplant – für neue Misteplatten, Mähdrescher, Güllewagen, Schlepper, Maschinenhallen oder Dungstreuer. Vier Millionen Euro sollen über neue Darlehn finanziert werden.

Hintergrund: Ehrungen

Ehrungen hatte der Vorsitzende Walter Dersch für verdiente Männer, die am Aufbau des Bodenverbandes mitgewirkt haben. Sie bekamen eine Uhr: Dr. Günter Welteke habe als Landrat viel fachlichen Rat zur Gründung beigesteuert. Dr. Klaus Wendt habe als Leiter der staatlichen Abteilung im Landratsamt viele Hindernisse unbürokratisch aus dem Weg geräumt. Dr. Lothar Koch als Leiter der landwirtschaftlichen Fachschule in Fritzlar sei der „Ideengeber“ für die Gründung des Verbands gewesen. Dr. Gerald Snowdon habe den Verband als Leiter des Korbacher Amtes für Landwirtschaft in zahlreichen praktischen Fragen unterstützt und „viele Türen geöffnet“. Axel Friese habe den Verband als Fachdienstleiter Landwirtschaft im Kreis stets unterstützt und wichtige Empfehlungen weitergegeben. Klaus Sens vom hessischen Landesbetrieb Landwirtschaft in Alsfeld habe den Verband als Fachberater mit hervorragenden Informationen über Landtechnik versorgt. Heinz Brühmann arbeitete als Chef des Waldecker Kreisbauernverbandes bis 2012 als Vize im Vorstand mit. Walter Schweinsberg sei bis heute ein Geschäftsführer mit „Gewissenhaftigkeit, Zielstrebigkeit und Menschlichkeit“. Wilhelm Vöpel sei im Gründungsvorstand stets der „ruhende Pol“ gewesen und habe die erste Mähdreschergruppe mit aufgebaut.

Von Dr. Karl Schilling

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