Donnerwetter

Der September soll es richten

Waldeck-Frankenberg - Auch das letzte Augustwochenende wird nochmals kühl und wechselhaft. Doch ab Mitte der neuen Woche beschert uns der September endlich mal wieder ein beständiges Hoch.

Frankenberger Land. So richtig gelobt wird der Sommer 2014 im Rückblick wohl von niemandem: Für Sonnenanbeter gab es zu viele Wolken, für Gärtner und Bauern zu viel Regen, für normale Mitteleuropäer war es viel zu schwül, für Urlauber und Feriengäste machte der August zu sehr auf Oktober und für die Allergiker schien die Sonne zuvor dann doch noch zu häufig. Nein, es blieben insgesamt zu viele Wünsche offen, als dass die letzten Wochen hierzulande als die schönsten des Jahres gelten dürften.

Aber da gibt es ja glücklicherweise noch etwas, das in der ersten Septemberwoche mit großer Regelmäßigkeit kommt und von vielen Menschen als Zeit der Reife, der Fülle und der Harmonie erlebt wird: den Spätsommer. Die große Hitze ist vorbei, in den kühlen Morgenstunden ziehen schon erste Nebelschwaden durch die Täler. Auch an den früher dunklen Abenden spürt man die fortgeschrittene Jahreszeit, die ersten Zugvögel sammeln sich zur Reise in den Süden. Doch tagsüber hat die Sonne immer noch Glut, unter einem blauen Himmel dehnt sich das Land in wohliger Wärme und Blumen, Früchte und Schmetterlinge prangen in leuchtenden Farben.

Der Sommer endet Sonntag

Aber damit all dies Wirklichkeit wird, ist ein Hoch zwingend nötig. Ein ganz normaler Ableger des Azorenhochs genügt, der nahe bei Mitteleuropa vor Anker geht und alle Tiefausläufer, Frontensysteme und Gewitterstörungen von uns fernhält. So etwas fehlte in den vergangenen Wochen durchweg und dieser Mangel an einem verlässlichen Hoch ist das große Manko des Sommers 2014.

Der endet nach meteorologischer Zeitrechnung mit dem 31. August und auch seine letzten Tage werden von einem Tief bestimmt. Es zieht über die Nordsee langsam nach Südskandinavien und schickt uns aus Nordwesten nochmals einen Schwall feuchter Meeresluft. Die sorgt für viele Wolken, zahlreiche Schauer, einzelne Gewitter und Temperaturen von kaum 20 Grad - ein Szenario, das uns aus den letzten Wochen ja nur allzu vertraut ist. Und auch bis zum Montag wird es nicht über Nacht sonnig und warm; nur langsam lässt vor allem im Osten und Süden Deutschlands der Tiefdruckeinfluss nach. Doch diese behutsame Umstellung der Großwetterlage ist ein Garant für ihre Beständigkeit: Ein sich über Russland verstärkendes Hoch und der schon erwähnte Ableger des Azorenhochs nehmen zum Wochenbeginn über Mitteleuropa hinweg Verbindung miteinander auf. So entsteht bis zum Mittwoch eine lang gestreckte Hochdruckzone, die weite Teile des Kontinents überdeckt. An ihrer Südseite wird dann allmählich wärmere Luft aus Südosteuropa nach Deutschland transportiert; die atlantischen Tiefs bleiben auf dem Atlantik.

Wonnewochen im Herbst

Das lässt die Thermometer bis Freitag wahrscheinlich auf Höchstwerte um die 25 Grad klettern und gibt damit Urlaubern und Ferienkindern die Chance, nochmals ausgiebig Freibäder und Badeseen zu genießen. Doch auch für alle anderen Freizeit- und Ferienpläne, für Gartenarbeiten und die Ernte ist dieses Spätsommerwetter bestens geeignet. Nicht ganz auszuschließen ist derzeit, dass sich zum ersten Septemberwochenende der ein oder andere Gewitterschauer vor allem in den Westen und Süden Deutschlands hineinschleicht.

Aber ein Rückfall in die Launenhaftigkeit der letzten Wochen ist deshalb nicht zu befürchten: Alle wichtigen Wettermodelle setzen auch in der zweiten Septemberwoche auf einen Fortbestand des umfangreichen europäischen Hochs, womit eine Fortsetzung des Spätsommers auf dem Wetterspielplan steht. So könnte der September 2014 durchaus zu einem „Wonnemonat“ werden, wie es schon eine alte Bauernregel beschreibt: „Durch des Septembers milden Blick schaut noch mal der Mai zurück.“ Und uns damit für einen Sommer entschädigen, von dem der Abschied nicht besonders schwerfällt.

von Roland Schmidt

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