Zum Verkaufsstart von Raketen & Co.: Naturschützer rufen zum Verzicht auf

Kritik an Feuerwerken: Belastung für Mensch und Natur

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In der Kritik: Der NABU ruft zum Verzicht von Raketen und Böllern auf

Waldeck-Frankenberg – Durch Feuerwerke an Silvester ist die Luftbelastung durch Feinstaub am 1. Januar in vielen Regionen Deutschlands so hoch wie das ganze Jahr nicht.

Das schreibt das Umweltbundesamt in einer aktuellen Veröffentlichung.

Demnach werden rund 4200 Tonnen Feinstaub an Silvester durch das Abbrennen von Raketen und Böller. freigesetzt. Das entspreche, so das Umweltbundesamt, etwa 25 Prozent der jährlich durch Holzfeuerungen freigesetzten Feinstaubmenge in Deutschland. Von geringerer Bedeutung seien die Kohlendioxid-Emmissionen, die dabei abgegeben werden.

Allerdings: Die Produktion der Feuerwerkskörper und die langen Transportwege würden durchaus für zusätzliches CO2 sorgen, sagt Dr. Peter Koswig. Der Korbacher Mediziner ist Vorsitzender beim Naturschutzbund (NABU) Korbach und aktiv bei den Grünen. Wenn auch der Kohlendioxid-Ausstoß nicht so groß ist, die Feinstaub-Belastung sei für den Körper extrem, sagt Koswig. Zum Glück halte sie nur kurzzeitig an. Und dennoch: Asthmatiker und Lungenkranke würden die Belastung sofort spüren. Bei allen Menschen könnten sich die sehr kleinen Feinstaub-Partikel tief in der Lunge absetzen und auch in die Blutbahn gelangen.

Alternative: Zentrales Feuerwerk

Hinzu komme die akute Gefahr, jedes Jahr gebe es viele ernste Verletzungen vor allem der Hände und der Augen, so Koswig. Groß seien durch die Feuerwerke auch die anschließenden Müllberge. Jeder solle abwägen, ob ein Feuerwerk notwendig sei. Weniger belastend sei ein zentrales Feuerwerk, das jetzt schon einige Städte ausrichten würden. Insgesamt, so sagt Koswig, „könnte man die Produkte komplett aus dem Handel nehmen“.

In die selbe Richtung geht ein Appell des Frankenberger NABU und der Naturschutzjugend (NAJU). Man solle nicht nur von Klimaschutz reden, sondern auch selbst aktiv werden, sagt Vorsitzender Frank Seumer. Der NABU fordert dazu auf, weniger Feuerwerk abzubrennen – oder am besten komplett darauf zu verzichten. Die Naturschützer sehen nicht nur Schadstoffe in der Luft, die auch in den Boden sickern, viel Müll und ein hohes Verletzungsrisiko, sondern auch, dass Tiere leiden. Auch eine Alternative schlägt der NABU vor: Statt Feuerwerk könne man eine Lasershow machen.

Verkaufen Silvester-Feuerwerk: (von links) Niklas Seiboth, Birte Rhode, Jürgen Kettschau und Max Karok.

Auch wenn Feuerwerke aufgrund von Umweltbelastungen derzeit oft in der Kritik stehen – die Nachfrage ist da. Das bestätigt Jürgen Kettschau. Der Korbacher Geschäftsmann verkauft seit 22 Jahren jedes Jahr Böller, Raketen & Co. Die einen mögen es, die anderen lehnen es ab, das sei schon seit mehr als 20 Jahren so, sagt Kettschau. Möglicherweise würden nun ein paar jüngere Leute hinzu kommen, die Feuerwerke aufgrund der Umweltbelastung ablehnen. Er selbst sieht es ganz pragmatisch: „Die Kunden sollen selbst entscheiden.“ 

Wer Interesse hat am Böllern an Silvester, findet bei Kettschau eine große Auswahl. 1050 Kilo liegen dort jedes Jahr in den Verkaufsregalen, so viel darf Kettschau verkaufen. Bereits zehn Tage vor Verkaufsstart werden Raketen und Böller angeliefert und das mit einer speziellen Spedition, erklärt Jürgen Kettschau. Die Regeln zur Lagerung sind streng und vom Regierungspräsidium vorgegeben. Maximal 350 Kilo dürfen in einem Raum lagern, getrennt sein müssen die einzelnen Lagerstätten in jedem Fall durch eine Brandschutztür, erklärt der Korbacher. 

Kontrollen des Regierungspräsidiums

In den Lagern, aber auch an der Kasse, an der die Feuerwerke verkauft werden, müssten zudem Feuerlöscher und Wassereimer stehen, Schilder mit dem Hinweis, dass das Rauchen in der Nähe von Feuerwerk verboten sei und der Verkauf bestimmter Raketen und Böller erst ab 18 Jahren erlaubt sei, seien ebenfalls Pflicht, erklärt Kettschau. Entsprechend lassen sich die Kassierer die Ausweise der Käufer zeigen. 

Ob sich in den Verkaufsstellen an all diese Vorgaben gehalten wird, werde stichprobenartig vom RP kontrolliert, sagt der Geschäftsmann. Verkauft werden dürfen in Geschäften nur Artikel mit CE-Prüfzeichen. Dieses würde zeigen, dass EU-Standards bei der Produktion eingehalten werden, schreibt das RP. Zudem habe jedes einzelne Produkt eine Nummer der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, erklärt Kettschau. Kommt es zu „gravierenden Verstößen“ in Verkaufsstellen, reagiere die Behörden „in aller Regel mit Bußgeldern“, heißt es beim Regierungspräsidium. Aber auch ein Strafverfahren könne dann drohen.

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