WLZ-Sommertour 2019 geht im Edertal zu Ende

SV Anraff: Lange „Platzhirsch“ im Waldecker Land

Letzte Station zum Abschluss der WLZ-Sommertour 2019: Das Wohnmobil steht beim SV Anraff.

Nicht mehr lange, dann reiht sich der SV Anraff ein bei den 100-jährigen Sportvereinen. Dass er in Nordhessen einmal in der ersten Reihe stehen würde, hat 1921 niemand geahnt.

Die Geschichte begann 1921 mit Faustball und Leichtathletik und erzählt danach vor allem vom Fußball. Schon Mitte der 1920er Jahre war er die Nummer eins im SV Anraff. In Nordhessen vorn dabei? So ist es – im Frauenfußball. 1984 stellte der heutige Vorsitzende, Thomas Merle, das erste Team mit Kickerinnen auf die Beine.

Die Anraffer hatten recht früh die Zeichen der Zeit erkannt. Die größten Erfolge bejubelten sie in der laufenden Dekade. Den Aufstieg in die Hessenliga 2014, die Siege im Waldecker Pokal im selben Jahr sowie 2016 und 2017, dazu diverse Titel als Hallenkreismeister.

Und hier das Video zum SV Anraff, das im Rahmen der WLZ-Sommertour entstanden ist (gesponsert von der Waldecker Bank)

Mehr Derbys, kürzere Fahrten

Auch noch als Verbandsligist war das Team zuletzt „Platzhirsch“ im Waldecker Land. „Mittlerweile sind ja bekanntlich andere Vereine auf ähnlich hohen Niveau. Das freut uns, da wir dadurch mehr Derbys haben und unsere Anfahrten zu Auswärtsspielen nicht mehr so lang sind“, erklärt Vorsitzender Merle.

Beim SV Anraff sind die (Fußball-)Frauen das starke Geschlecht: links eine Szene aus einem Verbandsliga-Spiel mit Milena Knoche, Marie Wiesemann, Kim Aileen Schade vom KSV Hessen Kassel, und Nele Süring (12); im HintergrundTrainer Dirk Wagener. 

Sorgenkind ist der Nachwuchs. 2018 holten sich die B-Juniorinnen zum zweiten Mal hintereinander den Waldecker Pokalsieg – seither gibt es kein Mädchenteam mehr. Der Vorstand sucht Betreuerinnen oder Betreuer, um wieder mit Mädchenfußball zu starten. Doch: „Es wird immer schwerer, Verantwortliche zu finden, die sich die Zeit nehmen, um zum Beispiel eine Mannschaft zu betreuen“, erklärt Merle.

Gruppenliga mit der Eintracht Edertal

Männerfußball spielte und spielt ebenfalls eine gute Rolle im SV (wie schon der dreimalige Gewinn des Waldecker Pokals verrät), der 1980 eine Spielgemeinschaft einging. Erster Partner war der TV Bergheim, seit 15 Jahren gehört Anraff der Edertaler Eintracht an. Ihr gelang im Vorjahr (für eine Saison) erstmals der Aufstieg in die Gruppenliga.

Daran war Sebastian Brindöpke als Spieler und Co-Trainer nicht unbeteiligt. Er ist Merles Stellvertreter im Vorstand, dem zudem Ernst Weidenhübler (Kassierer) und Marius Heller (Schriftführer) angehören. Fußballobmann ist Ciro Micino.

Eine ruhige Kugel schieben in Anraff die Boule-Spieler des SV Anraff.

Boule im Programm

Neben Fußball bietet der SV Anraff auch Exotisches an: Boule. Zudem besteht eine Mädchentanzgruppe. Der SV zählt 202 Mitglieder, 86 davon weiblich (etwa 43 Prozent). Ihm gehören 38 Jugendliche (29 weiblich, 9 männlich) an.

Thomas Merle erwähnt zwei ehrenamtlich arbeitende Mitglieder beispielhaft: die Platzwarte Dietmar Brindöpke und Reinhard Schneider. Sie verbrächten unzählige Stunden ihrer Freizeit damit, die Sportanlagen in einen guten Zustand zu halten. „Das sind die wahren Helden im Verein, weil ihre Arbeit niemand sieht, es aber ohne sie nie gehen würde.“

Als Dank für sein Engagement bekommt Ernst Weidenhübler einen Ehrenamtsgutschein von Intersport Kettschau, hier mit dem Vorsitzenden Thomas Merle (rechts), Verena Niemann und Patrick Böttcher (links).

Dankeschön an Ernst Weidenhübler

Viel Zeit hat er nicht, dabei ist er seit 2018 im (Un-)Ruhestand. Bleibt die Frage, was Ernst Weidenhübler jetzt mehr beschäftigt, die Enkel oder immer noch der Fußball?

Dem runden Leder rannte er in der Jugend des TV Friedrichstein nach, ehe er – wie fast alle Giflitzer – zum SV Anraff wechselte. Bis Mitte 30 kickte er mit, zuletzt in der dritten von vier Mannschaften. „Das waren herrliche Zeiten“, sagt der ehemalige Finanzangestellte. Er hat den Vergleich, ist er doch seit gut 35 Jahren Kassenwart.

Trainer, Schriftführer, Kassenwart

Als seine Karriere mit Mitte 20 wegen eines lädierten Knies einknickte, trainierte Weidenhübler zwei Jahrzehnte den Nachwuchs. Größter Erfolg: drei Jahre Gruppenliga mit der A-Jugend. Parallel war er schon Schriftführer des SVA, bevor er Kassenwart wurde. Den Job will er mindestens noch zwei Jahre machen. „Dann feiern wir 100-jähriges Bestehen, und ich bin niemand, der vorher wegen der Mehrarbeit geht.“

Dabei wäre das dem 65-Jährigen wohl sogar zu verzeihen, denn er ist auch als stellvertretender Vorsitzender von Eintracht Edertal gefordert. Über den sofortigen Abstieg der Eintracht nach dem ersten Gruppenliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte ärgert er sich immer noch: „Das war unnötig, da ein Teil der Mannschaft in der Rückrunde nicht richtig durchgezogen hat“.

Zu Gast bei den Vipers

Ach ja, Manager für den erfolgreichen Anraffer Frauenfußball ist er auch noch – immer unterstützt von Daniela Wende. Apropos Unterstützung. „Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen“, dankt Weidenhübler seiner Frau Doris, „auch wenn sie nicht immer begeistert war“. Aber sie hatte Verständnis, zumal sie selbst Torfrau bei den Bergheimer Handballerinnen war, der Keimzelle der Bad Wildungen Vipers sozusagen.

Regelmäßig sitzen beide bei den Heimspielen auf der Tribüne. Aber nur, wenn nicht einer der vier Enkel den Opa braucht. Und Schwimmen und Radfahren will er nebenbei auch noch – wenn der Tag doch nur mehr Stunden hätte...

Abschluss der Sommertour

Mit dem Besuch beim SV Anraff am Sonntag, 18. August 2019, auf dem Dorfplatz - und damit gleichzeitig beim Dorffest - ging die zweite Sommertour der WLZ zu Ende. 17 Stationen an elf Tagen gehörten dazu. Im Mittelpunkt in diesem Jahr standen Firmen und Sportvereine.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare