Seit Ende Juli anonyme Beleidigungen, Verleumdungen und Drohungen gegen Mitarbeiter

Sparkasse macht Hetzkampagne öffentlich

Waldeck-Frankenberg - Zahlreiche Mitarbeiter und der Vorstand der Sparkasse Waldeck-Frankenberg werden seit Wochen per E-Mails und Fax drangsaliert. Die Sparkasse hat die Staatsanwaltschaft eingeschaltet – und wendet sich nun auch öffentlich nachdrücklich gegen die Verleumdungen.

Gezielt seien in Mails und Fax-Schreiben einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diffamiert worden. Hinzu kämen inzwischen auch absurde Vorwürfe gegen den Vorstand, hieß es am Dienstag in einer gemeinsamen Pressekonferenz von Sparkassen-Vorstand und Landrat Dr. Reinhard Kubat. Er ist Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sparkasse. „Wir wollen den Stier nun bewusst bei den Hörnern packen und in die Öffentlichkeit gehen“, betonten der Sparkassen-Vorstandsvorsitzende Michael Bott und Landrat Kubat unisono. Dabei unterstrichen Vorstand und auch die Vorsitzende des Personalrats, Petra Kamm, den Schulterschluss, um Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen zu schützen. Bereits Mitte August hatte die Sparkasse die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Zudem liegen mittlerweile drei Strafanzeigen von Mitarbeitern gegen Unbekannt vor, erklärte Rechtsanwalt Heinz Teichmann, der im Auftrag der Sparkasse aktiv ist. „Wir hoffen, dass der oder die Verleumder möglichst bald gefunden werden und diese Kampagne ein Ende haben wird“, blickten Kubat und der Sparkassenvorstand voraus. Die Vorwürfe in den unter Decknamen verfassten E-Mails und Fax-Schreiben entbehren nach Angaben der Sparkasse jeglicher Grundlage. Es würden Unwahrheiten behauptet, aber auch Halbwahrheiten verbreitet und Zusammenhänge konstruiert, „um mit Andeutungen ganz bewusst ein falsches Bild entstehen zu lassen“. Der Urheber der Vorwürfe bezeichne sich in den Schreiben als ehemaliger Mitarbeiter. Unklar sei, ob eine oder mehrere Personen dahinter stünden. Michael Bott betonte, in den Schreiben würden zudem die Persönlichkeitsrechte einzelner Mitarbeiter gezielt verletzt – etwa durch Nennung von Funktionen, Aufgaben oder Spitznamen. Insgesamt seien rund zehn Beschäftigte massiv von Beleidigungen und Verleumdungen betroffen, vor allem Mitarbeiterinnen, resümierte Teichmann. Die Sparkasse unterstütze die ermittelnden Behörden nach allen Kräften, erklärte Bott. Zudem gehe es darum, das gute Betriebsklima in der Sparkasse zu bewahren. „Wir haben keinem unserer Mitarbeiter Fehlverhalten vorzuwerfen und sie genießen unsere volle Rückenstärkung“, stellte Bott gestern ausdrücklich klar. Jeder Beschäftigte könne sich direkt an Personalvertretung oder Vorstand wenden. Nach einer ersten „Welle“ der Verleumdungen ist inzwischen auch der Vorstandsvorsitzende ins Visier des anonymen Drahtziehers geraten. Ein Vorwurf gegen Bott dreht sich offenbar um seinen letzten Dienstwagen, mit dem, so die Behauptung, „in Deutschland üblicherweise Bundespräsidenten chauffiert werden“. Seit Amtsantritt nutze er insgesamt den dritten Dienstwagen, stellte Bott klar. Beim Fahrzeugwechsel habe er jeweils einen günstigeren Leasingvertrag abschließen können. So auch seit Beginn des Jahres bei dem von ihm gefahrenen 5er-BMW. Zuletzt drohte der anonyme Verfasser sogar, die Technik des Dienstfahrzeuges manipuliert zu haben. Landrat Kubat und der Verwaltungsrat der Sparkasse zeigten sich schockiert, insbesondere mit der behaupteten Pkw-Manipulation sei eine weitere Hemmschwelle überschritten worden, die nicht nur Bott persönlich, sondern auch dessen Familie bedrohe. „Wir stehen in dieser Frage Seite an Seite mit dem Vorstand und der Mitarbeiterschaft“, untermauerte Kubat gestern. Die Kampagne hat dabei so massive Formen angenommen, dass die Sparkasse auch einen Experten für Krisenkommunikation eingebunden hat: Dirk Metz, den früheren Chef der hessischen Staatskanzlei. Trotz der anonymen Verleumdungen „sei das Betriebsklima nach wie vor sehr gut“, sagte Personalratsvorsitzende Petra Kamm. Doch die Kampagne lasse die Mitarbeiter nicht zur Ruhe kommen: „Es sind Sorgen und Ängste vorhanden.“Die Sparkasse Waldeck-Frankenberg zählt insgesamt rund 500 Mitarbeiter. Zuletzt seien über 270 von ihnen im Verteiler der anonymen Mails gewesen. Dennoch habe kein Mitarbeiter die Kampagne bislang nach außen getragen. Auch dies unterstreiche den Zusammenhalt und ein gutes Betriebsklima bei der Sparkasse, betonten Bott und sein Vorstandskollege Heinz-Robert Behle.

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