Wanderer und Fahrradfahrer schneiden sich versperrte Wege im Wald illegalerweise selbst frei

Spaziergang mit Säge im Nationalpark

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Wir machen den Weg frei: Das müssen sich Wanderer und Fahrradfahrer im Nationalpark gedacht haben. Versperrten Bäume die Wege, griff manch einer in den vergangenen Monaten selbst zur Motor- oder Bügelsäge. Dass dieser Wegefreischnitt auf eigene Faust illegal ist, machen Manfred Bauer, Achim Frede und Mareike Schulze (v.l.) deutlich.

Vöhl-Harbshausen - Was tun, wenn ein Baum im Nationalpark den Weg versperrt? Selbst zur Säge greifen, muss sich manch einer gedacht haben. Dass diese Eigeninitiative illegal ist, machen die Mitarbeiter des Nationalparks Kellerwald-Edersee klar.

Ein senkrechter Schnitt durch die Fichte oder Buche und schon kann er weitergehen, der schöne Wandertrip durch den naturbelassenen Nationalpark Kellerwald-Edersee. Menschliche Eingriffe sind hier eigentlich nicht gewollt - und wenn, dann nur von den Nationalparkmitarbeitern. Und die haben in letzter Zeit vermehrt entdeckt, dass Wanderer oder Fahrradfahrer mit Sägen Baumstämme durchtrennt und die Reste zur Seite geschafft haben. Doch ist diese Eigeninitiative nicht nur unerwünscht, sondern auch illegal.

Die Natur Natur sein lassen

„Es geht darum, dass die Menschen den Nationalpark in seiner Schönheit, Dynamik und Besonderheit erleben sollen. Da gehört es auch dazu, dass schon mal ein Baumstamm den Weg versperrt“, erklärt Nationalparkleiter Manfred Bauer. „Die Natur Natur sein lassen“ lautet die Philosophie. Wenn die Besucher dann Baumstämme selbst durchsägen würden, konterkariere das die Grundidee.

Ein Mountainbike-Fahrer sei von einem Wanderer dabei erwischt worden, wie er sich mit einer Bügelsäge Platz auf dem engen Pfad verschaffte. Die Mitarbeiter um Revierleiterin Mareike Schulz haben auch an bis zu 60 Zentimeter dicken Buchenstämmen Schnitte entdeckt, die mit einer Motorsäge durchgeführt worden sind.

„Der Besucher sollte sich den Begebenheiten unterordnen“, sagt Bauer, „dass jemand mit der Säge in den Nationalpark kommt, können wir nicht akzeptieren.“ Die Wanderer von nah und fern würden genau dieses Naturerlebnis, bei dem sie auch mal über einen Stamm klettern müssen, schätzen. „Das urige Gefühl, über Stock und Stein - das wollen die Besucher“, sagt auch Achim Frede, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde. Zudem gebe es für alle Gruppen ausgewiesene Wege, die von Baumstämmen freigehalten werden. Diese können Fahrradfahrer und auch Eltern mit Kinderwagen nutzen.

Auf den Wildnispfaden greifen die Nationalparkmitarbeiter nur im Notfall ein, zum Beispiel wenn ein Baumstamm auf Kopfhöhe für Wanderer gefährlich werden könnte. Dann werden zudem besondere Schneidetechniken angewandt, die nicht sofort erkennen lassen, dass dort ein Mensch am Werk war.

Die Mitarbeiter des Nationalparks weisen darauf hin, dass es sich beim Wegefreischnitt um eine Ordnungswidrigkeit handelt, die ein Bußgeld zur Folge haben kann. Rechtsgrundlage ist die Nationalparkverordnung. In den vergangenen Jahren wurden aber auch Wildkameras gestohlen.

„In nächster Zeit werden daher verstärkt Kontrollen durchgeführt“, kündigt Manfred Bauer an. Vor allem aber wollen die Mitarbeiter des Nationalparks die Gäste für diese Thematik sensibilisieren. Sollte jemand einen Wanderer beim illegalen Wegefreischnitt beobachten, sind die Angestellten im Nationalpark für Informationen dankbar.

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