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Speisen zum Mitnehmen: Mehrweg-Alternativen zu Einwegpackungen sind Pflicht

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Von: Wilhelm Figge

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Lösungen für viele verschiedene Speisen bieten Mehrwegsysteme, berichtet Ulrike Mertens von der Luisen-Mühle in Mengeringhausen.
Lösungen für viele verschiedene Speisen bieten Mehrwegsysteme, berichtet Ulrike Mertens von der Luisen-Mühle in Mengeringhausen. © Wilhelm Figge

Neue Gesetze sollen den Verpackungsmüll reduzieren. Das hat Auswirkungen auch für die Gastronomie in Waldeck-Frankenberg. Manche gehen voran – die Kunden sind nicht überall dabei.

Waldeck-Frankenberg – Seit 1. Januar stehen Gastronomiebetriebe in vielen Fällen in der Pflicht, Kunden für Speisen und Getränke zum Mitnehmen Mehrweg-Alternativen zu Einwegbehältern anzubieten. „Das heißt nicht, dass Einweg komplett verbannt ist“, erläutert Oliver Kasties, Geschäftsführer der Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga in Nord- und Osthessen – aber es gebe neue Möglichkeiten und Pflichten.

Das Gesetz setzt eine EU-Richtlinie um, die Plastikmüll vermindern soll. Wenn Lebensmittel zum Mitnehmen in Einwegverpackungen aus Kunststoff angeboten werden, müssen Betriebe eine Alternative anbieten – unbeschichtete Pappe und Alu-Behälter sind also beispielsweise nicht betroffen. Bei Getränken gilt die Pflicht zum Alternativ-Angebot derweil für alle Einwegbehälter, nicht nur die aus Plastik.

Eine Ausnahmeregelung hilft Betrieben mit maximal 80 Quadratmetern Verkaufsfläche und fünf Beschäftigten: Sie können ihrer Pflicht auch nachkommen, indem sie den Kunden ermöglichen, die Produkte in selbst mitgebrachte Mehrwegbehältnisse zu füllen. Imbissbetreiber betreffe das Gesetz bislang also eher nicht, auch wenn da viel Verpackungsmüll anfalle, sagt Kasties – aus ökologischer Sicht sei das nicht unbedingt nachvollziehbar.

Der Zeitpunkt für die Gesetzesänderung sei schwierig: „Die ohnehin corona-geplagten Betriebe haben nun mit Inflation und Teuerung zu kämpfen“, hält Kasties fest. Andererseits stellten manche von sich aus auf Mehrweg um und durch das Außer-Haus-Geschäft in der Pandemie wachse der Plastikberg: „Der Zeitpunkt ist da, dass man umdenkt.“ Auch mit Blick auf Getränkebecher denkt er, dass sich am Ende ein System einspielt und die Macht der Gewohnheit einsetzt. Er denke: „Die Mehrheit ist für Mehrwegangebote.“

Restaurant sucht erfolgreich Lösungen für Pflciht zum Mehrweg-Angebot

Für die Luisen-Mühle in Mengeringhausen ändert sich durch das Gesetz nichts, erklärt Ulrike Mertens. In der Corona-Zeit bot das Restaurant Essen zum Mitnehmen an und die Familie stellte fest: „Das ist uns zu viel Müll.“

Schon vor mehr als zwei Jahren machte sie sich auf die Suche nach Alternativen – damals sei der Markt noch nicht so weit gewesen wie heute. Systeme mit Pfand seien dabei für Restaurants nicht ganz einfach: Es würden oft Speisen für mehrere Personen geholt, manchmal müssten diese auf mehrere Behälter aufgeteilt werden – da komme schnell eine hohe Summe beisammen.

Stattdessen nutzt die Luisen-Mühle einen Anbieter mit App: Der Kunde registriert sich, an ihn ausgegebene Gefäße werden eingescannt und in seinem Account gespeichert. Zwei Wochen Zeit bleiben bis zur Rückgabe, erst danach wird eine Zahlung fällig.

In ihrer Erfahrung finde sich für alle Gerichte eine Lösung: „Das funktioniert“, sagt Ulrike Mertens. Der Anbieter Vytal biete eine Vielzahl verschiedener Behälter. Etwas hineinarbeiten und umstellen musste der Betrieb sich schon, um alle Speisen ideal unterzukriegen.

Mehrweg-Nachfrage bei Kaffee „to go“ geht noch gegen 0

„Die Nachfrage liegt eine Woche nach Einführung noch bei 0“, sagt Henrik Eckhardt, nachdem die Hatzfelder Bäckerei Pfandbecher angeschafft hat, um den gesetzlichen Vorgaben nachzukommen. „Wir wollen alle nachhaltig sein“, unterstreicht er – so arbeite sein Betrieb mit lokalen Lieferanten. Aber in diesem Fall habe sich das noch nicht durchgesetzt: „Das Verbraucherbedürfnis ist mitnehmen, leertrinken, wegwerfen.“

Die Anschaffung der eigenen Becher war dabei eine Investition von mehreren Tausend Euro. Den Anschluss an ein Pfandsystem habe er erwogen, berichtet Henrik Eckardt – aber Recup/Rebowl erhebe seine Grundgebühren pro Filiale. Das werde schnell sehr teuer.

Was mehr genutzt werde, sei das Befüllen von kundeneigenen Getränkebechern. In der Corona-Zeit war das noch verpönt. Da Behälter die Kaffeemaschine nicht berühren, sieht Eckhardt da kein Problem – optisch sauber müssten sie aber sein. (wf)

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