Für das Hospiz hat der Kreis einen Träger gefunden · Standort in Frankenberg · Kinderhospiz in Korba

Stationäres Hospiz: Aus eins mach zwei

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Die Korbacher Klinik hat eine geriatrische Abteilung, Altenheim, ambulanter Pflegedienst (links), Diakonissenwerk und Krankenpflegeschule (rechts) liegen in direkter Nähe.

Waldeck-Frankenberg - Der Landkreis hat politisch noch nicht entschieden, aber die Würfel sind offenbar längst gefallen: In Frankenberg soll ein stationäres Hospiz entstehen. Am zentralen Standort Korbach ist scheinbar ein Hospiz für Kinder vorgesehen.

Träger der beiden Hospizeinrichtungen für Erwachsene und Kinder soll das Internationale Bildungs- und Sozialwerk e.V. (int-bsw) werden. Der Verein mit Sitz in Iserlohn betreibt in der Mitte Deutschlands eine Fülle von Seniorenheimen, Therapie- und Pflegezentren - ob in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt. Dazu gehören auch Wohn- und Pflegezentren in Volkmarsen und Willingen. Geschäftsleiter ist Professor Heinrich Schnatmann.

Die Pläne für ein Hospiz in Frankenberg und ein Kinderhospiz in Korbach bestätigt Landrat Dr. Reinhard Kubat auf Nachfrage von WLZ-FZ. Nach fast drei Jahren intensiver Debatten in Waldeck-Frankenberg steht eine Entscheidung des Kreisausschusses Ende Oktober offenbar bevor.

Todkranken Menschen einen Abschied in Würde zu ermöglichen - das ist seit Jahren eine Aufgabe der ambulanten Hospizvereine im Landkreis. In den heimischen Mittelzentren setzen sich Ehrenamtliche mit viel Kraft dafür ein, schwerstkranke Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten, aber auch den Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Überdies gibt es seit 2009 das „Palliativ- und Hospiznetzwerk Waldeck-Frankenberg“ als eingetragenen Verein. Hier engagieren sich Ärzte und Pflegekräfte mit spezieller Ausbildung, dazu die Kliniken in Bad Arolsen, Korbach, Frankenberg, ambulante Pflegedienste und Hospizdienste aus dem gesamten Landkreis. Palliativmedizin heißt, todkranke Menschen ganzheitlich zu betreuen und zu behandeln, ihre Schmerzen zu lindern und ihnen Lebensqualität für die verbleibende Zeit zu ermöglichen.

Suche nach Träger

Neben den bestehenden ambulanten Hospizdiensten reiften seit 2011 Pläne, im Kreis ein stationäres Hospiz aufzubauen. In einem Landkreis wie Waldeck-Frankenberg mit rund 160 000 Einwohnern sei eine Einrichtung mit höchstens fünf Betten erforderlich, schätzte der Vorstand des Palliativ- und Hospiznetzwerks Anfang 2012 den Bedarf ein.

Nunmehr sind offenbar gleich zwei stationäre Einrichtungen geplant: für erwachsene Menschen in Frankenberg, für Kinder in Korbach - beide mit millionenschweren Investitionen, wie Kubat durchblicken lässt.

Das ursprüngliche Vorhaben, die vier heimischen Hospizvereine als Träger einer stationären Einrichtung zu gewinnen, sei nicht gelungen, schildert Kubat: „Wir haben erhebliche Bemühungen unternommen, einen Träger zu finden, der die finanzielle Verantwortung dauerhaft übernimmt.“

Eine Million Euro vom Kreis

Stationäre Hospize würden in der Regel zu 90 Prozent aus öffentlichen Kassen finanziert, die verbleibenden Kosten müsse der Träger übernehmen. Dabei scheide der Landkreis als Financier für den Betrieb aus, betont Kubat: „Wir haben gesagt, wir geben eine Anschubfinanzierung für den Bau, aber nicht für den Betrieb.“ So stehen im Etat des Kreises insgesamt eine Million Euro als Anschub zur Verfügung.

Um das Projekt zu verwirklichen, habe der Landkreis schließlich Kontakt mit Professor Heinrich Schnatmann vom Internationalen Bildungs- und Sozialwerk aufgenommen, erklärt Kubat. Und Schnatmann habe dann entsprechende Pläne präsentiert.

Korbach oder Frankenberg?

„Wir haben noch keine Entscheidung darüber im Kreisausschuss getroffen“, unterstreicht der Landrat. Ende Oktober komme das Thema voraussichtlich auf die Tagesordnung.

Vor allem die Standortfrage war dabei in den vergangenen drei Jahren höchst strittig: Der Hospizverein in Frankenberg trommelte für die Illerstadt und brachte im Frühjahr 2011 als Option das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) im Bockental ins Gespräch. Die frühere Schönheitsklinik hatte der Kreis unter der Ägide von Landrat Helmut Eichenlaub erworben. Laut Kubat favorisiert das Bildungs- und Sozialwerk indes einen Standort im Frankenberger Zentrum.

Der Vorstand des Palliativ- und Hospiznetzwerks setzte sich dagegen stark für ein Hospiz in Korbach ein. Die Hansestadt liegt zentral erreichbar im Landkreis, erweitert derzeit das Krankenhaus, es gibt eine geriatrische Abteilung und palliativmedizinische Betreuung. Überdies sind Altenheim, Diakonissenwerk, Krankenpflegeschule und ambulante Pflegedienste rund um die Klinik auf einem Fleck vereint.

Dort könnte künftig das zusätzlich geplante Kinderhospiz entstehen. Doch bleibt die Standortfrage, die rein formal noch gar nicht politisch entschieden ist, ein heikler Punkt.

Auch die ehemalige Schönheitsklinik (MVZ) im Frankenberger Bockental ist offenbar als Hospiz noch nicht aus dem Rennen. Selbst wenn der Landkreis schon im November 2011 verlauten ließ: „Das MVZ ist nicht geeignet.“

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