66-Jähriger steht wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht 

Stich in den Bauch: Blutiger Streit unter Nachbarn - „Hurensohn, ich bring’ dich um“

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Ein Streit zwischen langjährigen Nachbarn in Edertal ist 2015 eskaliert: Ein Mann wurde lebensgefährlich verletzt - jetzt läuft der Prozess.

Ein 66-Jähriger hatte versucht seinen Nachbarn mit einem Messerstich in den Bauch zu töten - dafür muss er sich jetzt vor dem Kasseler Landgericht verantworten.

Der Streit zwischen den langjährigen Nachbarn ist im September 2015 derart ausgeartet, dass der 66-Jährige sich seit Montag wegen versuchten Totschlags vor der 10. Strafkammer des Kasseler Landgerichts verantworten muss. Er soll versucht haben, seinen heute 40-jährigen Nachbarn in einem Ortsteil der Gemeinde Edertal mit einem Stich in den Bauch zu töten.

Zum Prozessauftakt schwieg der 66-jährige Angeklagte noch. Verteidiger Michael Schenk kündigte allerdings eventuelle Aussagen im weiteren Prozessverlauf an. 

Staatsanwältin schildert ein dramatisches Geschehen

Staatsanwältin Angela Rek hatte in ihrer Anklage ein dramatisches Geschehen geschildert, das sich vor Reihenhäusern am Rande eines kleinen Dorfes  abgespielt haben soll. Die Konflikte zwischen den Nachbarn schwelten danach wohl schon seit rund 20 Jahren und entluden sich am 15. September 2015 am späten Nachmittag.

Angeklagter war während der Tat stark alkoholisiert

Der stark alkoholisierte Angeklagte – eine spätere Blutprobe ergab bis zu 2,8 Promille – war laut Anklage mit seinen Nachbarn über eine Graskante in einen verbalen Streit geraten, der schnell eskalierte. „Hurensohn, ich bring’ dich um“, soll er zu seinem der Nachbarn gesagt und einen Gasrevolver gezogen haben. Als der Nachbar sagte „Schieß doch, wenn du dich traust“ feuerte der Angeklagte tatsächlich aus kurzer Distanz aufs Gesicht des Gegenüber, der dadurch eine Horn- und Bindehautreizung beider Augen erlitt.

Mit dem Gasrevolver auch zwei Kleinkinder bedroht

Der so verletzte Mann holte eine Eisenstange aus der Garage und schlug damit auf den Briefkasten des Angeklagten ein. Der wiederum kam daraufhin erneut mit dem Gasrevolver in der Hand aus dem Haus und visierte damit nacheinander sowohl die Erwachsenen als auch zwei drei- und vierjährige Kinder an. „Einer von euch fällt“, soll er dabei gesagt haben. Die inzwischen alarmierte Polizei nahm den Angeklagten schließlich fest und zum Verhör mit nach Bad Wildungen.

Angeklagter rammte dem Opfer einen Spleißdorn in den Bauch

Als er von dort gegen 18.30 Uhr in Begleitung seiner Frau zurückkehrte, stellte der heute 40-jährige Nachbar, dessen Kinder mit dem Revolver bedroht worden waren, zunächst die Ehefrau des Angeklagten zur Rede. Der 66-Jährige verließ das Auto, es kam zu einem Gerangel mit dem Geschädigten, der dem Angeklagten dabei einen Tritt an die Hüfte versetzte. Dieser holte daraufhin aus seinem Auto einen sogenannten Spleißdorn (ein Werkzeug zur Seilherstellung) und stieß dessen etwa 20 Zentimeter lange Spitze dem anderen tief in den Bauch. Der schwer Verletzte zog den Dorn selbst heraus und schickte den Angeklagten mit zwei Faustschlägen zu Boden.

Der Dorn war dem Geschädigten 15 Zentimeter in den Bauchraum gedrungen, hatte Leberkapsel und Dickdarm dabei lebensbedrohlich verletzt. Der Mann überlebte nur Dank einer sofortigen Notoperation und leidet bis heute seelisch und körperlich unter den Folgen des Angriffs. 

Von Thomas Stier

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