Waldeck-Frankenberg

Stichhaltige Beweise sammeln

- Waldeck-Frankenberg (tk). Wächst mit der globalen Erderwärmung auch das lokale Risiko, nach Insektenstichen schwere Krankheiten zu bekommen? Dieser Frage geht ein spezielles Klimaschutzprojekt nach. Apotheker wollen dabei mithelfen.

„KLIMZUG mit MüZe“? Was auf den ersten Blick nach dem Fehler eines Übersetzungsprogramms aussieht, ist in Wirklichkeit die abgekürzte Beschreibung eines Klimaschutzprojektes. Zwölf freiwillige Sammler lesen Mücken und Zecken (MüZe) in Waldeck-Frankenberg auf. Im Labor wird dann untersucht, ob die Insekten Krankheitserreger enthalten. So können Zecken etwa Borreliose oder die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen.

Weil die Sammler Fundort und -datum registrieren, lassen sich Aussagen über Verteilung und Ausbreitung infizierter Insekten treffen, stichhaltige Beweise sozusagen. Grundüberlegung: Durch die globale Erderwärmung verschiebt sich das Verbreitungsgebiet infektiöser Insekten weiter nach Norden. Für diese These sprechen Zahlen: So hat sich seit 1998 die Zahl der FSME-Risikogebiete in Deutschland etwa verdoppelt.

„Den Klimawandel zukunftsfähig gestalten“, dazu fordert das nordhessische Verbundprojekt „KLIMZUG“ auf. Biologin Tanja Müller arbeitet seit Herbst 2008 als Klimaanpassungsbeauftragte im Landkreis. Um sie als weitere Projektpartner zu gewinnen, waren am Mittwoch die selbstständigen Apotheker im Landkreis zu einer Informationsveranstaltung im Nationalparkzentrum bei Herzhausen eingeladen. 43 wurden angeschrieben, rund 15 Pharmazeuten stellten Tanja Müller, Dr Hannelore Wendt, die Leiterin des Kreisgesundheitsamts, und Bea Schließmann vom Regionalmanagement, das Projekt vor. Die anwesenden Apotheker signalisierten ihre Bereitschaft, als Anlaufstellen für die Sammler zu fungieren. Sie sollen also künftig die Sammelbecher, in denen die aufgelesenen Insekten bis zur Laboruntersuchung in Alkohol schwimmen, zwischenlagern und wieder neue Gefäße ausgeben.

Außerdem liegen in den beteiligten Apotheken dann auch Broschüren zum MüZe-Projekt aus. Mit der Beratung von Kunden, die nach einem Zeckenstich besorgt sind, haben die Apotheker viel Erfahrung. Deshalb sind bei ihnen auch viele Tipps zur Vorbeugung zu erhalten.

Die Ergebnisse sollen darüber Aufschluss geben, ob und in welchem Umfang sich das Infektionsrisiko klimabedingt verändert. „Ziel des Projekts ist es, ein für die Zukunft ausgelegtes Frühwarnsystem zu etablieren“, fasst Tanja Müller zusammen. Zwar können auch Zecken „eingereicht“ werden, die nicht mit Betttüchern von Pflanzen in Krautsaum und Strauchgürtel aufgesammelt, sondern im Fell von Haustieren oder auf der eigenen Haut gefunden wurden. Aber einen individuellen Borreliose-Schnelltest, für den Labore rund 35 Euro berechnen, kann MüZe nicht ersetzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare