Mehr Polizei, Schulausfall, Züge stehen, Feuerwehrgerätehäuser besetzt

Blackout: Das würde bei einem großen Stromausfall im Landkreis passieren

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Für den Fall der Fälle: Sollte im Korbacher Stadtkrankenhaus der Strom ausfallen, übernimmt sofort das Aggregat, das Elektromeister Josef Schlichtherle hier zeigt. 

Größere Stromausfälle kommen selten vor. Doch was passiert, wenn im gesamten Landkreis der Strom für mehrere Stunden oder gar Tage ausfällt? Ein Szenario.

Ist der Strom weg, könnte in der Kreisverwaltung in Korbach und Frankenberg nicht mehr gearbeitet werden, dort gibt es keine Notstromaggregate. Die Polizei hingegen arbeitet unabhängig vom allgemeinen Stromnetz.

Die Dienststellen im Landkreis sind ersatzstromversorgt und „können auch im Falle eines Stromausfalls die polizeiliche Grundversorgung der Bevölkerung gewährleisten“, sagt Sprecher Dirk Richter. „Dies erfolgt zunächst über Batteriebetrieb und geht dann in eine Versorgung mit kraftstoffbetriebenen Notstromaggregaten über.“

Dennoch sei ein längerfristiger Stromausfall für alle Bereiche des öffentlichen Lebens eine „große Herausforderung“. Die Polizei würde in einem solchen Fall die Präsenz auf der Straße spürbar erhöhen. Dies hat präventiven Charakter“, so Richter. So sei man Ansprechpartner für besorgte Bürger direkt vor Ort, zum anderen aber auch, damit mögliche Notlagen von anderen Menschen nicht ausgenutzt würden. Polizeiliche Übungen, wie im Fall der Fälle reagiert werden könnte, gebe es nicht.

Feuerwehr und Katastrophenschutz

Von einem andauernden Stromausfall sind auch die Kommunikationsmittel der Feuerwehr betroffen, sagt Petra Frömel, Sprecherin des Landkreises. Diese seien zwar „mit einer unterbrechungsfreien Stromversorgung ausgestattet“, je nach Belastung könne der Betrieb so jedoch für maximal drei Stunden gesichert werden.

Das Land hat, so Frömel, für den Fall eines andauernden Stromausfalls zentral Stromerzeuger beschafft, die den Feuerwehren zur Verfügung gestellt wurden. Der sogenannte Feuerwehranhänger Strom ist in Korbach stationiert und hat eine Leistung von 250 Kilovoltampere (kVA), zwei kleinere Stromerzeuger (je 60 kVA) stehen in Bad Wildungen und Frankenberg bereit.

Das Land hat eine Rahmenempfehlung erarbeitet, die der Landkreis im Fall der Fälle umsetzen würde. Unter anderem besagt diese Empfehlung, dass bei einem lang andauernden Stromausfall alle Feuerwehrhäuser besetzt sein müssen. In Waldeck-Frankenberg gibt es zudem derzeit 18 Katastrophenschutz-Löschzüge und 942 Helfer in diesem Bereich. Alle drei Jahre gibt es eine Katastrophenschutzübung.

Aber: Eine Übung speziell für die Einsatzlage Stromausfall gebe es nicht, „da für eine Einspeisung der Stromerzeuger in ein Ortsnetz dieses stromlos geschaltet werden müsste. Realbedingungen zu schaffen ist leider nicht möglich“, sagt Petra Frömel. Die Kreisverwaltung selbst hat übrigens kein Notstromaggregat.

Bahnverkehr

„Ein großflächiger Ausfall der Stromversorgung ist sehr unwahrscheinlich“, sagt eine Sprecherin der Deutschen Bahn. „Die Versorgungssicherheit mit Strom liegt bei der Bahn bei 99,99 Prozent.“ Man verfüge für den Betrieb der Züge über ein eigenes Stromnetz.

Dennoch sei die Bahn auf solche Situationen vorbereitet, es gebe Notfallpläne und regelmäßige Trainings der Mitarbeiter, so die Sprecherin. Sollte der Fahrstrom großflächig ausfallen, gebe es „spezielle Regeln für die Wiederaufnahme des Zugbetriebs. Dabei kommt es vor allem darauf an, dass nicht alle Züge gleichzeitig anfahren, da dies zu einer Überlastung der Energieversorgung führen würde.“

Bei der Bahn gibt es spezielle Notfallpläne

Für den Betrieb von Bahnhöfen und Stellwerken würden bei einem Stromausfall „in örtlichen Stromnetzen eine Notstromversorgung einsetzen. Spezielle Schaltungen in den Stellwerken stellen sicher, dass zunächst alle Signale automatisch auf „rot“ fallen. Alle Züge im Bereich des Stellwerks kommen dann zum Stehen. Exakt definierte Betriebsverfahren“ würden ermöglichen, dass Züge nach und nach weiterfahren – „zumindest bis zum nächsten Bahnhof“.

Schulen

In der größten Schule im Landkreis, den Beruflichen Schulen Korbach und Bad Arolsen, gibt es keine Aggregate, die im Fall der Fälle die Stromversorgung übernehmen würden, sagt Schulleiter Uwe Schönrock. Batterien würden aber dafür sorgen, dass die Beleuchtung der Fluchtwege stets garantiert sei. „Alles, was für eine Evakuierung nötig ist, funktioniert“, sagt der Schulleiter.

Aber: Fällt der Strom aus, fällt auch der Unterricht aus. Denn weder Computer noch Active-Boards und die allgemeine Beleuchtung würden funktionieren, auch die Verwaltung wäre lahmgelegt.

Stadtkrankenhaus Korbach

Patienten des Korbacher Stadtkrankenhauses müssen sich keine Sorgen machen: Nach Einschätzung der Technischen Abteilung würden sie einen Stromausfall nicht einmal bemerken, heißt es im Krankenhaus. Die kommunale Klinik verfügt nach eigenen Angaben über ein 665 kVA starkes Diesel-Aggregat, das ständig auf Betriebstemperatur gehalten wird, bei einer Unterspannung im öffentlichen Netz vollautomatisch anspringt und die Stromversorgung des Krankenhauses in wenigen Sekunden komplett übernimmt – wenn nötig sogar über mehrere Tage oder gar Wochen. 

Josef Schlichtherle mit der Steuerung für ein Notstromaggregat im Krankenhaus Korbach.

Die sensiblen Bereiche der Klinik – also der Trakt mit allen Operationssälen und die Intensivstation sowie die Sicherheitsbeleuchtung des Hauses – sind laut Hessenklinik mit einer sogenannten Unabhängigen Stromversorgung (USV) zusätzlich geschützt. Jeden Monat würden diese Systeme getestet, so die Aussage. Darüber hinaus erfolge einmal jährlich eine große Überprüfung, bei der ein Stromausfall simuliert und aufgefangen werde. Zuletzt am Pfingstwochenende, als es in Korbach tatsächlich zu einem längeren Ausfall der Elektrizität gekommen war, übernahm das Klinik-Aggregat binnen weniger Augenblicke die Stromversorgung. Daran seien auch das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) und die angegliederten Arztpraxen angebunden, hieß es.

Das größte Unternehmen: Viessmann

Alle Maschinen, die eine unabhängige Stromversorgung brauchen, haben diese auch“, sagt Carsten Lucassen, Sprecher von Viessmann in Allendorf. „Am wichtigsten für uns ist in einem solchen Fall jedoch die Sicherheit der Mitarbeiter.“ Einmal im Jahr gebe es eine verpflichtende Unterweisung, jeder kenne seinen Sammelpunkt, um Gebäude sicher verlassen zu können – ob im Fall eines Stromausfalls, Feuers oder eines anderen Notfalls. Fluchtwege würden durch die Notstromversorgung stets angezeigt, auch das Kundenzentrum sei immer versorgt. So könne man den Kunden immer weiterhelfen. 

Auch auf den Fall der Fälle ist Viessmann vorbereitet: Würde der Strom beispielsweise während eines Feuers ausfallen, würden stromgesteuerte Sprinkler nicht funktionieren – deshalb werden die Anlagen mit Diesel betrieben.

EWF: Neun Notstromaggregate und ein Krisenstabsraum

Einen großen und länger andauernden Stromausfall im gesamten Landkreis habe es bisher nicht gegeben, sagt Axel Voigt, Sprecher von Energie Waldeck-Frankenberg (EWF). Im vergangenen Jahr seien die Verbraucher im Kreis durchschnittlich weniger als zehn Minuten ohne Strom gewesen.

Und dennoch: Würde der Strom ausfallen, „könnten auch die wichtigsten Einrichtungen der EWF auf eine unterbrechungsfreie Stromversorgung zurückgreifen“, so Voigt. Zunächst passiert das batteriebetrieben für bis zu mehrere Stunden, dann übernehmen Notstromaggregate, die mehrere Wochen laufen können. „Begrenzender Faktor ist die Kraftstoffversorgung.“

Andreas Pesch in der Leitstelle der EWF

Insgesamt hat der Energieversorger neun Notstromaggregate mit einer Leistung von insgesamt 3000 Kilovoltampere (kVA). Diese versorgen im Fall der Fälle auch Pumpen der Korbacher Wassergewinnungsanlagen mit Strom, ebenso die EWF-Leitstelle. Dort koordinieren Mitarbeiter den Entstörungsdienst und haben den Überblick über das gesamte Strom-, Gas-, Wasser- und Wärmenetz. Auch, was durch Windräder & Co. eingespeist wird, lässt sich an den zahlreichen Monitoren ablesen. Gibt es irgendwo im Netz ein Problem, ertönt in der Leitstelle ein Alarmsignal, die betroffene Stelle – ob Gasdruckregelanlage oder Schalthaus – leuchtet rot auf. Einer von gut 100 Technikern, die im wechselnden Einsatz sind, macht sich dann auf den Weg dorthin.

Lukas Wilhelmi in der Leitstelle der EWF

Gab es eine Unterbrechung bei der Stromversorgung, werden Teile des Netzes von der Leitstelle aus nach und nach wieder zugeschaltet. Einrichtungen, die zur kritischen Infrastruktur zählen, werden dabei vorrangig versorgt.

Um vorbereitet zu sein, würden regelmäßig mit den Betreibern vorgelagerter Netze „Szenarien einer notwendigen Leistungsanpassung geübt“, sagt Voigt. Intern würden Krisenstabsübungen gemacht. Einen eigenen Raum für den Krisenstab gibt es in der Leitstelle. Dort wird im Krisenfall bis hin zu den Witterungsverhältnissen, die die Arbeit des Entstörungsdienstes vor Ort erschweren könnten, alles besprochen.

In der neuen Leitstelle, die seit Frühjahr in Betrieb ist und mehr als 1,5 Millionen Euro gekostet hat, ist unter anderem auch die batteriebetriebene Notstromversorgung untergebracht – und das für den Fall der Fälle in doppelter Ausführung.

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