Streitatlas 2018: Waldeck-Frankenberg liegt im Mittelfeld – Kritik an Auswertung

In Deutschland wird immer häufiger gestritten - das sind die Gründe

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Streit um Unterhaltszahlungen oder Scheidungskriege: Auseinandersetzungen innerhalb der Familien werden nicht selten mit Hilfe von Rechtsanwälten geklärt.

Waldeck-Frankenberg. Die Deutschen streiten gerne und immer häufiger. Das geht aus dem aktuellen Streitatlas hervor, den die Advocard Rechtsschutzversicherung herausgegeben hat. Ausgewertet wurden 1,7 Millionen Fälle aus 2016. Darunter sind nach Auskunft der Versicherung aber nicht nur Streitigkeiten, die vor Gericht ausgetragen wurden

Bei den Ergebnissen fällt eines direkt auf: Im Vergleich zu 2014 wird in Deutschland häufiger gestritten. Waren es damals im Schnitt noch 22,3 Streitfälle pro hundert Einwohner, stieg die Zahl 2016 auf 25,1 an. Mit einer Intensität von 21 Streitfällen pro 100 Einwohnern liegt Waldeck-Frankenberg im unteren Mittelfeld. Zum Vergleich: In Kassel schlagen 30,8 Streitfälle pro 100 Einwohner zu Buche.

Unter allen Bundesländern streitet, wie auch in den Jahren zuvor, der Stadtstaat Berlin am meisten. Er liegt bei 31,2 Streitfällen pro 100 Einwohner. 2014 waren es 29,3. Besonders streitfreudig ist auch Nordrhein-Westfalen. Allein sieben Städte in der Liste der Top-10-Streitstädte liegen in NRW. Unter den Städten bleibt Leipzig Deutschlands unangefochtene „Zoffhochburg“ (33,2). Richtung Süden nimmt die Streitlust immer mehr ab.

Und was sind die Streitgründe? Auf Platz eins steht das Privatleben (40,1 Prozent) – dazu gehören Familienangelegenheiten wie Scheidung und Trennung, es folgen Erbstreitigkeiten und Mängel bei Urlaubsreisen. An zweiter Stelle liegen Streitigkeiten im Straßenverkehr (27,9 Prozent) – hier gibt es den stärksten Zuwachs von 3,2 Prozent. Auch Meinungsverschiedenheiten im Job und Nachbarschaftsstreitigkeiten im Bereich „Mieten und Wohnen“ beschäftigen die Deutschen.

Bei jedem dritten Streit geht es um Werte über 2000 Euro. Die Deutschen werden zudem immer streitlustiger: Laut der Studie dauern knapp 43,7 Prozent der Fälle länger als ein Jahr.

Datenerhebung ist umstritten

Hintergrund: Der Streitatlas 2017 – herausgegeben von der Advocard-Rechtsschutzversicherung – ist die dritte Auflage einer Studie, die erstmals 2013 veröffentlicht wurde. Für die Versicherung sind Streitfälle alle gemeldeten Streitigkeiten, egal ob diese im Rahmen einer Erstberatung, Mediation, einem Vergleich oder einem Gerichtsurteil beendet wurden. Diese Herangehensweise bei der Datenerhebung, so die Kritik des Fachmagazins „Legal Tribune Online“, sei jedoch nicht klar zu erkennen. Es entstehe stattdessen der Eindruck, dass immer mehr Streitigkeiten vor Gericht landeten. Tatsächlich sei die Zahl der gerichtliche Auseinandersetzungen aber rückläufig. 

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