Serie "Die Arbeit der Polizei": Diensthundeführer Martin Digulla aus Korbach

Suche nach Drogen, Geld und Personen: Polizeihund Jakob im Einsatz

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Martin Digulla mit "Praktikant" Bendix (links) und Schutz- und Spürhund Jakob.

Waldeck-Frankenberg. Kaum hat Martin Digulla den Zwinger im Kofferraum geöffnet, schießt Schäferhund Jakob aufgeregt hinaus. Er weiß: Gleich darf er wieder auf die Suche gehen. Im Quartier des Korbacher THW, wo Digulla mit Jakob trainieren darf, hat der Polizeioberkommissar Drogen versteckt. Etwas Kokain, etwas Heroin, etwas Haschisch, gut verpackt in Tütchen und zusätzlich in Dosen, in denen kleine Löcher sind.

Den Bereich, in dem Jakob suchen soll, schreitet Digulla vorher mit großen Schritten ab, von den wachsamen Augen des Hundes verfolgt. Dann gibt er das kurze Kommando: „Such“. Mit einem Satz ist der 40 Kilo schwere Hund auf den Beinen und schnüffelt an Regalen, Fahrzeugen, einem Boot. „Der Hund sucht nicht systematisch“, erklärt Martin Digulla währenddessen. Mal hier und mal dort schnüffelt der Vierbeiner. Entdeckt er etwas, wird er aufgeregt, stupst immer wieder mit der Nase daran und macht schließlich Platz als Signal, dass er fündig wurde. Dieses Verhalten wurde dem dreieinhalbjährigen Hund antrainiert.

Im Glas und eingetütet sind die Drogen, nach denen Jakob suchen soll, während des Transports.

Nach wenigen Minuten hat Jakob alle Dosen gefunden. Und nach jeder einzelnen wird er gelobt und darf für ein paar Minuten spielen. Das Gezerre an einem Spielzeug ist seine Belohnung. Auch die Suche – ob nach Drogen, Sprengstoff oder Geld – ist für die Tiere stets ein Spiel. Frisst Jakob aus Versehen Drogen, gibt ihm Digulla ein Brechmittel, das er stets dabei hat.

Spezialisiert ist er zwar auf die Suche nach Drogen und Geld. Doch am Anfang steht die Grundausbildung zum Schutzhund. Drei Monate lang lernen Hund und Herrchen oder Frauchen an der Hundeschule der hessischen Polizei in Mühlheim am Main Grundlegendes. Während die Tiere Gehorsam, beißen und Kommandos trainieren, pauken die Besitzer rechtliche Grundlagen, Sachkunde und Erste Hilfe am Hund. Am Ende steht eine schriftliche Prüfung.

Weitere drei Monate dauert dann die Ausbildung zum Spürhund. Jakob kann Heroin, Koks, Opium, Amphetamine, Haschisch und Crack riechen, zudem Geld – „aber keine Blüten“, sagt sein Herrchen. Mit frischen Scheinen aus der Bundesbank wird geübt. An ihnen ist der Geruch des Geldes noch unverfälscht, weil es noch nicht so viele Menschen angefasst und mit sich herumgetragen haben. Auch die Drogen, mit denen trainiert wird, sind völlig rein, damit die Tiere den ursprünglichen Geruch kennenlernen.

"Wenn jemand Probleme macht, lasse ich Jakob ein paar Mal bellen"

Geübt wird auch die Suche nach versteckten Personen. Entdeckt er einen Menschen, der sich verbirgt, bleibt Jakob stehen, bellt und schaut immer wieder in die Richtung, in der sich die Person aufhält. Das hat er so gelernt und das wird auch immer wieder geübt.

Fünf Diensthundeführer gibt es aktuell in Waldeck-Frankenberg, ab Februar sind es sechs: Vier in Korbach, zwei in Frankenberg. Gemeinsam trainieren die Polizisten mit ihren Hunden zwei Mal im Monat, entweder auf einem Hundeplatz oder in den Hallen des THW. Eine der Übungen: Ein Kollege versteckt sich, die Hunde müssen ihn finden.

In diesem Boot ist Jakob auf der Suche nach Drogen. Polizeioberkommissar Martin Digulla spielt mit ihm, wenn der Hund fündig wurde. So weiß Jakob, dass er alles richtig gemacht hat.

Hat Martin Digulla Dienst, ist Jakob immer dabei. Entweder im Zwinger auf der Korbacher Polizeistation oder im Zwinger im Kofferraum des Streifenwagens. Zwei Mal am Tag lässt der Polizist ihn laufen. Denn nicht bei jedem Einsatz kommt der Schäferhund aus dem Auto.

„Wir können Maßnahmen mit Zwang durchsetzen“, sagt Digulla. Da ist der Hund ein Hilfsmittel. Wehrt sich beispielsweise jemand gegen die Festnahme, holt Martin Digulla Jakob aus dem Kofferraum. Das allein reicht oft schon aus, im Angesicht des Hundes werden viele schnell kooperativer. „Wenn jemand Probleme macht, lasse ich ihn ein paar Mal bellen.“ Ergreift hingegen jemand die Flucht vor der Polizei, kündigt der Oberkommissar an: „Bleiben Sie stehen, sonst setze ich den Hund ein.“ Läuft die Person weiter, setzt Jakob hinterher. Bleibt der Flüchtige dann stehen und bewegt sich nicht mehr, darf ihn Jakob nur anbellen, nicht aber beißen.

Jedes Jahr fahren Martin Digulla und Jakob für eine Woche zur Hundeschule nach Mühlheim. Dort wird das Wissen von Hund und Herrchen aufgefrischt, zudem gibt es Fortbildungen. Beispielsweise dazu, wie man mit Diensthund eine Wohnung betritt. Zudem muss mit jedem Schutzhund einmal im Jahr eine erneute Prüfung abgelegt werden.

Auch wenn der Schäferhund offiziell nur ein Hilfsmittel ist – für die Diensthundeführer sind die Vierbeiner auch Familienmitglieder. Jakob lebt mit Digulla und dessen Familie zusammen wie ein ganz durchschnittlicher Hund. Einziger Unterschied: Das Land ist Eigentümer der Tiere und zahlt für Futter und Tierarztkosten, doch Besitzer sind die Polizisten.

Bis er zwölf Jahre alt ist, wird Jakob maximal Dienst machen für die Polizei. Martin Digulla bekommt dann einen neuen Hund an seine Seite. Doch Jakob bleibt, dann allerdings nur noch als Familienhund.

Das muss ein Polizeihund können

Nahezu überall auf der Welt sind Schäferhunde als Polizeihunde gefragt, sagt Polizeioberkommissar Martin Digulla. Vor allem deutsche und belgische werden gern genommen. Sie hätten einen großen Beutetrieb, könnten gut springen und rennen.

Bendix, der drei Monate alte deutsche Schäferhund, der derzeit „Praktikant“ bei Digulla und Jakob ist, könnte einmal ein Schutzhund werden. „Wenn er sich eignet“, sagt Digulla. Viele Voraussetzungen muss ein Hund mitbringen: Er muss verkehrssicher sein, also Autofahren gut vertragen, auf Treppen und glatten Böden laufen können, und außerdem laute Geräusche vertragen. „Sie dürfen sich nicht vor einem Schuss erschrecken“, sagt der Polizist.

Zudem gibt es eine tierärztliche Untersuchung. Dabei wird das Blut getestet und Rücken und Hüfte geröntgt. Sind die Tiere geeignet, kauft das Land sie. Besitzer bleiben aber die jeweiligen Diensthundeführer.

Nach Bankraub Suche nach Geldversteck

Regelmäßig werden Martin Digulla und seine Kollegen mit ihren Diensthunden von der Kripo angefordert, vom Finanzamt oder auch dem Zoll – und das nicht nur für Einsätze in Waldeck-Frankenberg, sondern bis nach Mittelhessen.

Bei Dienstfahrten sitzt Jakob im Zwinger im Kofferraum.

Vor allem Jakob ist gefragt, denn allzu viele Hunde, die Banknoten aufspüren können, gibt es nicht in Hessen. Allerdings: Oft muss Digulla die Anfragen aus zeitlichen Gründen ablehnen. Im Einsatz waren die beiden beispielsweise bei dem Bankräuber, der im vergangenen Jahr unter anderem die Adorfer Bank ausgeraubt hat. Im Haus und im Auto des Täters suchte Jakob nach verstecktem Geld.

Auch, als im vergangenen Jahr Notfallsanitäter vor einer Korbacher Eisdiele massiv angegangen wurden von aufgebrachten Menschen, kam Polizeihund Jakob zum Einsatz. „Zur Abschreckung“, sagt Digulla.

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