Nur wenige Probleme gemeldet – Lob vom Schulamt

Corona-Tests an Schulen in Waldeck-Frankenberg laufen gut

Wissen, wie es geht: Robin und Lena von der Diemeltalschule in Usseln nehmen den Abstrich in ihrer Nase.
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Wissen, wie es geht: Robin und Lena von der Diemeltalschule in Usseln nehmen den Abstrich in ihrer Nase.

Um am Präsenzunterricht teilnehmen zu dürfen, sind seit Montag Corona-Selbsttests für Schülerinnen und Schüler verpflichtend.

Wir fragten stichprobenartig bei Schulen nach, wie die Tests laufen. Die Rückmeldungen sind überwiegend positiv. In Waldeck-Frankenberg fallen 13 000 Schüler unter die Testpflicht.

In der Berliner Schule in Korbach haben die Grundschüler das Verfahren rasch verinnerlicht. „Die erste Woche gilt als Lernphase – trotzdem führen die Kinder die Tests schon jetzt gekonnt durch. Bislang waren alle Ergebnisse negativ“, sagt Schulleiterin Irmgard Geck. „Etwas problematisch war, dass ein paar Kinder zuvor schreckliche Dinge über die Tests erzählt bekommen haben. Da mussten wir einiges richtigstellen. Schön war dann aber, dass mehrere Kinder auch Fragen gestellt haben“, so Geck, die die Tests für sehr wichtig hält. „Sie helfen dabei, dass Schulen geöffnet bleiben und dass im Klassenverbund unterrichtet werden kann. Das ist für Schüler, Lehrer und Eltern am besten.“

Irmgard Geck, Leiterin der Berliner Schule in Korbach

Auch die Tests an der Cornelia-Funke-Schule in Gemünden haben laut Schulleiterin Doris Bechold von Anfang an sehr gut geklappt. Bislang habe es nur negative Testergebnisse an der Grund-, Haupt- und Realschule gegeben. Die größten Bedenken habe man im Grundschulbereich gehabt, hier vor allem bei den Klassen 1 und 2. Die Kinder hätten die Tests aber professionell umgesetzt. Bechold: „Sie waren gut vorbereitet. Dafür bedanke ich mich bei den Eltern, die gute Aufklärungsarbeit geleistet haben. Natürlich auch bei den Kollegen, die einfühlsam die Vorgehensweise bei den Tests besprochen haben.“ Auch die personelle Unterstützung des DRK sei hilfreich. Im Vorfeld habe die Schule zudem kleine Filme zu den Tests verschickt, beispielsweise von der Augsburger Puppenkiste.

Problematisch könne es werden, wenn ein Kind in der Schule positiv getestet werde. Bechold: „Das ist für das Kind neben der gesundheitlichen Situation auch psychisch unangenehm.“ Es werde dann solange von einer Person mit Sicherheitsvorkehrungen betreut, bis es von den Eltern abgeholt werden könne.

Stephan Uhde, Leiter des Staatlichen Schulamtes

Stephan Uhde, Leiter des Staatlichen Schulamtes, sagt: „Schulleitungen, Lehrkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler haben sich vorbildlich vorbereitet und die Tests sehr besonnen durchgeführt.“ Viele Schüler hätten zuvor auch Bürgertests gemacht. „Deshalb ist auch den Testzentren zu danken.“ Schulen und Gesundheitsämter arbeiteten zudem reibungslos zusammen. In den meisten Fällen seien Bedenken gegen die Tests durch intensive Gespräche ausgeräumt worden. Probleme ergeben sich laut Uhde, wenn Schüler aus gesundheitlichen Gründen die zugelassenen Tests nicht machen können. Das Schulamt bemühe sich um Lösungen.

„Der Test ist eigentlich gar nicht schlimm“

In einem Duplo-Klotz in der Diemeltalschule in Usseln steht derweil am frühen Mittwochmorgen die Ampulle mit der Testflüssigkeit sicher, in ein Klümpchen Knete kann das Stäbchen des Tupfers nach der Tour durch die Nase standfest gesteckt werden: Kleine Hilfsmittel stehen auf den Tischen der zweiten Klasse bereit, um die Corona-Test vor Beginn des Schultages zu erleichtern. Zum zweiten Mal macht diese Hälfte der Klasse das schon – die Mädchen und Jungen wissen, was zu tun ist.

Die Kinder zählen Schulleiterin Iris Niemeier und Klassenlehrerin Christina Schlenger noch mal alle Schritte des Selbsttests auf und setzen sie dann auch so um: Das Stäbchen am richtigen Ende anpacken, in beiden Nasenlöchern drehen und es sicher abstellen. Die Ampulle öffnen, die Probe darin drücken und bewegen, aber nicht so doll, dass es schäumt. Und dann mindestens vier Tropfen ins runde Loch der Testkassette geben – keine Sorge, wenn es einer zu viel wird.

Celina und Valentino von der Diemeltalschule in Usseln mischen ihren ins Proberöhrchen – und bald sehen sie, ob sie einen sicheren Schultag vor sich haben.

Haben einigen Kindern beim ersten Test vom Reiben in der Nase noch die Augen getränt, bleibt das diesmal aus. „Der Test ist eigentlich gar nicht schlimm“, sagt Celina – die Ankündigung eines Mathe-Tests hatte mehr Murren in der Klasse ausgelöst. Und das war schon sehr leise.

Die Kinder seien im großen und ganzen sehr gut darin, die Selbsttests durchzuführen, befindet Iris Niemeier. Helfer stehen trotzdem bereit, um notfalls bei motorischen Schwierigkeiten zu helfen – direkt an die Kinder heran dürfen sie aber nicht. Zu zweit sind sie für die halbe Klasse jetzt noch, zum Auftakt war ein dritter Helfer dabei. Das Deutsche Rote Kreuz mit Frank Kotthaus hatte Lehrer, Betreuungskräfte und die Teilnehmerin des Freiwilligen Ökologischen Jahres an der Naturparkschule eingewiesen. Im Wechselunterricht sind die Klassen in zwei Gruppen geteilt, die sich jede Woche je zweimal testen.

Alle Eltern an der einzügigen Schule haben ihr Einverständnis zu den Tests gegeben, erläutert Iris Niemeier. Die Alternative wäre Distanz-Unterricht gewesen. Die Schule hatte im Vorfeld mit einem eigenen Elternbrief erklärt, was die Tests beinhalten – inklusive Links zu Videos, um sich den Ablauf mal anzuschauen. Zum Auftakt hätten sie sogar mitkommen dürfen, was aber von den Eltern man nicht für notwendig hielt. „Wir haben hier Eltern, die wir gut erreichen können“, sagt die Schulleiterin – an anderen Schulen in Brennpunkten könne das freilich anders aussehen.

Das Schulamt habe ganz ähnliche Überlegungen gehabt, als sie fragte, ob nicht Tests durch die Eltern zuhause eine Alternative wären: Das würde bestimmt an vielen Schulen klappen – aber nicht überall, was dann unmöglich zu kontrollieren sei.

Größte Sorge der Mütter und Väter sei auch in Usseln, dass einem in der Klasse positiv getesteten Kind „ein Stempel aufgedrückt“ würde. Ein sensibles Thema, weiß Iris Niemeier. Wichtig sei, die richtige Atmosphäre zu schaffen: Sagen, dass alle gemeinsam das hinkriegen werden. „Wir sagen: Das Virus fliegt halt durch die Luft – wenn jemand es hat, dann ist es halt so.“ Für eine Infektion müsse niemand etwas falsch gemacht haben.

Wenn ein Kind positiv getestet werden sollte, werden die Eltern verständigt, dem Gesundheitsamt Bescheid gegeben und ein PCR-Test veranlasst, der das Schnelltest-Ergebnis bestätigen muss. Einer der Helfer geht derweil mit dem Kind raus in den Schulgarten und spielt eine Runde Fußball, bis die Eltern da sind.

„Die Resonanz ist überwiegend positiv“

Etwa 180 Kinder und Jugendliche werden an der Gesamtschule Battenberg seit Montag zweimal pro Woche getestet, und zwar montags und donnerstags. Das hat Alexander Blahnik, Mitglied der Schulleitung, auf Anfrage mitgeteilt. Es handelt sich dabei um die Schüler, die die 5. und 6. Klasse oder die Abschlussklassen besuchen. „Die Resonanz ist überwiegend positiv“, sagt Blahnik. Nur etwa zehn Prozent der Eltern der knapp 800 Schüler hätten den Tests in der Schule widersprochen. Dabei sei unter anderem mit „Verletzungsgefahren“ durch Wattestäbchen und einem „zu starken Eingriff in Grundrechte“ argumentiert worden.

Corona-Test: Auch in der Gesamtschule Battenberg testen sich die Kinder selbst. Im Bild von links: Jana Prinz, Menal Xhigoli und Elisa Holzapfel aus der Klasse G5b.

„Diesen Eltern ist vermutlich nicht klar, dass ihre Kinder damit automatisch in den Distanzunterricht wechseln“, sagt Blahnik. Das habe einen „massiven Extra-Aufwand“ für die Lehrer zur Folge, die diesen Schülern besondere Aufgaben stellen und diese auch kontrollieren müssten. Manchen Eltern sei offenbar auch nicht bewusst, dass sie auch einen externen Corona-Test – beispielsweise aus einer Apotheke – für ihre Kinder vorlegen könnten. Dieser dürfe dann nur nicht älter als 24 Stunden sein.

Auch die Lehrer der Gesamtschule würden regelmäßig auf Corona getestet. „Wir haben uns anfangs professionelle Hilfe beim DRK geholt und sind dafür sehr dankbar“, berichtete Blahnik.

Pilotprojekt half dabei, Situation zu beruhigen

Einen Erfahrungsvorsprung hatte die Alte Landesschule (ALS) in Korbach. Das Gymnasium nahm vor den Osterferien als eine von 21 Schulen in Hessen an einem Pilotprojekt zur Durchführung von Corona-Selbsttests teil (wir berichteten). Die Schülerinnen und Schüler der ALS konnten sich schon damals selbst testen. „Das haben auch die meisten gemacht. Das Pilotprojekt hat uns dabei geholfen, die ganze Situation rund um die Tests an unserer Schule zu beruhigen“, berichtet ALS-Schulleiter Christoph Aßmann. Auch die eine oder andere Abwehrhaltung sei so verschwunden.

Der Schulleiter teilt zudem mit, dass sich auch einige Kolleginnen und Kollegen nach der Pilotphase bei ihm gemeldet hätten, um an den Erfahrungen teilhaben zu können. „Das hat mich gefreut, ich habe gerne Auskunft gegeben.“

Aßmann nennt neben der Pilotphase noch einen weiteren Grund, warum die Umsetzung der Tests an der ALS etwas leichter gewesen sei: Wegen des Wechsels zu G9 finden am Korbacher Gymnasium dieses Jahr keine Abi-Prüfungen statt. „Der Organisationsaufwand ist bei uns daher nicht so groß wie an anderen Schulen, an denen sich aktuell mehr Schüler befinden.“

Hintergrund: Tests sind kostenlos

Die kostenlosen und freiwilligen Corona-Antigenselbsttests werden in den Schulen zwei Mal pro Woche durchgeführt. Nur Negativ-Getestete dürfen in der Schule unterrichtet werden. Für Personen, die den Test ablehnen, gilt Distanzunterricht.

Der Test kann in der Schule vor Unterrichtsbeginn gemacht werden. Diesen Weg empfiehlt auch das Hessische Kultusministerium – schließlich seien die Tests in der Schule völlig unkompliziert. Mit mehr Aufwand verbunden seien die sogenannten „Bürgertests“, die von den Schülerinnen und Schülern auch wahrgenommen werden können. Diese werden in einer der Teststellen (corona-test-hessen.de oder landkreis-waldeck-frankenberg.de/kostenlostesten) gemacht – der Negativ-Nachweis muss der Schule vorgelegt werden.

Mit Blick auf die Bürgertests sagt Stephan Uhde, Leiter des Staatlichen Schulamtes: „Die Coronavirus-Testverordnung sagt aus, dass die Testungen im Rahmen der Verfügbarkeit von Testkapazitäten mindestens einmal pro Woche in Anspruch genommen werden können. Das bedeutet, dass der Bürgertest auch zweimal pro Woche durchgeführt werden kann. Leider mit der Einschränkung, dass das jeweilige Testzentrum dies auch leisten kann.“ Zur Frage, ob dann auch der zweite Bürgertest für die Schülerinnen und Schüler kostenlos sei, sagt Uhde: „Natürlich stehen auch die schulischen Tests für den zweiten wöchentlichen Test kostenfrei zur Verfügung.“

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