Noch ist unklar, wann wieder Schweine nach Rheda-Wiedenbrück geliefert werden können

Tönnies-Stopp trifft auch Landwirte in Waldeck-Frankenberg

Mehr als 1500 Mitarbeiter des Schlachtbetriebs Tönnies sind mit dem Coronavirus infiziert, die Produktion in Rheda-Wiedenbrück steht still. Davon sind auch Landwirte in Waldeck-Frankenberg betroffen, die ihre Schweine sonst regelmäßig an Tönnies liefern.

Einer von ihnen ist Jochen Hage aus Neudorf. 1990 Mastplätze hat der Familienbetrieb, etwa alle 14 Tage sind 170 Schweine schlachtreif und werden abgeholt. Für vergangenen Mittwoch hatte er wieder Tiere bei Tönnies angemeldet, berichtet der Landwirt. Allerdings sei an diesem Tag nichts mehr angenommen worden. Zwei Tage später sei dann der Anruf gekommen, dass die Schweine am Mittag geholt würden. Diese seien zum Standort in Sachsen-Anhalt gebracht worden. Allerdings: Mit jedem Tag Verzögerung werden die Tiere schwerer, für die Verarbeitung gibt es indes bestimmte Maße, die erfüllt sein müssen. „Sonst gibt es Abzüge für die Landwirte“, so Hage. Erste Anzeichen gebe es aber bereits, dass diese Regel in der aktuellen Phase aufgeweicht werde.

Tönnies sei vertraglich verpflichtet, die Schweine abzunehmen, sagt der Neudorfer. Es sei denn, es gebe einen Härtefall – wie derzeit. Doch die Schlachtindustrie halte zusammen, sagt er. Die Tiere würden auf viele andere Schlachthöfe verteilt. Dennoch gebe es bereits einen leichten Rückstau. Für den 2. Juli habe er die nächsten Tiere angemeldet. Er hofft, dass sie geholt werden.

Stamm-Kunden zuerst, Warteliste für alle anderen

Viele Betriebe seien es nicht im Landkreis, die an Tönnies liefern, sagt Kreislandwirt Martin Vollbracht. Allerdings: Die größeren seien dabei. Und wie werden die Tiere, die sonst nach Rheda geliefert werden, nun vermarktet, wo werden sie geschlachtet? Ein paar Anfragen von hiesigen Landwirten habe es bereits gegeben, sagt Dirk Blettenberg, Geschäftsführer der Genossenschaft Landwirtschaftliche Vieh- und Fleischvermarktung Nordhessen mit Schlachthof in Mengeringhausen. Bisher halte sich die Nachfrage aber in Grenzen. Zunächst würden die Stamm-Landwirte, die auch bisher Kunden gewesen seien, ihre Schweine bringen können. Alle anderen kommen auf eine Warteliste. Dennoch wolle man auch diesen Landwirten helen – wenn es der Markt her gebe.

Aktuell sei viel Bewegung im Markt, der sich noch sortiere, so Blettenberg. Andere große Fleischverarbeiter würden versuchen, ihre Kapazitäten aufzustocken. Doch ob das gelinge, sei fraglich. Insgesamt sei es damit auch für Schweinemastbetriebe aus der Region schwierig, die Tiere loszuwerden.

Mehr Tierwohl wollen auch Landwirte

In Mengeringhausen wird für den Regionalbedarf geschlachtet, sagt der Geschäftsführer, es würden aber auch Schweine zu anderen Schlachthöfen gefahren. Nicht zu Tönnies, dafür aber beispielsweise zu Westfleisch.

Im Mengeringhäuser Schlachthof werden pro Jahr rund 8000 Schweine und 600 Rinder verarbeitet. Bei Tönnies, Deutschlands größtem Schlachtbetrieb, sind es zuletzt pro Jahr gut 17 Millionen Schweine gewesen.

Landwirt Jochen Hage macht sich Sorgen um die Zukunft der Tierhaltung. Die Anforderungen beim Tierwohl steigen weiter „und das wollen auch die Landwirte“, betont er. Aber dann müsse der Preis auch steigen. „Der Verbraucher muss mehr zahlen.“ 

Rubriklistenbild: © dpa

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