Plus von bis zu 120 Prozent – Qualität der Kleidung zumeist schlechter

Während Corona: Tonnenweise mehr Altkleider in Waldeck-Frankenberg gespendet

Container Altkleider Sammlung DRK Deutsches Rotes Kreuz Mann mit Tüte
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Zeit zum Ausmisten: In der Corona-Zeit haben viele Menschen Kleiderschränke ausgemistet und gebrauchte Kleidung in Altkleider-Container gebracht. 

Die Corona-Zwangspause wurde im Landkreis von vielen zum Ausmisten des Kleiderschranks genutzt, wie eine stichprobenartige Befragung zeigt. Die in den Containern des DRK und der Malteser gesammelte Menge ist teils um mehr als 100 Prozent im Jahresvergleich gestiegen.

Alle Organisationen seien bemüht, Container regelmäßig zu leeren, doch bei den Kapazitäten zur Lagerung und zur Sortierung von Alttextilien stoße man an Grenzen, hatte der Verband „Fairwertung“ bereits vor einigen Wochen gesagt. So dramatisch stellt sich die Lage in Waldeck-Frankenberg nicht dar. Doch: „Insgesamt merken wir natürlich auch den Trend, aufgrund der vermehrten „Freizeit“ den Kleiderschrank aufzuräumen“, sagt Jürgen Werner vom DRK Bad Wildungen.

Im Februar 2019 waren noch 6650 Kilogramm Altkleider in den Containern in Bad Wildungen, Edertal und Waldeck registriert worden, im Februar 2020 waren es dann 14 566 Kilo. Eine Steigerung von 119 Prozent, so Werner. Im Jahresvergleich von März 2019 und 2020 war es ein Plus von 117 Prozent, im Mai-Vergleich 119 Prozent.

Doch das Problem der Lagerung stellt sich dem DRK nicht: „Wir haben mit unserem Vertragspartner einen Rahmenvertrag über den DRK Landesverband Hessen geschlossen, in dem keine Höchstmenge festgeschrieben ist. Somit stellt sich das Problem für uns nicht“, sagt Jürgen Werner. Doch er vermutet, dass der Preis langfristig bei sehr hohem Angebot nachgeben werde. „Aber irgendwann sind alle Kleiderschränke leer und die Menge spielt sich wieder ein.“

Auch das DRK Frankenberg hat im ersten Halbjahr ein erhöhtes Spendenaufkommen festgestellt, sagt Christian Peter. Es seien etwa zehn Prozent oder fünf Tonnen mehr als im Vorjahreszeitraum gewesen.

„Viel Billigware, die nach einer Saison weggeworfen wird“

Dies hänge mit dem Ausmisten zusammen, aber auch damit, dass alle Läden – auch die Kleiderläden – geschlossen waren. „An unsere Grenzen sind wir nicht gestoßen, obwohl die Logistik in dieser Zeit nicht immer reibungslos lief, da die Speditionen auch unter den Beschränkungen der Corona-Pandemie gelitten haben.“ Das DRK Frankenberg leere die Container mit eigenem Personal, daher sei es nicht zu überquellenden Containern gekommen.

Der Malteser Hilfsdienst, der drei Container im Landkreis hat, spricht ebenfalls von einem erhöhten Aufkommen an Altkleidern. Für Waldeck-Frankenberg würden aber keine genauen Zahlen vorliegen, sagt Michael Brilmayer, Referent für Altkleider. Die Zwischenlager würden sich füllen, die Preise an den Märkten fallen.

Die Qualität der abgegebenen Kleidung bewerten die Sammler unterschiedliche. Eine Verschlechterung könne man nicht unbedingt bestätigen, sagt Jürgen Werner aus Wildungen. Die Abnehmerfirma habe sich nicht beschwert. „Bisher wird und wurde die gesammelte Kleidung ohne Einschränkung oder Preisabzug abgenommen.“ Christian Peter aus Frankenberg sagt hingegen, unabhängig von der Pandemie habe die Qualität der Kleidung stark abgenommen. „Es gibt viel Billigware, die nach einer Saison weggeworfen wird. Das Potenzial für eine direkte Wiederverwertung ist dadurch schon geringer geworden.“ Diese Ware könne man zwar absetzen, „jedoch zu einem deutlich niedrigeren Erlös als in den Vorjahren.“

Auch Michael Brilmayer sagt, dass viel Kleidung schlechter Qualität in die Container geworfen werde. „Diese ist nicht mehr brauchbar.“ Sie werde sortiert und entsorgt, was einen „Mehraufwand und zusätzlichen Kostenfaktor“ bedeute.

Hilfe bei der Finanzierung der sozialen Arbeit

Die Kleiderspenden helfen dabei, „unsere sozialen Dienste zu finanzieren“, sagt der Malteser Hilfsdienst. Das DRK kann nach eigenen Angaben jedes Jahr mehr als eine Million Menschen mit gut erhaltener Kleidung versorgen. Durch Überschüsse aus dem Verkauf würden zudem Mittel für zahlreiche soziale Projekte generiert.

Die Einnahmen seien eine wichtige Quelle zur Finanzierung der Arbeit des Roten Kreuzes. „Doch wenn die Preise im Keller sind, können die Partner, die für uns das Sammeln und den Handel übernehmen, nicht überleben,“ heißt es beim Malteser Hilfsdienst. Sie appellieren, keine Säcke neben volle Container zu stellen, sondern einige Wochen später noch einmal wiederzukommen.

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