Urlaub mit Test, Luca und Hygiene

Tourismus in der Pandemie: Modellversuch für Waldeck-Frankenberg beantragt

Tourismus geht auch in der Pandemie – nicht nur in der freien Natur: In einer Modellregion wollen Kreis und Willingen zeigen, was in Betrieben möglich ist.
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Tourismus geht auch in der Pandemie – nicht nur in der freien Natur: In einer Modellregion wollen Kreis und Willingen zeigen, was in Betrieben möglich ist.

Wie „Sicherer Urlaub in Waldeck-Frankenberg“ trotz Pandemie funktionieren könnten, soll in einem Modellversuch erprobt werden, den Landkreis und Gemeinde Willingen beim Land beantragt haben.

  • Einen Modellversuch zum Tourismus in der Pandemie haben der Landkreis Waldeck-Frankenberg und die Gemeinde Willingen beim Land beantragt.
  • Neben den im Sommer bewährten Schutzkonzepten sind eine Corona-Test-Strategie und die „Luca App“ entscheidende Faktoren.
  • Auch in der Willinger Wirtschaft wurde schon über das Thema gesprochen: Dabei gab es konstruktive Vorschläge und Fragen nach der Wirtschaftlichkeit im Vergleich zum Tübinger Modell.

Waldeck-Frankenberg – „Es wird Zeit, nach vorne zu schauen und den Menschen in der Gastronomie, dem Beherbergungsgewerbe und der Tourismusbranche wieder eine Perspektive aufzuzeigen“, erläutert der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese die Initiative „Sicherer Urlaub in Waldeck-Frankenberg“. Beim Land Hessen hat er gemeinsam mit dem Willinger Bürgermeister Thomas Trachte einen Antrag auf Anerkennung eines Modellversuchs gestellt.

Kreative Konzepte zu entwickeln funktioniere vor allem von der Basis her: Auf der kommunalen Ebene, wo die Verhältnisse vor Ort genau bekannt seien und ein enger Austausch mit den Betroffenen herrsche. In einem Schreiben an Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Staatsminister Kai Klose wirbt der Gesundheitsdezernent für die Pläne, die er in einer zweimonatigen Testphase zwischen Mitte April und Mitte Juni erproben möchte.

„Der Landkreis Waldeck-Frankenberg gehört mit den Naturparks Diemelsee und Kellerwald-Edersee und den darin verankerten Schwerpunktregionen Willingen, Diemelsee, Edersee, Bad Arolsen mit Twistesee sowie Bad Wildungen zu den Tourismus-Schwerpunkten in Hessen“, betont der Erste Kreisbeigeordnete. Es gehe darum, tausende von Arbeitsplätzen zu sichern. Auch der Einzelhandel leide unter dem Ausbleiben der Gäste.

Modellversuch: Tourismus in Waldeck-Frankenberg mit Hygienekonzepten, Luca App und Tests

Im Sommer seien im Bereich des Tourismus positive Erfahrungen gesammelt worden, als viele Betriebe auf der Grundlage von detaillierten, mit dem Fachdienst Gesundheit abgestimmten Hygiene- und Schutzkonzepten öffneten. Der Modellversuch fange also nicht bei null an. Er werde nachweisen, dass Beherbergungsbranche, Gastronomie und Freizeitbetriebe öffnen könnten, ohne dass sich dies negativ auf das Infektionsgeschehen auswirke.

Um dies zu erreichen, wurden ein Katalog von Schutzmaßnahmen und eine gezielte Teststrategie entwickelt. So ist etwa vorgesehen, dass in den Modellversuch integrierte Betriebe maximal 75 Prozent ihrer Kapazitäten nutzen dürfen – bei strikter Beachtung der Corona-Verordnungen. Kritische Bereiche wie Saunen oder Schwimmbäder sollten nicht genutzt werden. Ebenso soll es keine Tanz- oder Großveranstaltungen geben.

Einchecken per QR-Code: Die Luca-App ermöglicht eine verschlüsselte digitale Kontaktnachverfolgung per Smartphone. Landkreis, Gemeinde und Gastronomie in Willingen unterstützen die digitale Infektions-Schutzfunktion.

Auch eine verbindliche Nutzung der „Luca App“ ist vorgesehen, die im Kreis eingeführt wurde. Im Rahmen der Teststrategie sollen die Gäste bei der Anreise einen negativen Test vorlegen, der nicht älter als 24 Stunden sein darf. In allen teilnehmenden Betrieben soll es zudem die Möglichkeit von Selbsttests geben. Zusätzliche Teststellen im öffentlichen Bereich wie etwa Apotheken und Arztpraxen sind Teil des Konzepts. Mitarbeitende der Gastronomie, Hotellerie und Freizeiteinrichtungen sollen sich alle drei Tage einem Schnelltest unterziehen.

Tourismus-Modellversuch in Waldeck-Frankenberg als mögliche Grundlage für weitere Öffnungen

„Mit der Durchführung des Modellversuchs wird auch eine intensive Kontaktnachverfolgung sowie eine Überwachung der Rahmenbedingungen und die Dokumentation und Kommunikation der gewonnenen Erkenntnisse verbunden sein“, versichert der Erste Kreisbeigeordnete weiter. Ein ausführlicher Abschlussbericht für das Konzept könne dann die Grundlage für weitere Öffnungsangebote auch in anderen Regionen des Landes darstellen.

Frese appelliert an die Hessische Landesregierung, der gebeutelten Tourismusbranche und dem Einzelhandel eine Perspektive zu eröffnen. Die Menschen könnten den Sinn von Verboten und Einschränkungen nicht mehr nachvollziehen. Sie brauchten Hoffnung und Ziele, für die es sich zu arbeiten lohne. Es sei jetzt Aufgabe der Politik, unmissverständliche und motivierende Zeichen für die Zukunft zu setzen.

Idee für Modellversuch zu Tourismus und Corona in Willingen schnell aufgegriffen und diskutiert

Bei einem Wirtschaftstreffen in Willingen hatte Bürgermeister Thomas Trachte bereits von Ideen für einen Modellversuch für Tourismus in der Pandemie berichtet: Wie der Kreis habe die Gemeinde sich Montag sofort beim Land gemeldet, als dieses die Möglichkeit einräumte, und dann mit dem Kreis zusammen weiter gearbeitet.

Um als Modellregion Erfolg zu haben, benötige es umfangreicher Tests, Registration und schneller IT-gestützter Kontaktverfolgung. Mit einem Test könnten Gäste alle geöffneten Angebote fünf Tage nutzen, zudem stehen zentrale Teststellen zur Verfügung: Samstags dank des DRK im Besucherzentrum, in der Woche bei Apotheken und Ärzten. Thomas Trachte warnte derweil vor Euphorie: Eine Modellregion bedeute strikte Auflagen, die getestet werden. Letztendlich sei das Impfen die einzige Hoffnung.

Auch im Modellprojekt müsse sichergestellt werden, dass die Betriebe wirtschaftlich arbeiten können. Aus der Versammlung gab es Zustimmung: Natalie Rummel von der Freizeitwelt Willingen verwies etwa darauf, dass das „Tübinger Modell“ mit seinem hohen Maß an Tests längst nicht alle Unternehmer überzeuge. Neue Testpflichten, wo bislang keine herrschen, könnten das auch ein Rückschritt sein. „Aber wenn Gäste mit negativen Test nach Willingen kommen dürfen, sind wir alle schon viel weiter.“

Wie es mit einer Verbindung von Testzentrum und „Luca“ aussehe, durch welche die App Testresultate nachweisen kann, wollte Hotelleiterin Stefanie Göbel wissen. Willingen habe da keinen Einfluss drauf, erklärt Tourismus-Manager Norbert Lopatta, aber da werde dran gearbeitet.

Familienurlauber haben in Willingen einen Teil der durch die beiden Lockdowns, abgesagte Veranstaltungen und entfallenen Clubtourismus fehlen Übernachtungen aufgefangen. Die Erfahrungen aus dem Sommer 2020 sollen auch dieses Jahr helfen.

Schutzmaßnahmen und eine umsetzbare Teststrategie seien das Ziel, so Thomas Trachte. Er hält daran fest: „Tourismus und Gesundheitsschutz sehen wir als vereinbare Dinge an.“

Wie der Urlaub in der Modellregion Waldeck-Frankenberg aussähe

„Wichtig ist, dass eine solche Teststrategie wirtschaftlich, rechtlich und organisatorisch durchführbar ist“, betont Trachte. Darum ist es für Urlauber verpflichtend, das Testergebnis bei Anreise mitzubringen. Auch bei reduzierter Belegung der Hotels seien bei einer Wochenendanreise selbst mehrere Testcenter nicht ausreichend, um eine zügige Abwicklung gewährleisten zu können.

Das Registrieren und Nachverfolgen gewährleistet die Luca App. In den Hotels, Restaurants und allen Indoor-Freizeitangeboten registrieren sich die Gäste mittels QR Code. So steht ein zuverlässiges und schnelles System bereit, das bei Bedarf von der Anreise bis zur Abreise lückenlos Auskunft gibt. Auf der Basis dieser Daten soll ein Monitoring entstehen, das alle Maßnahmen und deren Wirkung analysiert, Verbesserungen erarbeitet und wissenschaftliche Erkenntnisse liefert.

Weitere Eckpunkt des Infektionsschutzes sind Besucherreduzierung, das Tragen von Masken, umfangreiches Desinfizieren, Schließung kritischer Infrastruktur wie Saunen oder Bäder, der Ausschluss von Veranstaltungen und Gruppenreisen. „Geprüfte und bereits bewährte Hygienekonzepte sind bei allen Unternehmen vorhanden“, betont Tourismusmanager Norbert Lopatta. „Die Einhaltung wird streng und zuverlässig kontrolliert.“

Die Bewerbung des Kreises Waldeck-Frankenberg ist nur eine von vielen. Dennoch sind die Akteure optimistisch. Während die meisten Regionen Konzepte für ihre Einzelhandelsstandorte vorlegen, geht es in Willingen um Übernachtungs- und Tagestourismus. Gastgeber, Gastronomie, Freizeitinfrastruktur, Kur und sportliche Angebote werden mit einbezogen. Dieses Gesamtpaket soll nach den langen Monaten des Lockdown Gästen wie auch Einheimischen das Leben erleichtern – eine Perspektive, die die Menschen dringend benötigen. (red/wf)

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