Beerdigungskultur im Wandel

Der Trend geht klar zur Urnenbestattung

Große Nachfrage herrscht im Landkreis Waldeck-Frankenberg nach Bestattungen in der Urnenwand. Für die Angehörigen entsteht kein Pflegeaufwand, schildert Jochen Seelinger von der Friedhofsverwaltung Frankenberg (Foto). In einem Bereich im Zentrum können sie Blumen, Kerzen und Figuren zum Gedenken abstellen.  Foto: Biedenbach

Von Martina Biedenbach Waldeck-Frankenberg. Ein großer Wandel hat in den vergangenen 15 Jahren bei der Beerdigungskultur stattgefunden. Der Trend geht immer mehr zur Feuerbestattung. In Frankenberg waren beispielsweise im Jahr 2000 noch 75 Prozent aller Bestattungen Erdbestattungen und nur 25 Prozent Urnenbestattungen. Heute dominiert die Urnenbestattung mit zirka 60 Prozent.

Diesen Trend bestätigen auch andere Mittelzentren in Waldeck-Frankenberg auf Anfrage unserer Zeitung. In Bad Wildungen liegt der Anteil der Urnenbestattung derzeit bei 66 Prozent, in Korbach bei 67 Prozent und in Bad Arolsen bei 68 Prozent. Das Krematorium in Rhoden ist mit 8000 Einäscherungen pro Jahr an seine Belastungsgrenze angelangt, es soll mit einem Anbau von einer Million Euro erweitert werden. Nach einer mehrstelligen Grabstätte für Erdbestattungen – zum Beispiel Doppelgrab – wird in den Kommunen kaum noch gefragt. „Auch die vorgesehene Zweitbelegung einer mehrstelligen Grabstätte findet immer öfter mit einer Urne statt“, teilt etwa die Stadtverwaltung Bad Wildungen mit. Hinzu komme, dass immer mehr Menschen Anträge stellen, die Grabstellen einzueben – auch wenn Ruhefrist und Nutzungsrecht noch nicht abgelaufen seien. „Leider müssen wir auch vermehrt Nutzungsberechtigte von Grabstätten an die Grabpflege erinnern.“ stellt die Bad Wildunger Verwaltung fest. Ein weiterer Trend ist laut den Kommunen die anonyme oder zumindest pflegefreie Urnenbestattung – etwa Rasengräber oder Urnenwände. Für den Wandel gibt es mehrere Ursachen, wie Bestatter Markus Fuß (Korbach und Löhlbach) erläutert. „Angehörige leben nicht mehr vor Ort, das erschwert die Grabpflege. Urnengräber sind kostengünstiger. Und unsere schnelllebige Zeit macht auch vor der Trauerkultur keinen Halt“, bedauert er im Interview mit unserer Zeitung.

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