Zweieinhalb Jahre Freiheitsstrafe

Urologe wegen sexueller Übergriffe auf Mitarbeiterinnen verurteilt

Waldeck-Frankenberg. Wegen sexueller Übergriffe auf seine Mitarbeiterinnen ist ein Urologe aus Waldeck-Frankenberg zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Wegen sexueller Übergriffe auf seine Angestellten hat das Korbacher Amtsgericht einen Urologen aus dem Landkreis zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der 68-Jährige räumte die ihm vorgeworfenen Taten im vollen Umfang ein. Vier Mitarbeiterinnen waren von sexueller Belästigung, Nötigung oder Missbrauch betroffen – zwei davon waren Auszubildende und zum Tatzeitpunkt 17 und 18 Jahre alt.

Einige der Taten liefen nach dem gleichen Muster ab: Er forderte neue Angestellte zu einer körperlichen Untersuchung auf, berührte sie dann ohne medizinischen Grund etwa an Brüsten oder Hintern. Seine Vertrauensstellung als Arzt und Arbeitgeber habe er dabei schwerstens missbraucht, erklärte die Staatsanwältin: „Wenn er sagt, er muss mich untersuchen, wird das schon so stimmen“, beschrieb sie den Gedanken, mit denen die Frauen in die Situation gelockt wurden, bevor er sie mit seinen Berührungen überrumpelte. Wenn er ihnen dann die Hose runterzog oder Bemerkungen machte, dass er ihre „Eierstöcke von innen untersuchen“ wolle, seien sie quasi aufgewacht und hätten sich entfernt. Auch in anderen Situationen nutzte er es aus, wenn Mitarbeiterinnen allein mit ihm in der Praxis waren.

„Es tut mir leid, dass es so gekommen ist und ich kann mich nur bei den Damen entschuldigen“, erklärte der Arzt. Als Ursache machte er auf Nachfrage des Richters Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling aus, gestresst gewesen zu sein. Ob er je überlegt habe, eine Therapie anzutreten, wollte die Staatsanwältin wissen – jetzt schon, sagte er.

Das Geständnis wurde ihm angerechnet, kam dem Gericht aber zu spät: Im November 2018 wurden Praxis und Privaträume durchsucht. „Er hätte da schon allen Anlass gehabt, darüber nachzudenken, ob er ein Geständnis ablegt oder nicht, ob er eine Therapie antritt oder nicht”, so der Richter. Auch seine Entschuldigung wirke auf das Gericht mehr wie ein „Lippenbekenntnis.“ 

Mit der Haftstrafe von zweieinhalb Jahren ging das Schöffengericht über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren beantragt, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt werden könnte: „Wir haben relative Sicherheit, dass er nicht wieder strafrechtlich in Erscheinung tritt“, befand sie. 6000 Euro für die Opferhilfe in Kassel und eine Therapie sollten Auflagen werden. 

Der Verteidiger hatte für eine Strafe unter zwei jahren plädiert: „Allein Verfahren, Außendarstellung und Wirkung sind für ihn eine Katastrophe.“ Tatsächlich läuft parallel ein Verfahren bei der Ärztekammer, die Approbation werde dem Mann mit Sicherheit entzogen, so die Staatsanwältin. Seine Praxis will der Urologe schon länger schließen.

„Die Frauen in der Anklage sind nicht die Einzigen, die sich über ihr Verhalten beschwert haben“, erklärte die Staatsanwältin. Ursprünglich waren 28 Zeugen über drei Verhandlungstage geladen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Rubriklistenbild: © Wilhelm Figge

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