Kliniken gewährleisten Versorgung weiterhin

In weniger als 30 Minuten zur Fachklinik: Urteil ohne Folgen für Schlaganfall-Patienten

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Waldeck-Frankenberg. Ein Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) Kassel hat bei vielen Krankenhäusern auf dem Land für Alarm gesorgt.

Es geht um die Auslegung der Frist, innerhalb derer Patienten von einer regionalen Klinik mit Schlaganfall-Abteilung in eine übergeordnete Spezialklinik verlegt werden.

Bisher durfte die Transportzeit von einem Krankenhaus in eine Spezialklinik – zum Beispiel vom Kreiskrankenhaus Frankenberg nach Kassel oder Marburg – nicht länger als 30 Minuten dauern. Beide Spezialkliniken verfügen über eine Neurochirurgie oder Neuroradiologie. Nach Auslegung des BSG ist die 30-Minuten-Frist enger gefasst. Gemäß dieser darf zwischen der Entscheidung des Arztes zur Verlegung des Schlaganfall-Patienten bis zu dessen Übergabe an die Spezialklinik nur eine halbe Stunde vergehen.

Viele regionale Kliniken können diese Vorgabe unmöglich erfüllen. Die gute Nachricht: Die Versorgung der Schlaganfall-Patienten in Waldeck-Frankenberg ist gesichert. „Das Urteil des Bundessozialgerichts hat für das Schlaganfall-Konzept im Kreiskrankenhaus Frankenberg keine direkten Folgen“, sagt Chefärztin Elisabeth Pryss. „Die Versorgung der Patienten ist jederzeit gewährleistet.“ Der Transport per Hubschrauber ins Klinikum Kassel oder ins Universitätsklinikum Marburg liege zu jeder Tages- und Nachtzeit unter 30 Minuten. Auch das Stadtkrankenhaus Korbach sieht sich durch das Urteil nicht beeinträchtigt.

Andere Kliniken haben nun aber ein Problem, sie dürfen Schlaganfall-Komplexbehandlungen künftig nicht mehr abrechnen und Krankenkassen stellen Rückforderungen. Im schlimmsten Fall könnten sich Krankenhäuser aus der Schlaganfallversorgung zurückziehen. Denn ihnen gehen Gelder verloren, die viele für die Aufrechterhaltung ihrer personellen und medizintechnischen Standards benötigen. 

Von Christina Zapf

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