Auf 7400 Schüler im Schulamtsbezirk kommt ein Therapeut

Verband fordert mehr Schulpsychologen

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Wenn es in der Schule kriselt, ist professionelle Hilfe gefragt. Doch es fehlen entsprechende Fachleute.

Waldeck-Frankenberg. Mobbing, Ängste, Leistungstiefs: Wenn es in der Schule kriselt, ist professionelle Hilfe gefragt. Doch auf rund 7400 Schüler in Waldeck-Frankenberg und dem Schwalm-Eder-Kreis kommt nur ein Schulpsychologe. Geht es nach dem Bundesverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), ist das deutlich zu wenig.

Derzeit beschäftigt das Staatliche Schulamt in Fritzlar für die 136 Schulen in den beiden Landkreisen neun Schulpsychologen, die sich 6,08 Stellen teilen. Der BDP verweist auf eine Empfehlung der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 1973: Nach der sollte für etwa 5000 Schüler ein Schulpsychologe zur Verfügung stehen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert sogar für nur 1000 Schüler eine psychologische Fachkraft.

Bundesweit sieht die Realität an den Schulen anders aus: Im Schnitt kommt ein Psychologe auf 8900 Schüler. Die Empfehlung von 1973 erreicht kein Bundesland. Hessen erfüllt sie laut BDP nur zu 63 Prozent. „Wir können in den letzten Jahren zwar einen leichten Anstieg feststellen, sind aber weit von einer vertretbaren Versorgung der Schulen entfernt“, kritisiert Stefan Drewes vom BDP.

„Über Arbeitsmangel müssen sich unsere Schulpsychologen nicht beklagen, aber die Aufgabe ist zu bewältigen“, sagt hingegen Schulamtsleiterin Waltraud Credé. In einem Flyer weist die Behörde allerdings darauf hin, dass Wartezeiten nicht zu vermeiden seien.

Vor dem Hintergrund von Flucht und Zuwanderung habe das Land Hessen außerdem aktuell das Netz der Schulpsychologen enger gestrickt, sagt Credé. Für die Integration von Flüchtlingskindern sei im Schulamt Fritzlar bereits eine zusätzliche halbe Stelle eingerichtet worden, das Team solle demnächst noch um eine weitere halbe Stelle aufgestockt werden, so die Schulamtsleiterin.

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