59-jähriger wegen sexueller Nötigung angeklagt

Verging sich Küchenchef an Personal?

Bad Wildungen - Wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung steht ein 59-jähriger Bad Wildunger vor dem Kasseler Amtsgericht.

Der ehemalige Küchenchef eines Gesundheitszentrums in der Badestadt soll zwei Service-Mitarbeiterinnen bedrängt haben. Er bestreitet die Vorwürfe. Beide Vorfälle liegen mehrere Jahre zurück, die Angestellten zögerten damit, sich zu melden.

Im ersten Fall soll er nach seiner Geburtstagsfeier im Jahr 2009 einer 36-jährigen Wildungerin in den Ruheraum gefolgt sein, in dem sie sich zwischen zwei Schichten ausruhen wollte. Da die Zeugin den ersten Prozesstag nicht wahrnehmen konnte, war das Gericht auf die Aussagen von Kollegen angewiesen, denen sie ihre Vorwürfe letztlich schilderte: Demnach hat der Angeklagte ihr die Zunge in den Mund gesteckt, ihre Brüste begrapscht, sie Richtung Bett gedrängt und ihr in die Hose gefasst. Sie entkam durch ein Fenster.

Der zweite Fall soll sich 2010 abgespielt haben: Eine heute in Frankfurt lebende 38-Jährige berichtete, auf dem Rückweg aus dem Keller gewesen zu sein, als der Angeklagte zu ihr in den Aufzug kam und sie zu sich heran gezogen habe. Gegen ihre Proteste habe er versucht, ihren Brustbereich zu küssen. Als sich die Aufzugtüren öffneten, sei sie geflohen und habe sich versteckt.

Bereits zuvor habe der Mann sich ihr gegenüber ungebührlich verhalten: Vor allem durch „Späßchen“, die sie meist ignorierte. Am aufdringlichsten sei seine Forderung gewesen, ihn doch mal zu sich nach Hause einzuladen - da würde er ihr zeigen, „was ein richtiger Mann ist“. Laut Kolleginnen hätte der damals in ihrer Nachbarschaft lebende Mann sie zudem beobachtet. Die anderen Frauen des Serviceteams klagten über massives Mobbing durch den Küchenchef: Regelmäßig habe er sie vulgär beschimpft und frauenverachtende Sätze geäußert.

Damaliger Chef soll Vorwürfe ignoriert - und selbst belästigt haben

Bis die Vorwürfe ans Licht kamen, hat es Jahre gedauert: Die 36-Jährige hat sich ihrer polizeilichen Vernehmung zufolge zwar an den damaligen Verwaltungschef gewandt - der habe aber die Füße auf den Tisch gelegt und sie aufgefordert, sich zuerst „bei ihm erkenntlich zu zeigen“. Der Mann ist selbst wegen sexueller Belästigung angeklagt.

Die andere Hauptzeugin wandte sich an eine Vertrauensperson im Betrieb, wollte zunächst aber nicht klagen: „Ich habe Angst gehabt, dass mir niemand glaubt“, erklärt die 38-Jährige - da die alleinerziehende Mutter damals noch keine Aufenthaltsgenehmigung hatte, fürchtete sie um ihren Job.

Der derzeitige Verwaltungschef, Polizei und Staatsanwaltschaft erfuhren erst 2013 von den Vorwürfen. Wegen der Mobbingbeschwerden der Service-Frauen hatten Vorgesetzte den Küchenchef zum Gespräch gebeten. Später wollte er von den Frauen wissen, wer genau über ihn gesprochen hätte und beschuldigte die beiden vermeintlichen Opfer, ihm sexuelle Avancen gemacht zu haben.

Als die damalige Serviceleitung der 36-Jährigen von diesen Äußerungen berichtete, sei sie zusammengebrochen. Ihre Kolleginnen hätten sie ermuntern müssen, die Geschichte zu teilen. Sie machte auch auf die Vorhaltungen ihrer 38-jährigen Kollegin aufmerksam, die nicht mehr im Betrieb arbeitete. Dem Küchenchef hat das Kurhotel mittlerweile wegen der Vorwürfe und des Mobbings fristlos gekündigt.

Der 59-Jährige ist nicht vorbestraft, ob Alkohol im Spiel war, steht nicht fest. Bei seinen Vorgesetzten beklagte er sich über Überforderung, Mobbing und anhaltende Konflikte wegen Hygiene und Arbeitsaufteilung. Bevor das Gericht ein Urteil fällt, erwartet es noch die Aussagen der 36-jährigen Servicekraft und des ehemaligen Verwaltungschefs.(wf)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare