Neukirchen: THW und Polizei entdecken Leichen in der Brandruine

Vermisste Kinder tot gefunden - Video

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Lichtenfels-Neukirchen - Technisches Hilfswerk und Polizei haben am Dienstagnachmittag die Leichen der beiden fünf und zehn Jahre alten Schwestern gefunden. Beide seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, heißt es. 42 Helfer von fünf THW-Stützpunkten aus Hessen suchten über Stunden gemeinsam mit den Ermittlern der Polizei in der Brandruine in Lichtenfels-Neukirchen nach den vermissten Mädchen, die bei dem Feuer in der Nacht zum Montag ums Leben kamen.

Beide Kinder wurden gegen 15.30 Uhr gemeinsam in einem Zimmer im Obergeschoss auf der rückliegenden Seite des Hauses gefunden. Höhenretter des Technischen Hilfswerks hatten bereits am Montagnachmittag zwei Frauenleichen aus dem linken Obergeschoss der zerstörten Gaststätte geborgen. Dabei handelte es sich um die Tanten der Mädchen.

Über Stunden hatten die Einsatzkräfte am Dienstag Eimer für Eimer Mengen von Schutt weggeräumt. Akribisch wurden die Brandreste nach Spuren der Mädchen durchsucht und dann abtransportiert. Bis zum frühen Nachmittag hatten sie Keller, Erdgeschoss und sieben Räume im Obergeschoss durchsucht, die Kinder aber nicht gefunden. Die Suche wurde anschließend im Treppenhaus fortgesetzt, das komplett eingestürzt war. Die Trümmer lagen in mehreren Schichten dicht übereinander, was die Suche schwierig machte. Mit dem Kran untersuchten die Ermittler auch den Dachboden. Erst gut eineinhalb Stunden später entdeckte der Suchtrupp eine weitere Stelle, die zunächst aufgrund der großen Schäden nicht dem Obergeschoss zugeordnet werden konnte. In den Trümmern lagen die Leichen der Mädchen.

Polizei-Ermittler und THW-Helfer waren von einem Baufachberater des Technischen Hilfswerks unterstützt worden, der auf die Arbeit in Trümmergebäuden spezialisiert ist. Außerdem wurden die Räume von unten mit Stützen gesichert. Die Männer gingen bei der Suche äußerst vorsichtig vor, der Eigenschutz habe Vorrang, denn es gebe kaum Hoffnung, die beiden Mädchen noch lebend zu finden, erklärte THW-Sprecher Stefan Schumacher.

Zum Einsatz kamen unter anderem ein Bagger des THW Dillenburg und ein Kran des THW Gießen, an dessen Ausleger ein so genannter Mannkorb befestigt werden kann. Die Helfer kippten den Schutt aus der Brandruine eimerweise in die Schaufeln eines Radladers und des Baggers. Lastwagen brachten die Trümmerteile zu einem Ablageplatz, der Schutt wird dort für Untersuchungen durch das Landeskriminalamt sichergestellt.Auch am zweiten Tag mussten Feuerwehrleute immer noch Glutnester in dem Fachwerkgebäude ablöschen.

THW-Helfer, die sich freiwillig gemeldet haben, bargen die Leichen. Die Helfer wurden von einem Nachsorgeteam betreut.

Der Wirt, der sich in der Brandnacht ins Freie retten konnte, hat mittlerweile das Krankenhaus verlassen und ist bei Familienangehörigen im Raum Wetzlar untergebracht. Die Leichen der Kinder und der beiden 34 und 28 Jahre alten Frauen werden in den nächsten Tagen obduziert. Die Ermittler erhoffen sich von dieser Seite Erkenntnisse zur Todesursache. Zur Brandursache können weiterhin keine Angaben gemacht werden.

Anwohner versorgten auch am zweiten Tag die Einsatzkräfte mit Getränken und Essen. Das Schicksal der beiden vermissten Mädchen berührte die Neukirchener besonders: "Am Sonntag haben sie noch beim Erntedankgottesdienst in der Kirche mitgewirkt", sagte eine Nachbarin. Sie könne es kaum fassen, dass die Kinder tot sein sollen.

Wir berichten regelmäßig weiter über den aktuellen Stand. Die Ortsdurchfahrt (K48) in Neukirchen ist bis auf weiteres gesperrt. (si/lb)

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