Reaktionen auf verschobenen Starttermin für Kurhessenbahn · Keine Stellungnahme aus dem Kreishaus

Verspätung nach genauem „Tunnelblick“

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Reaktivierung verschoben: Die beiden Tunnelbauwerke, wie hier bei Thalitter, müssen laut Kurhessenbahn aufwändiger als erwartet saniert werden.

Waldeck-Frankenberg - Marode Tunnel, die aufwändiger als erwartet saniert werden müssen, haben den Fahrplan durcheinander gebracht. Die ersten Züge zwischen Korbach und Frankenberg können frühestens im Juni 2015 fahren.

Eigentlich ein Begriff aus der Augenheilkunde, wird als „Tunnelblick“ im übertragenen Sinne das Phänomen bezeichnet, unliebsame Tatsachen nicht wahrnehmen zu wollen. Im Falle der Bahnstrecke Korbach-Frankenberg kommt dieser Sichtweise noch eine andere Bedeutung zu. Nach detaillierteren Untersuchungen habe sich jetzt herausgestellt, dass die beiden 115 Jahre alten Tunnel zwischen Dorf- und Thalitter aufwändiger als zunächst geplant saniert werden müssen, teilte am Dienstag die Kurhessenbahn mit (wir berichteten).

Politischer Erfolg

Die damit verbundene Verschiebung des Termins der Wiedereröffnung ruft vor allem die Kritiker auf den Plan. Im September 2012 hatte eine breite Mehrheit der Kreistagsabgeordneten in namentlicher Abstimmung für die Reaktivierung votiert. Dagegen stimmten die CDU und Teile der FWG. Landrat Dr. Reinhard Kubat, der das Projekt stets vehement gegen Kritik verteidigt hatte, erreichte damit einen wesentlichen politischen Erfolg. Doch weder der Landrat noch sein Stellvertreter, Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf, gaben gestern auf WLZ-FZ-Nachfrage eine Stellungnahme ab.

„Aufgrund der jahrelangen konträren Diskussion im Vorfeld ist es der Sache nicht unbedingt förderlich, wenn schon in der Vorplanung Verzögerungen zum Tragen kommen“, sagte der Korbacher Bürgermeister Klaus Friedrich. Für ihn steht deshalb fest: „Man muss für dieses Projekt nun mehr denn je um Vertrauen werben.“

Unterdessen geht es in Vöhl auch ums Geld. Denn in der Großgemeinde am Edersee steht der Bau von vier Park- und Bushalteplätzen an Bahnhöfen an, an deren Finanzierung sich die Gemeinde beteiligt. 50 000 Euro sind dafür im Haushalt vorgesehen. „Wir lassen gerade prüfen, ob dieser Posten nun auf das nächste Jahr verschoben werden kann“, erklärte Vöhls Bürgermeister Matthias Stappert gestern gegenüber WLZ-FZ, „das würde den Haushalt entlasten“. Negative Auswirkungen der verschobenen Reaktivierung für die Vöhler sieht Stappert nicht: „Wir haben keinen besonderen Wintertourismus wie Willingen“, so Stappert, „wenn die Strecke im Sommer reaktiviert wird, können wir davon profitieren“. Und weil das Angebot ohnehin neu sei und erst mit den Jahren wachse, werde sich die Verschiebung des Termin wohl auch bei Pendlern und Berufstätigen nicht bemerkbar machen.

Zu den schärfsten Kritikern des Projektes gehörte von Anfang der Arbeitskreis für Kommunalfragen (Afk) Frankenberg. Ihr Sprecher Klaus Gantner teilte gestern mit: „Die Haltung des AfK zur Reaktivierung der Strecke ist hinlänglich bekannt. Den Beschluss der Gremien mussten wir zur Kenntnis nehmen. Wenn sich allerdings jetzt der Aufwand und demzufolge auch die Kosten über die bisher bekannten 16,8 Millionen Euro hinaus signifikant erhöhen, ist es sicherlich zu erwarten, dass die Verantwortlichen bei der Kurhessenbahn und im Kreishaus dieses Projekt einer neuerlichen Kosten-Nutzen-Betrachtung unterziehen und anschließend auch die Öffentlichkeit informieren.“

„Zahlen auf den Tisch“

Die CDU sei von Anfang an skeptisch gewesen, als es geheißen habe, die Bahntunnel seien in bestem Zustand, sagte Kreistags-Fraktionschef Karl-Friedrich Frese. Dabei zeige die Erfahrung der vorigen Jahre, dass bei derartigen Bauwerken immer mit Überraschungen zu rechnen sei. Als Beispiel nannte er den für den Ederradweg hergerichteten Bahntunnel zwischen Dodenau und Reddighausen.

Und nun sei zu befürchten, dass auch die Tunnelsanierungen wegen der entdeckten Schäden kostspieliger werden. Er hoffe, dass der Kreistag „zeitnah Zahlen auf den Tisch bekommt“, denn der Mehraufwand werde ja Geld kosten. Und es gebe die Zeitverzögerung. Es sei „leichtfertig“ gewesen, dass die Tunnel nicht schon vorher fachlich untersucht worden seien, urteilte Frese. Oder habe die Kreiskoalition darauf spekuliert, dass die Mehrkosten schon getragen würden, wenn die Bagger erst angerollt seien?(apa/resa/sg/tk)

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