Spektakulärer Unfall in Schiffsanleger Waldeck-West

Versunkener Lkw aus dem Edersee geborgen – Bildergalerie und Video

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Waldeck - Spektakulärer Unfall: Ein Lkw-Fahrer ist am Donnerstagmorgen am Schiffsanleger Waldeck-West mit seinem 12-Tonner in den Edersee gefahren. Der Mann wurde gerettet. Er kann nicht schwimmen und steht unter Schock.Der Lkw versank in den Tiefen des Wassers, wurde aber nach mehreren Stunden im Rahmen eines groß angelegten Einsatzes verschiedener Beteiligter geborgen.

Der 37-jährige Korbacher hatte mit seinem Laster gegen 9.20 Uhr Getränke an die Ederseeschifffahrt geliefert. Als er nach dem Entladen auf dem abschüssigen kleinen Teerweg des Hauptanlegers die etwa 20-prozentige Steigung rückwärts nach oben fahren wollte, stand hinter ihm auf einmal der Lieferwagen eines Bäckers. Der Getränkefahrer wartete, bis das Bäckerauto den Weg freigegeben hatte und wollte dann weiter zurücksetzen. Stattdessen fuhr er aber vorwärts geradeaus in den See. Wie das im Detail passierte, dazu konnte der Mann, der als sehr zuverlässig und bedachtsam gilt und der bis gestern unfallfrei unterwegs war, keine Angaben machen. Ihm war es laut Gerd Paulus von der Wasserschutzpolizei gelungen, aus dem Fenster über die Stoßstange auf das Dach des Führerhauses zu klettern, weil der Lkw zunächst noch zur Hälfte aus dem Wasser herausschaute. Vom Dach aus rief der 37-Jährige um Hilfe. Das hörten Mitarbeiter der Edersee-Schifffahrt, die sich auf einem der beiden Schiffe am Anlieger aufhielten. Geistesgegenwärtig warfen sie die Motoren der "Stern von Waldeck" an, steuerten das große Boot auf den Lkw-Fahrer zu und warfen ihm einen Rettungsring in die Hände. Damit konnten sie den Verunglückten sicher an Bord hieven.

Die Wasserschutzpolizei ließ eine große Bergungsaktion anlaufen. Ein Arbeitsschiff des Wasser- und Schifffahrtsamtes grenzte per Echolot den nassen Parkplatz des Lasters genauer ein. Rettungstaucher der DLRG aus Bad Arolsen rückten an. Sie stellten fest, dass der Laster ordnungsgemäß am Seegrund auf seinen vier Rädern stand und markierten den Fundplatz durch Bojen. In Absprache mit der unteren Wasserbehörde forderte die Wasserschutzpolizei die Feuerwehren aus Korbach, Frankenberg, Edertal, Waldeck und Bad Wildungen an, die allesamt ihre Ölsperren mitbrachten für den Fall, dass der Lkw während der Bergungsaktion Öl oder Treibstoff verlieren sollte. Die Sperren hatten die Aufgabe, eine großflächige Verschmutzung des Gewässers zu verhindern. Bis zum Schluss zeigten sich allerdings keine erkennbaren Schlieren von Raffinerieprodukten auf dem Wasser. Der Lastwagen mit seinem Alter von nur drei Jahren hat offenbar dicht gehalten. Verloren gingen ihm nur eine größere Anzahl von leeren Pfandflaschen, die im Laufe der Zeit an die Oberfläche stiegen, da die linke Seite des Kastenaufbaus bei dem Unfall aufgebrochen war und etliche der Glasgebinde durch den entstandenen Spalt entfleuchten.

Nach dem Einrichten der Sperre kam Wilhelm Söhne mit seinem Rückeschlepper zum Einsatz. Er hatte bereits vor mehr als einem Jahr den damals am Fuß des Schlosses Waldeck einen Hang hinabgestürzten Wäsche-Lkw geborgen. Die Taucher befestigten die Drahtseilzüge in der Tiefe an dem Lkw und vorsichtig, Meter um Meter, zog die Winde des Schleppers den Getränkelaster aus den Fluten, beobachtet von zahlreichen Zuschauern an der Waldecker Promenade oder auf Booten, die sich von der Wasserseite her dem Geschehen angenähert hatten. Insgesamt mehr als 80 Frauen und Männer waren an der Bergungsaktion beteiligt, bis der Getränkelastwagen oben auf der Straße vom Abschleppdienst in Empfang genommen und abtransportiert werden konnte.

Ein Auto im See: Das war für Gerd Paulus von der Wasserschutzpolizei alles andere als eine Premiere, "aber das war der erste Bierlaster."

Von Matthias Schuldt

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