Rekordzahl an Teilnehmern bei der Aktion „Stunde der Wintervögel“ – Weniger Vögel

Viele Beobachter machen in Waldeck-Frankenberg mit

Wenige Grünfinken sind gezählt worden, hessenweit waren es lediglich 0,9 pro Garten, in Waldeck-Frankenberg nehmen sie den 7. Platz ein.
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Wenige Grünfinken sind gezählt worden, hessenweit waren es lediglich 0,9 pro Garten, in Waldeck-Frankenberg nehmen sie den 7. Platz ein.

In Zeiten des Corona-Lockdowns nehmen viele Menschen die Natur in ihrer Umgebung wieder bewusster wahr. Dies beweisen auch die hohen Teilnehmerzahlen bei der bundesweiten Zählung „Stunde der Wintervögel“. Der NABU Waldeck-Frankenberg freut sich über ein Rekordergebnis.

Waldeck-Frankenberg –Bundesweit meldeten mehr als 150  000 Vogelfreunde ihre Beobachtungsdaten. In Hessen beteiligten sich über 16 000 Menschen und meldeten über 370 000 Vögel aus knapp 11 500 Gärten und Parks. Nach der vorläufigen Auswertung zählten im Kreisgebiet 608 Personen in 439 Gärten insgesamt 17 373 Vögel. Die Aktion findet seit 2011 immer Anfang Januar statt. Früher beteiligten sich meist rund 300 Naturfreunde im Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Auch die gute Nachfrage nach Vogelfutter im Handel beweist, dass in diesem Jahr viele Vogelfutterhäuser aufgestellt wurden. „Es beschäftigen sich wieder mehr Menschen, darunter viele junge Familien mit der heimischen Natur, das ist sehr erfreulich“, sagt NABU-Kreisvorsitzender Heinz-Günther Schneider.

Bei den beobachteten Arten gibt es ebenfalls neue Trends: Während vor elf Jahren in Waldeck-Frankenberg noch die Kohlmeise mit durchschnittlich 7,7 Vögeln pro Garten an der Spitze lag, haben jetzt der Haussperling und der Feldsperling die Spitze übernommen. In diesem Jahr wurden im Schnitt nur 3,7 Kohlmeisen und 3,6 Blaumeisen beobachtet. Ornithologen vermuten, dass wegen der milden Witterung noch keine Vögel aus Skandinavien zugewandert sind. Eine im Frühjahr 2020 bei vielen Blaumeisen aufgetretene tödliche Bakterienerkrankung hat sich nicht so stark ausgewirkt. Wieder im Aufwärtstrend sind die Amseln, die von der reichen Obst- und Beerenernte in vielen Regionen profitieren. Der Usutu-Virus wurde in der Region bei Amseln nicht festgestellt. Buchfinken halten sich noch im Wald auf und ernähren sich von der reichen Bucheckernmast, sodass sie noch keine Futterhäuschen aufsuchen.

Im Aufwärtstrend befindet sich die Elster mit knapp zwei Vögeln pro Garten. Auf den weiteren Plätzen folgen der Grünfink. Hessenweit liefert der Grünfink ein besorgniserregend schwaches Ergebnis, das nicht mit dem Wetter erklärt werden könne, sagt Gerhard Eppler, Landesgeschäftsführer des NABU Hessen, „Sein Abwärtstrend setzt sich leider unverändert fort. Diesmal wurden nur noch 0,9 Grünfinken pro Garten gemeldet. Damit gibt es heute nur noch ein Viertel der Grünlinge, die 2011 die Gärten bevölkerten. Als Ursache gelten vor allem Infektionen mit Trichomonaden an sommerlichen Futterstellen, aber wohl auch, dass auf landwirtschaftlichen Flächen das Nahrungsangebot für diese Art knapper geworden ist“.

Auf den weiteren Plätzen folgen das Rotkehlchen und der Erlenzeisig. Auch Ringeltauben lassen sich vermehrt in Gärten blicken und ziehen nicht mehr nach Süden. Stare entwickeln sich zum Standvögel und bleiben im Brutgebiet. Vier Bachstelzen und vier Hausrotschwänze tun es ihnen gleich. Nur 13 Bergfinken beweisen, dass die früher häufig aus Skandinavien zugewanderten Vögel jetzt im Norden bleiben.

Im Kreisgebiet wurden 66 Vogelarten gemeldet, wobei Ornithologen bei Saatkrähe, Nebelkrähe und Singdrossel von Fehlbestimmungen ausgehen. Ferner wurden auch einige Wasservogelarten gemeldet, die untypisch für Gärten sind.

Von Frank Seumer

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