Viele Pflanzen schützen den Acker

Waldeck-Frankenberg: Wertvoller Boden geht durch Erosion verloren

Auch bei diesem Maisfeld bei Korbach war durch Regen Erde abgetragen worden. Der Graben unterhalb des Ackers ist nun freigelegt, damit Wasser und bei Erosion auch Schlamm abfließen können.
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Auch bei diesem Maisfeld bei Korbach war durch Regen Erde abgetragen worden. Der Graben unterhalb des Ackers ist nun freigelegt, damit Wasser und bei Erosion auch Schlamm abfließen können.

Auffällig häufig ist in diesem Sommer schon Starkregen gefallen. Etliche Orte vom Süden bis in den Norden des Landkreise sind betroffen gewesen. Keller liefen voll, Straßen waren überflutet. Ein weiteres Phänomen: Wertvoller Boden von Äckern wurde fortgeschwemmt.

Waldeck-Frankenberg - So wurden beispielsweise in Bad Arolsen-Kohlgrund infolge heftiger Regenschauer mehrfach große Mengen Ackerboden in Form von Schlamm vom Feld durchs Dorf gespült. Außerdem war in Frankenberg-Haubern Erde in den Ort geschwemmt worden. Solche Vorfälle ereignen sich laut dem Bundesumweltamt bundesweit immer häufiger. Fruchtbarer Boden geht dann dauerhaft verloren. Solche Schäden durch Erosion sind nicht zu beziffern, sagt Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Frankenberg, auf Nachfrage. „Der Verlust ist nicht wieder zu beschaffen.“

Landwirtschaftlich genutzte Flächen sind von elementarer Bedeutung für die allgemeine Versorgung mit Lebensmitteln. Bodenerosion habe es „immer schon gegeben“, sagt Eckel, vor allem in Hanglagen. Aber „heute haben wir andere Dimensionen“. Das heißt, Intensität und Häufigkeit hätten zugenommen. Besonders stark seien Mais- und Rapsfelder durch Unwetter gefährdet. Diese Kulturen würden vergleichsweise dünn gesät auf lockerem Boden, der Regengüsse schlecht festhalten könne. Erde werde somit leicht weggespült. Vor allem im Sommer, wenn es öfter Gewitter gibt.

Umso mehr gelte es jetzt, die Flächen zu schützen. Dafür gäbe es bereits etablierte Verfahren. Dazu zählen etwa Untersaaten, die zwischen die Hauptfrucht gesät werden, eine vielfältige Fruchtfolge und auch eine Bodenbearbeitung quer zum Hang. Matthias Eckel sieht auch die Kommunen in der Pflicht, die Gräben offen zu halten, damit Wasser abfließen kann. „Hier wurde schon viel versäumt.“

Doch auch die Landwirte selbst müssen handeln, denn durch Bodenerosion entstehen auch enorme finanzielle Verluste. Investitionen in den Erosionsschutz dürften sich daher lohnen. Dazu werde viel geforscht und ausprobiert. Eckel: „Wir müssen Geld in die Hand nehmen.“

Regenfälle mit mehr als zehn Litern Niederschlag auf einem Quadratmeter können laut dem Umweltbundesamt Bodenerosion auslösen. Die Gefahr von Erosion hängt demzufolge von verschiedenen Faktoren ab: von der Intensität der Regenfälle, der Art des Bodens und der Topografie eines landwirtschaftlich genutzten Feldes.

Wenn der Boden zu wenig mit Pflanzen bedeckt und zu stark verdichtet ist, sodass er kaum Wasser aufnehmen kann, wird das Risiko verstärkt. Zudem kann Wasser von höher gelegenen Feldern oder aus Wohn- und Gewerbegebieten und von Straßen auf Äcker gelangen, wenn das Niederschlagswasser nicht richtig abgeleitet wird, heißt es beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH).

Fachleute des LLHs beraten auch Landwirte in Waldeck-Frankenberg zum Thema Erosion durch Wasser. Demnach beschäftigt die Landwirte das Problem zunehmend. „Die landwirtschaftliche Fläche als Wirtschaftsgrundlage zu erhalten, liegt im ureigenen Interesse der Landwirtschaft“, heißt es von Seiten des LLH.

Der Mensch steht den Risiken nicht hilflos gegenüber, sondern kann nach Einschätzung von Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Frankenberg, mit der Art der Bearbeitung und mit Schutzstreifen Erosionsschäden entgegenwirken. Eckel sagt zwar, dass nicht immer zu verhindern sei, dass Äcker abschwemmen. Schlimmere Schäden könnten aber verhindert oder verringert werden, indem Bauern zum Beispiel Gras untersäen und Zwischenfrüchte anbauen, damit möglichst viel Boden möglichst lange bedeckt sei.

Außerdem können landwirtschaftliche Flächen zum Beispiel mit Hecken gegliedert werden, um dem Bodenabtrag vorzubeugen.

Zudem gebe es etwa Versuche, an Hängen alle hundert Meter Grasstreifen einzubauen, wo Wasser aufgehalten und im Boden gespeichert werden kann. Auch Blühflächen am oder im Feld können einen Abtrag des Bodens verhindern. Der Pflanzenbaubeauftragte Dr. Marco Schneider vom LLH erläutert zudem: Eine geordnete Humusversorgung, Zwischenfrüchte, abwechslungsreiche Fruchtfolgen, eine Bodenkalkung oder eine Bewirtschaftung quer zum Hang sind die Basis, um Erosion vorzubeugen. „Besonders wirksam ist der Verzicht auf die wendende Bodenbearbeitung mit dem Pflug. Die dann oberflächlich aufliegenden Erntereste nehmen den Regentropfen die kinetische Energie“, erklärt Dr. Schneider. Mulchen und Direktsaatverfahren würden zu mehr Regenwürmern führen, wodurch der Boden locker und das Wasser besser aufgenommen werde.

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