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Viele Menschen in Waldeck-Frankenberg sagen Öl und Gas ade

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Von: Thomas Hoffmeister, Bastian Ludwig

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Hat, wie seine Berufskollegen, gut zu tun: Guido Kalbe (Korbach) Obermeister der Innung Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik. Archivfoto: Thomas Hoffmeister
Hat, wie seine Berufskollegen, gut zu tun: Guido Kalbe (Korbach) Obermeister der Innung Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik. Archivfoto: Thomas Hoffmeister © Thomas Hoffmeister

Wegen der stark gestiegenen Energiepreise ist die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen, Gebäudedämmungen und Alternativen zu Gas- und Ölheizungen sehr hoch.

Die Handwerksbetriebe sind ausgelastet, heißt es von der Handwerkskammer Kassel. Die ohnehin gute Auftragslage habe durch den Ukraine-Krieg und die Entwicklung an den Energiemärkten weitere Dynamik erhalten, so eine Kammersprecherin.

Auch die Energieberater, die für viele Bundesförderungen bei Sanierungsprojekten nötig sind, haben alle Hände voll zu tun.

„Der Beratungsbedarf ist riesig, ich muss fünf bis zehn Anfragen pro Woche ablehnen“, sagt Eva Koch, Energieberaterin aus Kassel. Vor allem der Heizungsaustausch sei ein großes Thema.

Dies bestätigt Guido Kalbe (Korbach), Obermeister der Fachinnung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik in Waldeck-Frankenberg. Wer noch in diesem Jahr seine Öl- oder Gasheizung durch eine Wärmepumpe ersetzen lassen wolle, für den werde es wegen der aktuellen Lieferzeiten von bis zu sechs Monaten zeitlich eng. „Wärmepumpen sind der absolute Trend“, bestätigt Kalbe.

Die mit Strom betriebenen Wärmepumpen sind nach Überzeugung des Obermeisters jedoch kein Allheilmittel – zumal der günstige „Wärmepumpentarif“ von 19 Cent pro Kilowattstunde Strom seit Anfang des Monats weggefallen ist: „Wir benötigen ein Mix aus Energieträgern, zu dem nach meiner Überzeugung auch Atomkraft und Kohle gehören“, sagt Kalbe. Mittelfristig gehe der Trend zu regenativer Energien, beispielsweise Windkraft oder Photovoltaik. Ohne das Handwerk sei das gesetzte Ziel, bis zum Jahr 2030 eine CO2-Minderung von 65 Prozent im Vergleich zu 1990, nicht zu erreichen.

„Wenn sich das Tempo beim Wind- und Solarausbau vervierfachen soll, benötigen wir dringend mehr Fachkräfte“, betont Kalbe. Er setze auf die Unterstützung von Eltern und Schulen, um jungen Menschen Perspektiven im Handwerk aufzuzeigen.

Von Materialknappheit und Preiserhöhungen berichtet auch der Obermeister der Dachdecker-Innung in Waldeck-Frankenberg, Dimitri Demmer-Koutroulis. Bei Dachziegeln gebe es schon Bestellannahme-Stopps. Angesichts der „nie dagewesenen Preisschwankungen ist es derzeit fast unmöglich, Angebote realistisch vorzukalkulieren“, sagt Demmer-Koutroulis.

Kammer: Fachkräfte und Material fehlen

Nach Auskunft der Handwerkskammer Kassel profitieren von der Entwicklung vor allem die Ausbau-, und Bauhandwerker, also die Installateure und Heizungsbauer sowie die Elektrotechniker, die Maler und Lackierer, die Glaser, aber auch die Dachdecker und Zimmerer. Allerdings sorgten Preissteigerungen bei Materialien und Produkten, unterbrochene Lieferketten sowie fehlende Fachkräfte dafür, dass die Handwerksbetriebe nicht alle Aufträge zügig abarbeiten könnten.

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