Nachwuchsmangel und Vereinsmüdigkeit

Vielen Chören in Waldeck-Frankenberg geht die Luft aus

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Chorgesang kann viel Freude machen: Das beweist hier der Chor "Happiness" unter Leitung von Andrea Ayora-Escandel.

Viele Chöre im Landkreis Waldeck-Frankenberg haben Nachwuchssorgen.

Waldeck-Frankenberg– Beim Männergesangverein Liedertafel Frankenberg/Schreufa sind von 33 Sängern 25 über 70 Jahre alt, die Rosenthaler Sänger wollen ihre musikalische Ausrichtung „drastisch modernisieren“, in Halgehausen wird wegen der geringen Mitgliederzahl vermehrt nur noch dreistimmig gesungen und der Laisaer Männerchor hört bald ganz auf: Viele der heimischen Chöre kämpfen gegen Überalterung, Nachwuchsmangel und Vereinsmüdigkeit.

„Wenn nicht bald was geschieht, wird es nicht mehr lange Chorgesang in Haubern geben“, sagte der Vorsitzende des MGV Haubern, Wilfried Vaupel, im Januar in der Jahreshauptversammlung des Chors. Der Verein startete einen Aufruf um neue Sänger zu gewinnen

„Für den Mitteldeutschen Sängerbund kann ich sagen, dass seit zehn bis 15 Jahren jedes Jahr 15 bis 20 Chöre aufgehört haben“, teilte Bundeschorleiter Karl-Heinz Wenzel mit. Vor allem Männerchöre hätten es schwer.

Ähnlich äußert sich auch Kreischorleiter Horst-Werner Bremmer vom Sängerkreis Edertal: „Weder der demografische Wandel noch die zunehmende Vereinsmüdigkeit gehen an den Chören spurlos vorbei. Diese Auswirkungen haben auf die Männerchöre einen größeren Einfluss als auf die Frauen- und gemischten Chöre. Das liegt vielleicht auch daran, dass Frauen in der Regel lieber singen als Männer“, vermutet er. Der Sängerkreis Edertal habe aktuell 17 Chöre. fünf Frauenchöre, drei gemischte Chöre und neun Männerchöre. „In den letzten Jahren hat der MGV Geismar das Singen eingestellt, die Liedertafel Frankenberg und der MGV Schreufa haben sich zu einem Chor zusammengeschlossen“, berichtet Bremmer.

Beim Waldeckischen Sängerbund ist die Zahl der Mitgliedschöre seit 2010 von 100 auf 86 gesunken, teilte dessen Vorsitzender Bruno Mecke mit, der die Lage aber insgesamt als „noch ganz rosig“ bezeichnet. „Uns fehlen Chorleiter, das ist ein Problem. Einige Dirigenten haben fünf oder sechs Chöre.“ Der Waldeckische Sängerbund bietet deshalb einen kostenlosen Chorleiterlehrgang an. „Wir suchen junge Leute, die Interesse haben, mitzumachen“, sagte Mecke.

Der Mitteldeutsche Sängerbund (MSB) wurde vor 181 Jahren gegründet, um Chöre aus Nordhessen und Südniedersachsen unter einem Dach zusammenzuschließen. Allein in den letzten zehn Jahren ist die Anzahl der vorher 40 000 Mitglieder nach Aussage von Vizepräsident Klaus Trollhagen um zirka ein Drittel auf etwa 13 800 gesunken. Dem MSB gehören 576 Chöre an. Unter anderem aus den Sängerkreisen Edertal und Oberes Edertal sowie dem Waldeckische Sängerbund.

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