Eingepfercht könnten die Tiere aggressiv werden

Vogelgrippe in Nordhessen: Geflügelzüchter und Landwirte in Waldeck-Frankenberg sind besorgt 

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Stallpflicht wäre eine große Belastung: Unser Archivbild zeigt Zwerg-Wyandotten-Hühner bei einer Illerschau.

Waldeck-Frankenberg. Der Vogelgrippe-Fall am Twistesee bereitet den Geflügelzüchtern im Landkreis Sorgen.

Man müsse natürlich erst einmal abwarten, was die Behörden sagen, und dem Folge leisten. Da sind sich Michael Schäfer, Vorsitzender des Vereins für Rassegeflügelzucht, Tier- und Naturschutz Frankenau, Geflügelzüchter Gerd Weinreich aus Gemünden und Harald Mütze, Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins Frankenberg, einig.

Trotzdem: „Ich hoffe natürlich, der Kelch geht an uns vorbei“, sagt Geflügelzüchter Weinreich. Damit meint er neben der möglichen Keulung von Tieren, auch die Stallpflicht.

„Ein Problem ist zum Beispiel, dass unsere Ställe in den meisten Fällen so ausgelegt sind, dass die Tiere nur in der Nacht dort bleiben“, erklärt Kollege Michael Schäfer. Welche Konsequenzen genau auf die 190 Mitglieder seines Vereins zukommen, da müsse er sich selbst erst einmal schlau machen, so Schäfer.

Mehr Erfahrung mit der Vogelgrippe hat man in Gemünden. Vor knapp vier Jahren war auf dem Hof eines Hobbyzüchters am Rande der Wohra-Stadt das Virus H5N2, die weniger aggressive Variante des Vogelgrippe-Auslösers nachgewiesen worden. Darauffolgend wurden knapp 60 Tiere gekeult und eine Stallpflicht innerhalb einer Sperrzone verhängt, die erst nach über einem Monat aufgehoben wurde.

Spagat geschafft 

Züchter Weinreich, der in Gemünden etwa 300 Gänse, Enten und Hühner hält, erinnert sich: „Damals hat das Veterinäramt den Spagat zwischen Verbraucher- und Züchterinteressen geschafft.“ Die Zusammenarbeit habe gut geklappt und es habe auch Sonderregelungen gegeben. Denn die Stallpflicht sei eine große Belastung für die Tiere.

Sein Geflügel sei an einen festen Tagesablauf mit viel Auslauf gewöhnt. Er habe die Erfahrung gemacht, dass die Tiere aggressiv werden und untereinander kämpfen, wenn sie über einen längeren Zeitraum zusammengesperrt werden.

Etwas entspannter sieht es Georg Wachs: „Ein toter Vogel macht noch keine Epidemie“, beruhigt sich der Vorsitzende des Geflügelzuchtvereins in Külte, der erst am vergangenen Wochenende eine Kreisverbandsschau mit 616 Hühnern, Gänsen und Enten, in der Nordwaldeckhalle ausgerichtet hat: „Wir hatten Glück. Wer weiß, ob wir die Schau nun noch einmal ausrichten dürften", zeigt aber auch er sich etwas besorgt. 

Die Geflügelzüchter in der Region warten auf klare Anweisungen vom Kreisveterinäramt. In einem Umkreis von einem Kilometer um die Fundstelle sollen die Tiere im Stall bleiben. Dann wäre Külte nicht betroffen. Der Hakenberg schon. Und was ist mit dem Geflügel auf dem ehemaligen Lambion-Gelände?

Ähnliche Überlegungen stellt auch der Braunser Landwirt Martin Dietzel an. Er mästet zwischen Braunsen und Twiste 25 000 Hähnchen. Der stall dort ist aber hermetisch abgeschlossenen. Kein Kontakt zu Wildtieren und mehr als drei kilometer von der Fundstelle entfernt. 

Der Bio-Landwirt Johannes Rodewyk auf Gut Kappel bei Mengeringhausen ist auf Schutzmaßnahmen vorbereitet. Er hält 4000 Legehennen in fünf Ställen mit Auslauf, zudem Mastgeflügel (Bruderhähnchen der geschlüpften weiblichen Küken und Enten). Durch ein Informationsnetzwerk der Bio-Geflügelhalter wurde er schon im Laufe des Donnerstags über den Fund informiert. Beim Veterinäramt sei man erstaunt gewesen über die frühe Info, berichtet der Mengeringhäuser. 

Mit Stand Freitagvormittag hatte er aber noch keine Anordnung für eine Aufstallung seiner Hühner, Hähnchen und Enten bekommen, rechnete aber damit. Laut der Bio-Zertifizierung darf er die Tiere eigenmächtig ohne behördliche Auflage nicht aufstallen, sonst könnte er die Anerkennung verlieren. Doch dank des schlechten Wetters lässt Rodewyk seine Tiere nicht mehr im Freien herumlaufen.

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