Oberarzt und Lehrer warnen vor Nutzung der Sportgeräte im Privaten

Vorsicht auf Trampolinen: Gefahr von Verletzungen bei kleinen Kindern

Spaß, bei dem Vorsicht geboten ist: Kindern macht das Hüpfen auf großen Trampolinen Freude. Doch Experten raten dazu, immer nur ein Kind einzeln springen zu lassen. Für Kleinkinder ist das Gerät noch nicht geeignet. Foto: panthermedia.net/Sorokopud

Waldeck-Frankenberg. Es gehört für Familien mittlerweile zum Garten dazu wie der Sandkasten: ein großes Trampolin, das schon ganz jungen Kindern Spaß bringen soll. Doch der Spaß kann gefährlich sein.

Dr. Andreas Strack, Oberarzt der Klinik für Kinderchirurgie am Klinikum Kassel, wo auch Kinder aus Waldeck-Frankenberg behandelt werden, warnt ausdrücklich davor, Kinder ohne Aufsicht springen zu lassen. Im schlimmsten Fall könne es zum Genickbruch kommen.

Das Problem ist laut Experten, dass schon Kinder unter sechs Jahren auf großen Trampolinen turnen. Gefährlich werde es auch, wenn mehrere Kinder gleichzeitig auf demselben Gerät hüpfen.

„Kinder sollten immer nur alleine und immer unter Aufsicht auf ein großes Trampolin“, erklärt Jennifer Homann. Sie ist Sportkreiskoordinatorin im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Im Sportunterricht müssen Lehrer speziell qualifiziert sein, um Kinder auf dem Trampolin springen zu lassen.

Umso mehr wundert sie sich darüber, dass viele Familien solche Geräte für die Freizeit im Garten haben. Bewegung sei für Kinder sehr wichtig. Aber grundlegende Turnübungen, die etwa Koordination und Gleichgewicht fördern, seien viel sinnvoller. Kinder sollten demnach mindestens zwei bis drei Mal pro Woche ein Bewegungsprogramm wie zum Beispiel Kinderturnen wahrnehmen.

Und sie sollten sich mindestens eine Stunde täglich bewegen. Nur dann würde der Körper darauf vorbereitet, dass er später stark genug für Sprünge und Salti auf einem Gerät wie dem Trampolin ist.

„Viele Kinder können heutzutage noch nicht einmal einen Purzelbaum“, moniert die Lehrerin. Sie hat solche gravierenden Defizite bei jungen Kindern festgestellt, die sie auf Bewegungsmangel zurückführt. „Turnen ist auf einem absteigenden Ast“, sagt sie. „Das ist schade.“ Denn Turnen sei eine Sportart, die so vieles gleichzeitig fördere: Körperspannung, Haltung, Bewegungsgefühl und mehr. Das müssten Eltern ihrer Ansicht nach fördern, anstatt die Kinder zu früh alleine aufs Trampolin zu lassen.

Große Trampoline sind mittlerweile überall zu haben. Privatpersonen bieten gebrauchte Exemplare für ein paar Euro an und manche verschenken ihre Geräte sogar. Mögliche Käufer können bei solchen gebrauchten Geräten nicht immer erfahren, wie abgenutzt und funktionsfähig das Trampolin ist.

„Ein Trampolin ist ein Sportgerät – kein Spielgerät, das man den Kindern einfach so hinstellt“, sagt Dr. Andreas Strack. Besonders in der Sommerzeit behandeln der Kinderchirurg und sein Team Kinder, die sich beim Trampolinspringen im Garten teilweise schwer verletzen. Da kommt es zu Gehirnerschütterungen, Knochenbrüchen und auch Verletzungen an der Wirbelsäule.

„Wir verzeichnen hier seit etwa zehn Jahren in diesem Zusammenhang Fallzahlen auf hohem Niveau.“ Der Anteil der schweren Verletzungen sei besonders hoch.

Michael Vid ist als Ausbilder und Referent für Trampolinturnen naturgemäß ein Fan dieser Sportart. „Trampolinspringen ist wichtig und toll.“ Es kommt aber auf die Betreuung an, betont er. Die sollte fachgerecht sein. 

„Je jünger die Kinder, desto intensiver muss die Betreuung beim Trampolinspringen sein“, sagt Vid, der Trampolinlehrwart im Hessischen Turnverband ist und auch Sportlehrer an Schulen in Waldeck-Frankenberg fortbildet. Ein Lehrer braucht eine Qualifizierung für das kleine Trampolin sowie eine weitere für das Große, um die Geräte im Sportunterricht anzuwenden. „Viele Lehrer scheuen sich davor, diese Turngeräte einzusetzen“, sagt Vid. Andererseits werde die Sportart immer beliebter. Das zeige sich auch daran, dass in Großstädten immer mehr Trampolin-Funparks entstehen. Und der Trend der Garten-Trampoline sei ungebrochen. 

Das reine Hoch-und-Runter-Springen sei kein Problem, erklärt Michael Vid. „Viele vergessen aber, dass ein Trampolin nach einer Landung anders wirkt als zum Beispiel ein Sofa. Es federt stark nach.“ Das könne vor allem bei Kindern unter sechs Jahren schwierig werden, deren Körperbau und Motorik noch nicht ausreichend entwickelt sind. Kritisch sieht Vid es auch, wenn mehrere Kinder gleichzeitig hüpfen. Dann bestehe unter anderem die Gefahr, dass sie zusammenprallen. Unter Aufsicht könne das Trampolinspringen eine Bereicherung sein. Deshalb sei die Angst mancher Sportlehrer unbegründet. 

Die Frage nach der Sicherheit kommt auch beim Thema Hüpfburgen auf. Solche großen aufblasbaren Spielgeräte stehen bei vielen Festen für Kinder als Attraktion bereit. „Das halte ich für sehr problematisch, weil so viele Kinder unterschiedlichen Alters, Gewichts und Körpergroße gleichzeitig und meistens ohne Rücksicht aufeinander herumtoben“, sagt Michael Vid. „Ich würde meine Kinder nur einzeln in eine Hüpfburg schicken.“

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