Bäcker sprechen von "Bon-Irrsinn"

Waldeck-Frankenberger Bäcker kritisieren Kassenbeleg-Pflicht

Um den „Bon-Irrsinn“ zu veranschaulichen, der auf Bäckereien und andere Läden ab Januar zukommt, hat Obermeister Michael Bienhaus aus Battenberg – hier mit Verkäuferin Ursula Tropp – einen mehrere Meter langen Kassenbon ausgedruckt.
+
Um den „Bon-Irrsinn“ zu veranschaulichen, der auf Bäckereien und andere Läden ab Januar zukommt, hat Obermeister Michael Bienhaus aus Battenberg – hi er mit Verkäuferin Ursula Tropp – einen mehrere Meter langen Kassenbon ausgedruckt.

Kassenbelege werden ab 1. Januar 2020 Pflicht schon bei jedem Brötchenkauf. Die Bäcker im Landkreis Waldeck-Frankenberg sprechen von "Bon-Irrsinn".  

Die drei Brötchen beim Bäcker oder den Kaugummi am Kiosk gibt es ab nächstem Jahr nur noch mit Kassenbon: Für jeden noch so kleinen Kauf müssen Einzelhändler, die mit digitalen Kassen arbeiten, ab 2020 einen Beleg ausdrucken – ob der Kunde das will oder nicht.

Kleine Händler und insbesondere das Bäckerhandwerk laufen Sturm gegen die Neuregelung, mit der der Gesetzgeber steuerliche Tricksereien erschweren will – laut Hessens Finanzminister Thomas Schäfer entgehen dem Fiskus jährlich 10 Milliarden Euro.

Andererseits hat der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks ausgerechnet, dass pro Jahr bis zu fünf Milliarden überflüssige Bons aus Papier zusammenkommen. 

Waldeck-Frankenberg: Unmut bei Bäckern

Für den gesamten deutschen Einzelhandel werde mit einem zusätzlichen Kassenbon-Aufkommen von zwei Millionen Kilometern pro Jahr gerechnet, heißt es beim Handelsverband Deutschland.

„Es herrschen großer Unmut und Unverständnis an der Basis“, sagt der Obermeister der Bäcker-Innung Waldeck-Frankenberg, Michael Bienhaus aus Battenberg. Der Bäckerverband habe bereits eine Befreiung von der Belegausgabe-Pflicht beantragt. 

Auch der Zentralverband mache sich dafür stark. „Bisher war Bürokratisierung eher ein Schlagwort, bei dem nur die betroffenen Handwerksbetriebe mitreden konnten. Durch die Bon-Ausgabeverpflichtung erweitert sich das und nun bekommt sie jeder Kunde mit auf das Brötchen geschmiert“, sagt Bienhaus.

Belastend für Betriebe in Waldeck-Frankenberg

„Ob Dokumentations- oder Aufzeichnungspflichten, es sind die bürokratischen Belastungen, die besonders kleine und personalintensive Betriebe betreffen und zusätzlichen Aufwand bedeuten.“

„Die Vorschriften dürfen nicht die Falschen treffen“, betont der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Gerhard Brühl. Selbstverständlich müssten diejenigen, die die Regeln brechen, erkannt und belangt werden. „Statt in Einzelfällen näher hinzuschauen, hat man den Eindruck, dass von staatlicher Seite lieber alle mit Auflagen überzogen werden. Getroffen werden damit vor allem Rechtschaffende.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare