Dehoga befürchtet Rückgang um 40 Prozent in zehn Jahren

Waldeck-Frankenberg: Gaststätten-Sterben geht rasant voran

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Die Dalwigksthaler kümmern sich selbst: Die Bürgergenossenschaft betreibt seit bald sechs Jahren die Schule als „Dorftreff und Kneipe“.

Waldeck-Frankenberg. Das Gaststättensterben geht unvermindert weiter – und Waldeck-Frankenberg ist laut des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Hessen keine Ausnahme.

Zahlen darüber, wie viele Gaststätten es in den einzelnen Landkreisen noch gibt, erhebt der Verband nicht, aber die hessenweite Entwicklung bereite Sorgen, erklärt Anna Homm, Geschäftsführerin der Geschäftsstelle Nord- und Osthessen: In zehn Jahren haben 1000 Gaststätten geschlossen, 1700 verbleiben, sagt sie. In den kommenden zehn Jahren ist der Verlust von knapp 700 weiteren zu befürchten.

„Die Entwicklung ist auch hier zu beobachten und ein Ende ist nicht in Sicht“, bestätigt Jürgen Figge, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands. Es sei sehr schwierig, Nachfolger für ein Lokal zu finden. „Die Aussichten, dass ich damit meine Familie ernähren kann, gehen gegen null“, sagt er. Ein wesentliches Problem sei die Bevölkerungsentwicklung: Die Zielgruppe für den typischen, traditionellen Dorfgasthof schwinde. Viele Feiern verlagerten sich in Dorfgemeinschaftshäuser und Vereinsheime.

In vielen Kneipen gebe es derweil einen erheblichen Investitionsstau: Sanitäranlagen, Mobiliar und Küchenausstattung seien oft in die Jahre gekommen, angesichts des geringen Umsatzes eines Lokals auf dem Dorf blieben Modernisierungen aus. Was hingegen bei einer Übernahme anfalle, sei eine Erneuerung des Brandschutzes. „Es dient natürlich dem Schutz von Menschen“, räumt Figge ein, „aber man sollte mit einem gewissen Augenmaß rangehen – da hängen Existenzen dran“.

Er sieht weitere Probleme: „Der Wust, den man an Verwaltungsarbeit aufbringen muss, ist für Kleinstbetriebe nicht zu stemmen.“ Größere Gaststätten, die Personal beschäftigen, könnten es derweil angesichts des Arbeitsrechts nicht flexibel genug einsetzen.  

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