Heimische Direktvermarkter

Waldeck-Frankenberg: Lieferservice von Direktvermarktern besonders gefragt

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Alle Hände voll zu tun: Freya Krüske, die auf dem Helser Schanzenhof in ökologischer Landwirtschaft ausgebildet wird, kümmert sich auch um den Hofladen. Für das Foto hat sie die Schutzmaske kurz abgenommen.  

Die Covid-19-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen bescheren Direktvermarktern in Waldeck-Frankenberg mehr Zulauf – allerdings nur zum Teil.

Waldeck-Frankenberg –  Denn während sie mitunter neue Kunden im Direktverkauf gewonnen haben, fielen ihnen teils andere Einkommenssparten aufgrund von Corona weg.

Anstatt im Supermarkt einkaufen zu gehen, nutzen manche Kunden während der Pandemie lieber das Angebot heimischer Erzeuger. „Das kann ich nur bestätigen“, sagt etwa Friedrich Kalhöfer aus Meineringhausen. Er und seine Familie verkaufen Eier von Reisehühnern sowie verschiedene andere Produkte in ihrem Hofladen, beliefern außerdem Geschäfte. „Vor Ostern hatten wir einen sehr guten Absatz – wie sonst nur zu Weihnachten“, erklärt der Landwirt: „Ich musste die Leute im Hofladen bremsen, nicht alles wegzukaufen.“

Eine ähnliche Erfahrung macht Tobias Hofius, der zusammen mit Stefanie Müller den Schanzenhof in Helsen nach den Prinzipien des biologisch-dynamischen Landbaus bewirtschaftet. Dabei verkaufen sie nicht nur aus eigener Herstellung. Um ein Vollsortiment bieten zu können, kaufen sie auch andere Produkte zu.

Ihre Ware verkaufen sie nicht nur über den Hofladen an, sondern bieten auch eine „Grüne Abo-Kiste“ und einen Online- und Lieferservice an. Dieser Service sei derzeit sehr gefragt. „Die Nachfrage ist gestiegen. Vor allem ältere Leute gehen derzeit ungern einkaufen. Einige unserer Stammkunden, die sonst regelmäßig in den Laden kamen, aber auch neue Kunden lassen sich die Ware jetzt nach Hause liefern“, erklärt der Landwirt.

"Mehr Bewusstsein entstanden"

„Ich habe den Eindruck, dass bei manchen Menschen im letzten halben, dreiviertel Jahr mehr Bewusstsein entstanden ist. Corona hat da nur nochmal einen zusätzlichen Schub gegeben, denn bei uns stieg schon nach der Winterpause im Januar die Nachfrage deutlich.“ Befreundete Direktvermarkter in Nachbarlandkreisen würden inzwischen schon keine Neukunden mehr aufnehmen können, so groß sei die Nachfrage.

Nicht nur die Angst, sich beim Einkaufen in großen Läden möglicherweise anzustecken, lässt die Nachfrage nach Produkten vom Direktvermarkter steigen. „Die Leute haben mehr Zeit zu kochen – und müssen auch mehr kochen“ während des Shutdowns. „Die Kinder konnten in den vergangenen Wochen nicht in Kindergärten und Schulen essen, da muss man ja ganz andere Mengen für den eigenen Haushalt einkaufen. Anstelle von Zwei- und Fünf-Kilosäcken gehen derzeit viel mehr Zehn- und Zwölf-Kilosäcke“, erklärt Anette Wagener aus Wellen die größere Nachfrage.

Ware schneller liefern als große Ketten

Sie, ihr Mann Gerhard und Sohn Tobias bauen gut ein Dutzend verschiedene Sorten Kartoffeln im Edertal an, die sie über den Hof und Märkte, aber auch über insgesamt zwölf Supermärkte an den Mann bringen. Mit Beginn der Corona-Krise in Deutschland hätten sie deutlich mehr Kartoffeln verkauft als im Vergleichszeitraum der Vorjahre, erklärt Tobias Wagener: „Wir konnten unsere Ware eher an die Supermärkte liefern als die großen Ketten, als die Nachfrage danach stieg“. „Wir hoffen, dass der Effekt bleibt“, sagen Anette und Tobias Wagener, denn „uns ist auf der anderen Seite die komplette Gastronomie weggebrochen“.

Ähnlich geht es Familie Höhle von „Brachts Wurstekammer“ in Basdorf. Sie bietet Wurst, Fleisch, Kartoffeln, Gemüse der Saison, Eier und Honig an. „Die Leute haben anfangs fast gehamstert und vor allem viele Dauerkonserven gekauft“, erklärt Carmen Höhle. Auf Märkten sei die Nachfrage „total unvorhersehbar, man lebt von Mal zu Mal. Vor allem die älteren Kunden haben teilweise Angst, auf dem Markt einkaufen zu gehen“, erklärt die Direktvermarkterin.

Einheimische würden nach wie vor am Haus kaufen, allerdings „fehlen uns die Camper, deren Saison normalerweise zu Ostern beginnt. „Außerdem können die Gäste, die hier ihren Zweitwohnsitz haben, nicht kommen. Sie lassen sich zum Teil Ware schicken. Und unser Partyservice fällt weg. Das alles zusammen merken wir schon,“ sagt Carmen Höhle. „Das wird bestimmt kein Superjahr. Doch ich will nicht jammern – wir sind froh, dass wir uns über Wasser halten können, denn wir machen vieles selbst“, das sei jetzt ihr Glück. „Mir tun die Restaurantbesitzer leid, da können wir uns noch glücklich schätzen“, sagt die Basdorferin.

„Gibt unterschiedliche Neukunden“

Hofläden, Abokisten, Bringservice, Warenautomaten, Online-Shops – wer als Direktvermarkter in Waldeck-Frankenberg schnelle, für die Kunden unkomplizierte Vertriebswege bieten kann, scheint während der COVID-19-Pandemie im Vorteil zu sein. Ob Kunden das Angebot heimischer Erzeuger auf Dauer vermehrt nutzen werden, bleibt abzuwarten. „Es gibt viele Leute, die extrem aufs Geld schauen. Wir hoffen aber, dass wir nun, da mehr Leute unsere Produkte kennengelernt haben, den ein oder anderen neuen Kunden auch dauerhaft halten können,“ sagt Friedrich Kalhöfer. 

„Die Leute probieren jetzt aus – und es gibt unterschiedliche Neukunden. Jene, die bewusst regional und bio einkaufen wollen, und dann jene, die sich jetzt wegen Corona mit Abokisten beliefern lassen. Von denen werden später wahrscheinlich einige wieder abspringen. Manche werden, wenn es die Möglichkeit wieder gibt, aber auch deswegen wieder selbst einkaufen wollen, weil sie das Gefühl schätzen, selbst auswählen zu können“, sagt Tobias Hofius. 

Eine Auswahl der heimischen Direktvermarkter ist zu finden unter: www.landwirtschaft-waldeck-frankenberg.de/direktvermarkter.html

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