Heilberufe: Weniger Mitarbeiter, mehr Patienten, längere Wartezeiten

Waldeck-Frankenberg: Noch viele Baustellen für die Therapeuten

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Der Bedarf an Physiotherapie steigt bei jung und alt. Derweil hat die ganze Sparte der Heilberufe mit Problemen zu kämpfen.

 Waldeck-Frankenberg – Weniger Mitarbeiter, mehr Patienten, längere Wartezeiten: In den Heilberufen Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie hat sich die Lage in den vergangenen Jahren zugespitzt.

Auch in der Region müssten Patienten drei bis bis sechs Wochen auf Termine warten, sagt Susanne Pape von „Reha Fit“ in Korbach – die Kreisstadt sei dabei eine Ausnahme mit recht vielen Physiotherapeuten.

Die Löhne in der Physiotherapie waren an die Grundlohnsumme gekoppelt, stiegen also effektiv nicht: „Also waren die Schulen leer“, sagt Susanne Pape. Der Umsatz sei in den vergangenen 20 Jahren um 30 Prozent zurückgegangen, fügt ihr Mann Andreas Pape hinzu – um in die Branche zu geraten, wollten immer weniger Leute zehntausende Euro Schulgeld aufbringen. Kollege Kevin De Bruyn sagt es so: „Junge Leute fragen sehr zielgerichtet, wie die Verdienstmöglichkeiten aussehen. Wenn sie schlechter sind als bei einem Friseur – wieso sollten sie das machen?“

Die Eheleute Pape und Kevin De Bruyn sind sich derweil einig, dass die Situation sich zuletzt stark gebessert hat. „Die Politik hat jetzt wirklich was getan“, sagt Kevin De Bruyn, ein Gesetzespaket wurde verabschiedet. Preise wurden dabei überregional angeglichen und in Folge dessen erhöht. Einige bürokratische Hürden wurden abgebaut. „Da wurde etwas von dem aufgeholt, was in den vergangenen 15 Jahren versäumt wurde – aber es ist noch ein Sprung nötig“, sagt De Bruyn.

Gleichzeitig ist die Schulgeldfreiheit anvisiert – das Asklepios Bildungszentrum hat 2013 als erste private Berufsfachschule die Schulgeldfreiheit eingeführt, erklärt Bertram Hahn, Bereichsleiter der Physiotherapie-Ausbildung in Bad Wildungen: „Dadurch haben wir die Azubi-Stellen fast verdoppelt.“

In den kleineren Heilberufen stellt sich die Situation ähnlich dar: Vier bis sechs Wochen Wartezeit seien da normal, erklärt Logopädin Sabine Baumeister vom Therapiezentrum Battenberg-Gemünden. Und: „Die Praxen auf dem Land haben noch mehr mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen – das ist aus jeder Ecke zu hören.“ 

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