Neue Möglichkeit: Direkt nach der Akademie nach Nordhessen

Waldeck-Frankenberg: Polizei fehlen die Nachwuchskräfte

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Die beiden jungen Polizisten Wencke Steinhausen, Kripo, und Robin Wissemann, Schutzpolizei (links) mit Einstellungsberater Jörg Dämmer.

Die hessische Polizei hat Nachwuchsprobleme. Es fehlt an Uniformierten ebenso wie an Kriminalpolizisten. Weil die Not besonders in Nordhessen groß ist, gibt es hier mittlerweile eine besondere Regelung.

„Geplant war, in diesem Jahr hessenweit so viele junge Polizisten neu einzustellen wie noch nie: 1100“, sagt Jörg Dämmer, Sprecher und Einstellungsberater der Polizei in Waldeck-Frankenberg. Allein 500 sollten es im Februar sein. Allerdings seien nur 300 geschafft worden.

Um auch im Landkreis verstärkt für den Polizeiberuf zu werben, sollte es Anfang April einen Aktionstag unter dem Titel „Cops for future“ geben. Polizei zum Anfassen und Mitmachen hatte Dämmer für junge Interessierte geplant, mit einem Besuch der Korbacher Dienststelle beispielsweise. Aufgrund des Coronavirus musste die Veranstaltung abgesagt werden, ob sie nachgeholt werden kann, sei noch unklar, so Dämmer. Erstmals hätte es hier einen solchen Aktionstag gegeben, weil „hier junge, motivierte Menschen gebraucht werden“.

Bei der Kripo ist der Bedarf ebenfalls groß. „Grundsätzlich besteht innerhalb der kompletten hessischen Polizei derzeit Personalbedarf“, sagt Jörn Alles, der stellvertretender Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) in Hessen ist und im Kasseler Polizeipräsidium arbeitet. Alles spricht von einem „Ungleichgewicht zwischen der Zahl der Bewerber auf die kriminalpolizeilichen Stellen und den zu besetzenden Stellen“. Dieses gebe es seit Jahren. In Waldeck-Frankenberg gebe es zudem keinen Kriminaldauerdienst. Ermittlungen werden von „Kollegen aufgenommen, die dies neben ihrer originären Tätigkeit im Tagdienst über ein Bereitschaftsmodell gewährleisten. Die Arbeitsbelastung ist grundsätzlich hoch“, so der Kriminalbeamte.

Weil es vor allem in Nordhessen an jungen Polizisten fehlt, müssen diese nach der Ausbildung nicht mehr zunächst für vier Jahre nach Südhessen, um Dienst zu machen. Das galt jahrzehntelang. „Für Nordhessen wurde das aufgehoben“, sagt Jörg Dämmer. Der Nachwuchs kann gleich in eine Dienststelle in Nordhessen wechseln.

Robin Wissemann und Wencke Steinhausen haben bei der Polizei in Waldeck-Frankenberg ihre Traumjobs gefunden. Und: Beide wollen im Landkreis bleiben. Die Kripo war immer ihr Ziel, auch wenn sie es zwischenzeitlich aus den Augen verloren hatte, sagt Wencke Steinhausen. Nach dem Abi hat die gebürtige Ostwestfälin zunächst Sozialwissenschaften und Germanistik studiert, dann eröffnete sich die Chance der Berufswahl neu und die heute 34-Jährige entschied sich für das, was sie immer schon machen wollte. 

Einen Umweg hat auch Robin Wissemann genommen: Der 27-Jährige machte zunächst eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann und begann dann das Studium der Wirtschaftswissenschaften. Doch schon parallel dazu bewarb er sich bei der Polizei. Denn nur im Büro sitzen und arbeiten, das konnte er sich auf Dauer nicht vorstellen. Im Januar schloss er die Akademie ab, seitdem gehört Wissemann zum Team der Polizeistation Frankenberg. 

 

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