Pannen werden oft nicht gemeldet

Waldeck-Frankenberger Polizei vermutet hohe Dunkelziffer bei Fahrrad-Unfällen

Mutter und Kind, die auf dem Fahrrad fahren
+
Ein Fahrradhelm kann Leben retten: Eltern sollten darauf achten, dass ihre Kinder mit einem Helm fahren. Eine wichtige Vorbildfunktion haben auch Senioren.

Ein Todesopfer, 22 Schwerverletzte und 31 Radfahrer mit leichten Verletzungen – im Jahr 2019 verunglückten im Landkreis Waldeck-Frankenberg 72 Menschen mit ihrem Fahrrad.

Waldeck-Frankenberg – Die häufigsten Ursachen sind laut Polizeidirektion eine falsche Straßennutzung, die nicht angepasste Geschwindigkeit, ungenügender Sicherheitsabstand oder Fehler beim Überholen.

Ein Thema ist in diesem Zusammenhang auch die Nutzung von Pedelecs, also Fahrrädern mit Hilfsmotor. Seit 2013 steigen die Zahlen dort an. Bis jetzt wurden für das Jahr 2020 insgesamt 14 Unfälle mit Pedelec-Beteiligung registriert. Dabei verletzten sich fünf Menschen schwer und weitere fünf leicht.

Jeder siebte Verkehrstote ist ein Radfahrer

Laut einer Mitteilung des Statistischen Bundesamtes war im Jahr 2019 jeder siebte Mensch, der im bundesweiten Straßenverkehr ums Leben kam, mit dem Fahrrad unterwegs. Insgesamt starben im vergangenen Jahr 445 Radfahrer bei einem Unfall, 118 von ihnen fuhren ein Pedelec. Mehr als die Hälfte der tödlich verunglückten Menschen waren 65 Jahre alt oder älter. Die Zahl der getöteten Radfahrer ist gegenüber 2010 um 16,8 Prozent gestiegen.

„Wir gehen davon aus, dass viele der Fahrradunfälle gar nicht polizeilich gemeldet werden, da es außer dem Opfer keine weiteren Beteiligten gibt“, teilt Polizeisprecher Jörg Dämmer mit. Die Waldeck-Frankenberger Direktion vermutet deshalb insgesamt eine höhere Dunkelziffer.

Gerade ältere Menschen verunglücken häufiger. Obwohl ein Pedelec dabei unterstützt, auch im Alter mobil und fit zu bleiben, birgt es einige Gefahren. „Die Geschwindigkeit ist höher, die Wahrnehmung lässt bei Senioren nach. Außerdem sind die Verletzungen häufig schwerwiegender als bei einem jungen Menschen“, sagt der Sprecher.

Um bei einem Unfall gut gerüstet zu sein, sei ein verkehrssicheres Fahrrad, auch ohne Hilfsmotor, wichtig. Außerdem müsse ein Helm zur Ausrüstung dazu gehören. Denn obwohl in Deutschland beim Fahren eines Fahrrads keine Pflicht gilt, empfiehlt Dämmer: „Ein geeigneter Helm dient zur eigenen Sicherheit und verhindert schwere Kopfverletzungen.“

Die Polizei gibt Tipps für ein unfallfreies Fahren mit dem Fahrrad

1) Machen Sie sich sichtbar: Wer bei Dämmerung oder Dunkelheit gut beleuchtet ist, wird nicht so leicht übersehen. Ein funktionierendes Licht sowie Reflektoren sind Pflicht. Jacken oder Westen mit hellen, fluoreszierenden Farben machen Sie am Tag gut sichtbar. Mit retroreflektierender Kleidung fallen Sie in der Dunkelheit am Abend auf.

2) Verhalten Sie sich eindeutig: Nur wer weiß, was Sie vorhaben, kann sich darauf einstellen. Geben Sie rechtzeitig und eindeutig Handzeichen, wenn Sie abbiegen oder die Spur wechseln.

3) Beanspruchen Sie den Platz, den Sie brauchen: Behaupten Sie selbstbewusst den nötigen Platz auf der Straße. Je eindeutiger Sie sich verhalten, desto sicherer wird die Situation für Sie und andere Verkehrsteilnehmer.

4) Beachten Sie das veränderte Fahrgefühl bei Pedelecs: Pedelecs können schneller gefahren werden und sind meist schwerer als normale Fahrräder. Man muss mit ihnen früher anfangen zu bremsen. Auch das Anfahren und Fahren in Kurven ist ungewohnt.

5) Achten Sie auf andere Verkehrsteilnehmer: Andere Verkehrsteilnehmer könnten Ihre Geschwindigkeit eventuell unterschätzen.

6) Fahren Sie vorausschauend: Kreuzungen und Einmündungen bergen Gefahren, auch wenn Sie alles richtig machen. Fahren Sie defensiv, achten Sie auf andere Verkehrsteilnehmende und suchen Sie den Blickkontakt mit ihnen.

7) Nehmen Sie Rücksicht: Denken Sie immer auch an andere Verkehrsteilnehmende. Fußgänger zum Beispiel, bei denen Sie besonders auf die Kinder achten sollten.

8) So sollten Sie sich verhalten, falls doch ein Unfall passiert: Als Erstes stehen das Sichern der Unfallstelle und die Hilfe für Verletzte an. Die Polizei sollten Sie bei Verletzungen oder Streit über den Unfallhergang einschalten.

Beobachtungen der Polizeidirektion zeigen, dass der Fahrradhelm mittlerweile von den meisten Radfahrern getragen wird. Ein Erfolg, der nach Angaben des Sprechers auch an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen liege: „Heutzutage kommt die Jugendverkehrsschule der Polizei schon in die Kindergärten und macht mit den Grundschulkindern einen Fahrradführerschein, bei dem sie immer einen Helm tragen müssen“, berichtet Dämmer, „das prägt sich bei den Kindern ein.“ (sk)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare