Geldgeschäfte, Jagd-Anekdoten und Kriegsleid

„Waldeckischer Landeskalender 2015“ ist erschienen

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Der Zweite Weltkrieg ist vor 75 Jahren ausgebrochen. Er hatte auch verheerende Auswirkungen auf Waldeck, so haben britische Bomber 194 die Edertalsperre zerstört.Alle Fotos aus dem WLK 2015

Waldeck-Frankenberg - Die Tradition wird fortgesetzt: Die 288. Ausgabe des „Waldeckischen Landeskalenders“ ist im Verlag Wilhelm Bing erschienen.

Erste Nachfragen hat es schon gegeben, aber inzwischen ist er im Buchhandel sowie in den Geschäftsstellen der WLZ zu haben: Der Bing-Verlag hat den „Waldeckischen Landeskalender“ für 2015 herausgebracht. 1727 hatte Fürst Friedrich Anton Ulrich den Druck der ersten Ausgabe per „Privileg“ genehmigt, seitdem ist das Jahrbuch für viele Waldecker eine unverzichtbare Lektüre.

Auch der aktuelle Landeskalender bietet eine bunte Mischung aus kulturgeschichtlichen Beiträgen und Artikeln über die vielschichtige Vergangenheit Waldecks, mal heiter, mal ernst. Sie reichen von Welleringhausen bis Hundsdorf, von Landau bis Vöhl. So bietet das reich illustrierte Jahrbuch auf 192 Seiten wieder interessanten Lesestoff und eine Fülle aktueller Informationen. Kurzum: ein Werk für die ganze Familie - ein Blick auf den Inhalt:

„Alptraum vom „Lebensraum im Osten“. Vor 75 Jahren entfesselte der „Führer“ Adolf Hitler im deutschen Namen den Zweiten Weltkrieg. Zielstrebig hatten die Nationalsozialisten auf diesen „Waffengang“ hingearbeitet, mit dem sie neuen „Lebensraum im Osten“ erobern wollten. Doch Deutschland scheiterte kläglich, 1945 kapitulierte die Wehrmacht. Ob die Zerstörung der Kirchen in Vasbeck und Külte, die Bombardierung der Edertalsperre mit der Überflutung des unteren Edertals oder die Kämpfe beim Einmarsch der Amerikaner 1945: Der Krieg hatte auch in Waldeck verheerende Auswirkungen. Und es dauerte Jahrzehnte, bis die Folgen überwunden waren.

Glocken der ehemaligen Grafschaft Waldeck. Glocken mit ihrem charakteristischen Klang gehören für viele zum unverwechselbaren Erkennungsmerkmal ihrer Heimat. Karl Thomas vom Korbacher Stadtarchiv hat die in Waldeck erhaltenen Exemplare aus der Zeit vor der Reformation erfasst und in ihren kunsthistorischen Besonderheiten beschrieben. Die älteste, vermutlich im elften Jahrhundert gegossene Glocke hängt übrigens in der Netzer Kirche „im Thal der heiligen Maria“, das Gotteshaus ziert deshalb auch das Titelbild des diesjährigen Landeskalenders.

800 Jahre Kloster Haina. Als die Mönche des Zisterzienser-Ordnens 1215 den Grundstein fürs Hainaer Kloster legten, hatte die Abtei bereits eine 75-jährige Geschichte hinter sich. Zu Beginn hatte Graf Poppo von Ziegenhain für sein Seelenheil ein Kloster an der Aulisburg nahe Löhlbach gestiftet. Doch der Standort war schlecht gewählt, es bedurfte langwieriger Verhandlungen, bis ein besser geeigneter Platz gefunden war. Das in der Reformation in ein Hospital umgewandelte Kloster zählt heute zu den bedeutendsten Zeugnissen der Zisterzienser in ganz Deutschland. Es beherbergt die auch für Waldeck zuständige Psychiatrie. Der pensionierte Pfarrer Dr. Arnd Friedrich spürt der Gründungsphase nach.

„Kapital gegen Zins ausgegeben“. Der Korbacher Bürger Andreas Schott machte 1656 Schulden beim Dodenhäuser „Gotteskasten“ - für die Kirchengemeinde war es ein schlechtes Geschäft, wie Dr. Arnd Friedrich berichtet. Es war schwer für die Hessen, das Geld im waldeckischen „Ausland“ wieder einzutreiben. Und von Zinsen war mangels Masse erst gar keine Rede. So hatte sich der Kirchenvorstand dieses Geschäft wahrlich nicht gedacht.

„Die alte Oberförsterei in Hundsdorf“. Heinrich Berthold zeichnet die Geschichte des außergewöhnlichen waldeckischen Forsthauses nach, in dem der Förstersohn aufgewachsen ist. Das Fachwerkhaus spielte mit seiner Lage an der Straße von Kassel nach Frankenberg eine besondere Rolle im Fürstentum. Aber es ist auch Quelle für Anekdoten, die heute zum Schmunzeln anregen. Derzeit ist geplant, im Haus ein Forstmuseum einzurichten.

Der Landkreis Vöhl 1821 bis 1866. Bei den Verwaltungsreformen in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt im 19. Jahrhundert wurde aus der einstigen Herrschaft Itter ein eigener Kreis, zu dem auch die beiden in Waldeck liegenden Exklaven Eimelrod und Höringhausen gehörten. Armin Sieburg schildert die kurze Geschichte dieser Verwaltungseinheit, die mit der preußischen Übernahme des „Hinterlandes“ 1866 auch schon wieder endete.

Geldschein aus dem Getto. Der Frankenberger Polizeibeamte Manfred Bode fand ein „Erinnerungsstück“ an die Bad Wildunger Jüdin Selma Hammerschlag: einen Geldschein aus dem Getto Theresienstadt. Die junge Frau war im „Dritten Reich“ in das Konzentrationslager deportiert worden. Sie überlebte, kehrte in ihre Heimatstadt zurück und half unverzüglich beim Wiederaufbau der DRK-Arbeit mit. Sie starb 1960 in den USA. Über ihr Leben berichtet der pensionierte Rektor Karl-Hermann Völker. Bode übergab den Geldschein übrigens ans Museum der Kurstadt.

Biber im Frankenberg Land? Diese sensationelle Entdeckung gab es im Januar 2014: Ein naturkundiger Apotheker fand in einem Sumpfgebiet untrügliche Spuren dieses Tieres. Die Naturschutzbehörde in Kassel und heimische Naturfreunde waren begeistert. Doch schon bald wurde es still um den Biber... Der bekannte Autor und Fotograf Gerhard Kalden berichtet.

Von Jahr zu Jahr. - Streit um die Schäden am Korbacher Hallenbad und um die Zukunft des Heloponte in Bad Wildungen, Jubiläen und Feste - die reich illustrierte Chronik verzeichnet, was sich in den vergangenen zwölf Monaten Wichtiges im Kreis ereignet hat.

Das Sportjahr 2013/14. WLZ-FZ-Sportredakteur Gerhard Menkel geht in seinem Rückblick neue Wege: Er stellt für jeden Monat einen heimischen Sportler im Kurzporträt vor. Ob Leichtathleten, Schützen, Skispringer oder Kicker: Waldeck hat zahlreiche erfolgreiche Männer und Frauen.

Ebenfalls im Landeskalender 2015: das Kalendarium, Termine der Feste und Märkte im Kreis und der Hundertjährige Kalender. Für viele ein unverzichtbares Nachschlagewerk ist das aktualisierte Verzeichnis der Behörden und Organisationen sowie der Großgemeinden.

Der „Waldeckische Landeskalender 2015“ umfasst wieder 192 Seiten, er ist im heimischen Buchhandel, bei Austrägern der WLZ sowie in den Geschäftsstellen der WLZ zum Preis von 6,80 Euro zu haben.

Von Dr. Karl Schilling

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