Heidelberger Professor Wolfgang Stinnesbeck hält politische Debatten um das Weltklima für fragwürdig

Der Wandel ist beständig - auch beim Klima

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Professor Wolfgang Stinnesbeck (58) ist ein international erfahrener Geologe und lehrt an der Universität Karlsruhe. Künftig möchte Stinnesbeck auch ein Forschungsprojekt zur „Korbacher Spalte“ mitbetreuen.

Waldeck-Frankenberg - „Klimawandel“ ist in aller Munde. Doch was ist von den Prognosen aus Sicht der Forschung zu halten? WLZ-FZ-Chefredakteur sprach mit dem Heidelberger Geologen Professor Wolfgang Stinnesbeck. Er hält die populären Klimamodelle für zweifelhaft - ebenso das Ziel, der Mensch könne den Temperaturanstieg auf zwei Grad begrenzen.

Herr Professor Stinnesbeck, nach allem Ermessen fällt die die Spalten-Entstehung etwa genau auf Perm-Trias-Grenze, also vor ungefähr 250 Millionen Jahren. Es gibt ja die Theorie, dass die Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren möglicherweise durch einen Meteoriteneinschlag umgekommen sind, und auch für die Perm-Trias-Grenze gibt es bei manchen Wissenschaftlern die These, dass ein Meteorit das Klima dramatisch verändert hat und deswegen viele Tiere ausgestorben sind. Wie beurteilen Sie das?

Die Perm-Trias-Grenze gilt ja sogar als die Mutter allen Aussterbens auf der Erde. Damals sind in den Meeren etwa 95 Prozent aller Arten ausgestorben, und auf den Kontinenten nimmt man an, dass es ähnlich stark gewesen sein könnte. Aber das weiß man nicht so genau, weil es so wenige gut zeitlich einzuordnende kontinentale Fundstücke gibt.

Insofern ist wahrscheinlich auch die Korbacher Spalte sehr wichtig in dem Zusammenhang, weil deren Entsteheung genau auf die Perm-Trias-Grenze fällt.

Ja, das ist entscheidend. Die Korbacher Spalte gehört zu einem einzigartigen Lebensraum, den man in Mitteleuropa bislang nicht gekannt hat, und er öffnet uns einen Einblick in eine Lebewelt, die man von der nördlichen Erdhalbkugel so nicht erwartet hätte.

Können wir dabei annehmen, dass der Procynosuchus, also dieser berühmte Säugetier-Vorfahre aus der Korbacher Spalte, möglicherweise durch einen Meteoriteneinschlag ausgestorben ist?

Man hat über 20 Jahre versucht, einen solchen Asteroideneinschlag nachzuweisen an der Perm-Trias-Grenze. Meines Wissens hat man aber keine eindeutigen Belege dafür gefunden, obwohl man sehr intensiv in den unterschiedlichen Bereichen auf der Erde danach gesucht hat. Das Aussterben muss dann aufgrund anderer Ursachen erfolgt sein.

Was könnten die Ursachen gewesen sein? Es gab ja in diesem Erdzeitalter auch einen starken Klimawandel. Wie ist das abgelaufen?

Ja, es gab einen sehr entscheidenden Klimawandel. Es sieht so aus, als hätte sich innerhalb der letzten halben Million Jahre der Permzeit, also kurz vor der Zeit vor 250 Millionen Jahren, ein sehr drastischer Temperaturanstieg vollzogen. Der wird mittlerweile zurückgeführt auf den Ausbruch von riesigen Flutbasalten im Bereich des heutigen Sibirien. Man erkennt heute noch in der Gegend von Irkutsk und andernorts in Sibirien die Reste dieser riesigen Basaltdecken, die damals die Hälfte von Sibirien bedeckt haben müssen. Das sind keinerlei Ausbrüche, die mit irgendwas vergleichbar wären aus der heutigen Zeit, sondern es sind riesige Spalten, die sich in der Erdkruste aufgetan haben. Und dann muss sich Magma daraus ergossen haben, Basalt wurde gefördert, und mit den riesigen Basaltmassen kamen natürlich auch riesige Mengen an Gasen in die Atmosphäre. CO2-Gas, etwa, aber auch schweflige Säure, Stickoxyde und vieles mehr, die zu einer Vergiftung der Atmosphäre beigetragen haben. Das CO2 selber führte dann vermutlich zu dieser Temperaturerhöhung.

Wenn Sie von einer drastischen Temperaturerhöhung sprechen, wie kann wir uns das vorstellen? Um wie viel Grad ging es nach oben?

Das ist heute wirklich schwer zu quantifizieren, aber damals muss es einen Temperaturanstieg gegeben haben von vielleicht fünf oder sechs Grad - an der Landoberfläche auf jeden Fall.

Seit 25 Jahren es auch in politischen und ökologischen Debatten um einen Klimawandel. Wir hatten keinen Meteoriteneinschlag, aber die Wissenschaft diskutiert darüber, dass wir trotzdem immer wärmeres Klima bekommen. Klimawandel und Klimaschutz sind zum Allgemeingut geworden. Aber es gibt auch gegenteilige Meinungen dazu. Wie beurteilen Sie diese Debatten?

Das ist eine schwierige Situation. Als Geowissenschaftler schaut man sich eine Entwicklung des Klimas über Tausende oder Hunderttausende oder sogar Millionen von Jahren an. Wenn man sich also die letzten 500 Millionen Jahre anschaut, dann hat es Temperaturbereiche auf der Erde gegeben, die weitaus höher gewesen sind als heute. Die Temperaturen heute sind im Vergleich eigentlich extrem niedrig. Während der Kreidezeit zum Beispiel, als die Dinosaurier ausstarben, hat es Ozeane gegeben, die bis 35, vielleicht sogar bis 40 Grad warm gewesen sind an der Oberfläche. Davon sind wir heute ja noch sehr weit entfernt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und viele Politiker diskutieren international heute darüber, dass der Anstieg der Durchschnittstemperatur auf der Erde auf zwei Grad begrenzen muss. Gemessen an den Temperaturen zu Beginn der Industriealisierung vor etwa 150 Jahren. Haben wir Menschen überhaupt so viel Einfluss auf das Klima, dass wir einen Anstieg derart begrenzen könnten?

Ich glaube nicht, dass wir das können - oder Aufgabe unserer Zivilisation ist. Und wenn wir uns dies wirklich zur Aufgabe machten, dann würde wahrscheinlich die Hälfte der Weltbevölkerung dabei umkommen. Ich glaube, eine solche Vorstellung wäre sehr arrogant. Selbstverständlich sollten wir haushalten mit den fossilen Brennstoffen, und man sollte auch aufpassen, nicht zu viel an CO2 in die Atmosphäre zu bringen.

Ich erinnere mich auch an die Anfänge der Weltklimakonferenz und die 70er-Jahre. Damals war noch die Rede davon, dass wir einer nächsten Eiszeit entgegenstreben. Heute ist von dramatischem Temperaturanstieg die Rede. Wird es wärmer auf der Welt, oder wird es aus geologischen Zeiträumen betrachtet wieder kälter?

Was bei diesen Klimavorhersagen betrachtet wird, ist ja nur eine historische Klimaentwicklung - also ein Zeitraum der letzten 150 Jahre. Das allerdings ist viel zu kurzfristig gedacht. Sie haben selber die Debatten Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre genannt. Damals dachte man, auf die nächste Eiszeit zuzusteuern. Dies zeigt uns einfach, dass in diesen 30 Jahren, die seitdem vergangen sind, sich das Denken grundlegend verändert hat - und eben beeinflusst wurde von kurzfristigen Temperaturanstiegen, die man genau in diesem Zeitraum verzeichnet hat. Wenn wir jetzt aber sehen, wie diese „Hockeyschlägerkurve“ beim Temperaturanstieg eigentlich weitergedacht werden müsste in die Zukunft, dann sind wir von all den Vorhersagen schon sehr weit wieder entfernt.

Es heißt ja, dass die Durchschnittstemperatur auf der Erde seit vielen Jahren gar nicht mehr steigt - obwohl die Politik so viel darüber diskutiert.

Richtig, seit mittlerweile 17 Jahren hat sich bei den Temperaturen ein Plateau ausgebildet, obwohl eigentlich aufgrund der modernen Berechnungen zu erwarten gewesen wäre, dass die Temperatur weiter ansteigt. Aber das ist nicht der Fall.

Was ist denn dann von diesen Wissenschaftlern zu halten, die das immer und immer weiter propagieren, dass die Temperatur auf der Erde dramatisch ansteige?

Ich persönlich bin dem gegenüber sehr skeptisch, denn das sind alles Computermodellrechnungen. Die basieren auf Parametern, die man ja selbst erst mal ins System eingeben muss. Wenn wir bei der Hälfte dieser Parameter vielleicht noch nicht einmal wissen, was genau einzugeben ist in die Modellrechnungen, und bei der anderen Hälfte weiß man zudem nicht genau, wie sie sich gegenseitig beeinflussen, dann kann aus solchen Modellrechnungen nichts Vernünftiges herauskommen.

Was ist denn Ihre Prognose für die Zukunft: Wird die Durchschnittstemperatur auf der Erde ansteigen, oder steuern wir einer nächsten Kaltzeit entgegen?

Ja, wir streben sicherlich einer nächsten Kaltzeit entgegen. Das kann man aus den Klimakurven der letzten Millionen Jahre ersehen. Da hat es immer Eiszeiten gegeben, gefolgt von Warmzeiten. Und wir können ebenso erkennen, dass solche Anstiege der Temperaturen ein Phänomen gewesen ist, das relativ schnell erfolgt ist - innerhalb von ein einigen Hundert Jahren, maximal tausend Jahren. Danach sind die Temperaturen dann stets sägezahnartig wieder in den Keller gegangen. Den letzten dieser Temperaturanstiege, den hatten wir vor 10 000 Jahren - also zum Ende der letzten Eiszeit. So sollten die Temperaturen jetzt wieder ein Plateau ausbilden, dann langsam wieder sinken, bevor wir dann wahrscheinlich in 80 000 bis 90 000 Jahren in der nächsten Volleiszeit stecken werden. Aber selbst wenn wir die Entwicklung des Klimas in sehr viel kürzeren Zeiträumen betrachten, hat es seit Menschengedenken schon enorme Schwankungen gegeben.

Im Mittelalter beispielsweise gab es solche Schwankungen.

Richtig, auch im Mittelalter hatten wir in Mitteleuropa zum Teil Temperaturen, die deutlich höher gewesen sind als die heutigen. Dies ist das mittelalterliche Temperaturoptimum. Aber auch wenn wir 2000 Jahre zurückgehen, da sind wir im Zeitbereich des römischen Imperiums, waren damals die Temperaturen höher als heute. Man muss sich vorstellen, dass die Römer Wein angebaut haben bis nach Schottland hin, was ja heute nicht denkbar wäre.

Warum dann das ganze politische Spektakel um Klimawandel und Zwei-Grad-Begrenzung? Bei Ihrer Betrachtung muss uns das doch als absurd erscheinen.

Ich finde es auch manchmal etwas absurd, wenn ich viele Medienberichte lese. Ich glaube, dass viele Menschen heute von der irrigen Vorstellung ausgehen, dass die Erde etwas Konstantes sei. Aber wenn wir als Geowissenschaftler etwas lernen, dann doch, dass die Erde dauernden Veränderungen unterworfen ist - und damit auch das Klima. Selbstverständlich wissen wir, dass CO2 ein Treibhausgas ist, und wir wissen, dass durch menschlichen Einfluss die Menge an CO2 in der Atmosphäre angestiegen ist. Aber wie hoch dieser antropogene Einfluss dabei wirklich ist, das ist meiner Ansicht nach überhaupt nicht bekannt. Wenn wir diese historischen Zeiträume anschauen, dann stellen wir im Übrigen fest, dass eigentlich immer bei hohen Temperaturen, ob im Mittelalter oder auch zur Römerzeit, gleichzeitig Blütezeiten der Kultur und der Zivilisation gelegen haben. Als dagegen die Temperaturen wieder sanken, also am Ende des Mittelalters bis zur kleinen Eiszeit im 17. und 18. Jahrhundert, da hatten wir auch Schreckenszeiten - mit dem Dreißigjährigen Krieg etwa, Pest, Hungersnöten großen Überflutungen an Nord- und Ostseeküste und ähnlichem mehr.

Dann könnten wir uns im Grunde freuen, in einer Zeit mit höheren Temperaturen auf der Erde zu leben?

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass dies so ist.

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